Konkurrenz reagiert auf Google-Kauf: Tado will Google europäischen Markt wegschnappen

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InterviewKonkurrenz reagiert auf Google-Kauf: Tado will Google europäischen Markt wegschnappen

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Tado-Mitgründer Christian Deilmann (links) will sich noch mehr europäische Geschäfte sichern, bevor Nest Labs den Markt erschließt

von Thomas Kuhn

Während Google für 3,2 Milliarden Dollar das US-Startup Nest Labs kauft, das vernetzte Thermostate und Rauchmelder baut, will dessen deutscher Konkurrent Tado lieber auf eigene Faust wachsen – und plant nun selbst den Einstieg ins US-Geschäft. Warum, erklärt Tado-Mitgründer Christian Deilmann (31), im Interview.

Herr Deilmann, Google hat gerade angekündigt, für 3,2 Milliarden Dollar Ihren US-Wettbewerber Nest Labs kaufen zu wollen. Hat Sie das überrascht?

Ja, ich war schon erst mal baff. Wobei der Schritt aus Google-Sicht nachvollziehbar scheint – die waren bei Nest ja ohnehin schon investiert. Erstaunlicher ist, dass die Nest-Eigner verkaufen wollen. Ich hatte angenommen, dass die ihr Unternehmen eher selbst an die Börse bringen. Umso mehr als vor ein paar Tagen noch von einer neuen, erfolgreichen Finanzierungsrunde bei Nest die Rede war. Aber 3,2 Milliarden sind natürlich ein Argument.

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Tado steuert wetterabhängig Ihre Heizung Quelle: dpa/Montage

Bei Ihnen steht also nicht schon ein Käufer auf der Türschwelle?

Mit Target Partners und Shortcut Ventures sind wir erst mal sauber finanziert und nicht auf einen Käufer angewiesen. Wir planen aber trotzdem für den Frühsommer eine weitere Finanzierungsrunde, das wäre dann die dritte. Der Erlös soll uns dann helfen nicht nur das aktuell massive Wachstum zu finanzieren, sondern auch dazu dienen, mit neuen Produkten neue Märkte zu erschließen.

Zum Unternehmen

  • Tado

    Eine Heizung, die sich anschaltet, wenn man auf dem Weg nach Hause ist, und abschaltet, wenn man wieder geht: Das Münchner Startup Tado macht es möglich. Es hat eine kleine weiße Box entwickelt, die die heimische Heizung mit dem Smartphone verbindet. Eine mobile App steuert die Heizung automatisch – je nachdem, wo man gerade ist. Wer Tado zum Abopreis von 99 Euro jährlich nutzt, spart im Schnitt rund 30 Prozent Heizkosten, haben die Gründer Christian Deilmann, Valentin Sawadski und Johannes Schwarz ausgerechnet. Das Trio beschäftigt inzwischen 27 Mitarbeiter, zählt Tausende Kunden und hat Wachstumskapital von renommierten VC-Gesellschaften erhalten.

Die Konkurrenz des US-Giganten fürchten Sie also nicht?

Nein, nicht direkt. Bisher existieren wir und Nest in völlig getrennten Märkten. Wir sind fast zeitgleich gestartet und die Amerikaner haben sich auf den US-Markt und auf Canada konzentriert, wir sind in Europa aktiv. Und hier haben wir – Google hin oder her – sicher ein bis zwei Jahre Vorsprung. Den müssen wir nun nutzen, denn deren Produkte sind für die europäischen Anforderungen gar nicht konzipiert und nicht mit den hiesigen Produkten kompatibel. Umgekehrt wäre es unter den aktuellen Vorzeichen aber auch sicher nicht mehr zielführend mit unseren Heizungssteuerungen noch in den USA gegen Nest und Google anzutreten.

Was heißt das für Ihre Internationalisierung?

Wir sind seit Oktober 2012 in Deutschland, Österreich und der Schweiz aktiv, seit Oktober 2013 auch in Großbritannien und in allen Märkten derzeit extrem erfolgreich. Unsere Stückzahlen wachsen Monat für Monat vierstellig und wir verkaufen inzwischen ohne dort Werbung zu machen sogar in zahlreiche andere europäische Länder an Kunden, die uns nur online finden. Dieses europäische Geschäft wollen wir nun deutlich ausbauen und uns den Markt sichern, bevor Nest über den Teich kommt.

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Umgekehrt sind die USA für Sie tabu?

Nein, gar nicht. Nur werden wir da sicher aus den genannten Gründen nicht mit der Heizungssteuerung in den Markt gehen.

Sondern?

Wir haben inzwischen auch ein sehr interessantes Produkt zur Klimaanlagensteuerung entwickelt, dass in den Tests schon sehr gut und zuverlässig läuft. Damit werden wir voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte in den für Klimaanlagen spannendsten Märkten in den Test gehen. Dazu gehören natürlich die USA, umso mehr, als Nest so eine Lösung, wie wir sie anbieten wollen, noch gar nicht im Angebot hat.

Trotzdem, ist es nicht ein Himmelfahrtskommando, gegen einen IT-Riesen anzutreten, der mal gerade drei Milliarden locker macht um ein gut zwei Jahre altes Startup zu kaufen?

Ehrlich gesagt, ist so ein Deal eigentlich das Beste, was dem Markt der smarten und vernetzten Haushaltstechnik gerade passieren kann. Tatsächlich entwickelt der ja gerade erst. Und es ist Nest gelungen, mit interessanten und gefälligen Produkten Aufmerksamkeit und Begehrlichkeiten bei den Kunden zu wecken. Davon profitieren wir ja unmittelbar mit. Und wenn nun Google der Marktentwicklung mit seiner Finanzkraft und seinem Namen noch mehr Dynamik verleiht, dann kann mir das als Tado nur recht sein.

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