Kryptohandys: "Snowden-Effekt" löst Sicherheitswahn aus

Kryptohandys: "Snowden-Effekt" löst Sicherheitswahn aus

von Oliver Voß

Bislang waren verschlüsselte Smartphones vielen Unternehmen zu teuer. Selbst hochrangige Sicherheitsspezialisten verzichten auf einen Abhörschutz. Vor dem Hintergrund des NSA-Skandals könnte sich das ändern.

Einen besseren Zeitpunkt hätte der israelische IT-Sicherheitsriese Check Point für seinen Besuch kaum finden können. Das Unternehmen dürfte Privatunternehmen vor allem durch die Firewall ZoneAlarm bekannt sein, hat aber eine Reihe andere Unternehmen gekauft – darunter 2008 die Sicherheitssparte von Nokia. So kommt das an der US-Technologiebörse Nasdaq registrierten Unternehmen inzwischen auf einen Jahresumsatz von 1,3 Milliarden Dollar.

Amnon Bar-Lev, der Präsident von Check Point, war in dieser Woche zu einer Reihe von Kundengesprächen in Deutschland. „Die Aufmerksamkeit in den Unternehmen ist gestiegen, aber die Ausgaben nicht im gleichen Maße“, sagt Bar-Lev. Nur vier bis sechs Prozent der IT-Budgets in Unternehmen würden für Sicherheit ausgegeben. Dabei könnten 97 Prozent aller Angriffe allein durch die Installation- und Einhaltung von Basis-Schutzvorkehrungen verhindert werden, sagt Bar-Lev.

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Die Dimension und Raffinesse mancher Spionage-Manöver der NSA sind freilich von einem anderen Kaliber. Der Abhörangriff auf Merkel habe ihn nicht überrascht und dass bei den wichtigsten IT-Unternehmen der USA Hintertüren für die Sicherheitsbehörden bestünden, sei in der Branche seit Jahren ein offenes Geheimnis.

Fakten zur Überwachung Warum die NSA Merkels Parteihandy abhörte

Die Regierung hat Informationen, dass ein Mobiltelefon der Bundeskanzlerin wohl von der NSA überwacht wird. Welche Schwachstelle hat der US-Geheimdienst genutzt – und wie kann sich jeder Einzelne noch schützen?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) tippt neben ihrem Sprecher Steffen Seibert im Bundeskanzleramt in Berlin in ihr Handy. Quelle: dpa

Unsere Produkte sind dagegen NSA-free“, wirbt hingegen Check Points Zentraleuropachef Dietmar Schnabel, dazu hat die Rechtsabteilung sogar eine eigene Stellungnahme verfasst. Doch ob dafür der Mossad oder andere israelische Dienste ebenfalls keine besonderen Zugriffsmöglichkeiten hätten, dafür könne er nicht Brief und Siegel geben.

Auch in anderer Hinsicht ist die Kundenwerbung im edlen Wirtschaftsclub auf der Düsseldorfer Königsallee überraschend. „Eine gewisse Einstellung zum Paranoiden ist in der Industrie ratsam“, sagt Bar-Lev. Doch selbst der Sicherheitsspezialist offenbart eher einen gewissen Hang zum Fatalismus, als er stolz sein iPhone zückt. Bar-Lev demonstriert eine neue Anwendung, die sein Unternehmen demnächst einführt: Damit können dienstliche Mails in einem separaten Bereich vermeintlich sicher und verschlüsselt empfangen und versendet werden.

Mit dem Daumen scrollt Bar-Lev durch die Nachrichten, „We secure the Internet“ steht auf der firmeneigenen Werbehülle. Doch was ist mit Gesprächen? Könnten auf dem Apple-Gerät nicht alle privaten oder auch geschäftlichen Telefonate mitgehört werden? „Ja, ich weiß“, sagt Bar-Lev. Doch wenn man Auto fahre, könne es auch einen Unfall geben. „Die Leute müssen weiter ihr Leben leben“.

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