Kooperation mit Fon: Deutsche Telekom plant Hotspot-Teppich

Kooperation mit Fon: Deutsche Telekom plant Hotspot-Teppich

Es ist die erste große Nachricht von der Cebit: Die Deutsche Telekom kooperiert mit der Startup-Firma Fon, die private WLAN-Hotspots für andere öffnet. Weitere gute Nachricht für Telekom-Kunden: Ab 15. März sind alle Anrufe bei Hotlines kostenlos.

Die Deutsche Telekom will den schnellen Internet-Zugang unterwegs durch die Nutzung privater Festnetz-Anschlüsse per WLAN massiv ausweiten. Dafür kooperiert der Telekom-Riese in Deutschland mit dem Startup-Unternehmen Fon, das Nutzern eine einfache Möglichkeit bietet, WLAN-Netze miteinander zu teilen.

Durch die Zusammenarbeit mit Fon sollen Kunden zum Jahr 2016 Zugriff auf 2,5 Millionen neue WLAN-Hotspots haben, kündigte Deutschlandchef Niek Jan van Damme am Montag auf der Computermesse CeBIT in Hannover an. Der Telekom gehören heute rund 12.000 Hotspots. Die zeitlich unbegrenzte Partnerschaft soll ab Sommer greifen. In den kommenden Jahren will die Telekom auch den Internet-Empfang in der Bahn verbessern: Bis 2014 soll es Hotspots in 255 ICE-Zügen geben.

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„Wir rollen den WLAN-Teppich in Deutschland aus“, sagte van Damme. „Egal, wo Sie hingehen, das WLAN ist schon da.“ Es sei „ein historischer Moment“. Die Kooperation mit Fon unter dem Namen WLAN TO GO soll auch das Mobilfunk-Netz der Telekom entlasten, durch das mit der Ausbreitung von Smartphones und Tablets immer mehr Daten fließen.

Bei dem Fon-Prinzip werden zwei WLAN-Netze aufgebaut. Der Datenverkehr des Anschluss-Besitzers ist von dem der Gastnutzer klar getrennt. Das heißt, Fremde haben keinen Zugriff auf die Daten des Hotspot-Betreibers. Zudem hat sein Datenverkehr des Eigentümers immer Vorrang, damit die Internet-Verbindung für ihn nicht langsamer wird. Fon-Mitglieder, die ihr WLAN teilen, können dafür die Anschlüsse anderer Teilnehmer in fremden Städten und Ländern mitbenutzen. Fon hat weltweit über 7,7 Millionen Teilnehmer mit offenen WLAN-Netzen.

Führungswechsel Obermann will näher ans operative Geschäft

Mehr Zeit für Kunden, für Mitarbeiter und die Entwicklung neuer Produkte - so begründet Telekom-Chef René Obermann seinen Rücktritt am Donnerstag. Beim Telefon-Konzern will er nicht bleiben.

Der Noch-Chef der Deutschen Telekom AG, Rene Obermann und sein Nachfolger, derzeit im Finanzvorstand Timotheus Höttges. Quelle: dapd

Für Fon ist der Deal mit der Telekom der erste in Deutschland. Bei der Gründung durch den Internet-Unternehmer Martin Varsavsky im Jahr 2005 wurde Fon von der Telekom-Industrie noch sehr kritisch beäugt. Schließlich ist Teil des Konzepts, dass sich die Verteilung der Datenströme stärker der Kontrolle des Netzbetreibers entzieht. Gern verwiesen wurde auch auf eine möglicherweise problematische juristische Lage - Stichwort „Störerhaftung“ -, wenn Fremde das Netz für Rechtsverletzungen missbrauchen. Inzwischen wird klargestellt, dass der Anschluss-Inhaber nicht für das Geschehen im öffentlichen WLAN-Netz haftet.

Mit dem Smartphone-Boom ist der Druck auf die mobilen Netze so groß geworden - und die ungenutzten Kapazitäten in den Festnetz-Leitungen ebenfalls - dass die Netzbetreiber-Betreiber das Fon-Modell als Entlastung willkommen heißen. In Großbritannien, Frankreich, Russland, Japan, Portugal und Belgien hatte die Firma bereits Vereinbarungen mit Netzbetreibern geschlossen.

Telekom-Chef René Obermann betonte in Hannover, die neue Partnerschaft sei ein Beispiel für den Kurs „Innovation durch Kooperation“. Der moderne Netzbetreiber müsse immer mehr zur Plattform für Anbieter von Online-Diensten werden.

Die Unternehmen der Telekom-Branche beschweren sich, dass sie viele Milliarden in den Netzausbau investieren, aber nichts von den Profiten der Online-Firmen abbekommen, die ihr Netz mit Daten füllen. Deren Devise sei: „Ihr investiert, wir schöpfen die Gewinne ab“, kritisierte Obermann vergangene Woche beim Mobile World Congress in Barcelona. Die Telekom versucht dem entgegenzuwirken, indem sie Online-Anbieter ins Boot holt. Zum Beispiel gibt es einen Tarif, in dem die Nutzung des Musikdienstes Spotify inbegriffen ist.

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