Künstliche Intelligenz: Warum Microsoft warnt, Maschinen zu vermenschlichen

Künstliche Intelligenz: Warum Microsoft warnt, Maschinen zu vermenschlichen

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Sabine Bendiek (l.) führt seit Januar 2016 die Microsoft-geschäfte in Deutschland. Peggy Johnson ist Executive Vice President des Konzerns.

von Michael Kroker, Astrid Maier und Miriam Meckel

Künftig soll KI in jedem Produkt des Microsoft-Konzerns enthalten sein, erklären Vorstandsmitglied Peggy Johnson und Deutschland-Statthalterin Sabine Bendiek. Doch sie warnen davor, die Maschinen zu vermenschlichen.

Frau Johnson, vor Kurzem erst gab Ihr Chef Satya Nadella die Unternehmensdevise „Cloud first, mobile first“ aus. Mittlerweile hört man ihn vor allem über künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge sprechen. Haben Sie heimlich die Unternehmensstrategie geändert?
Johnson: Nein, wir verfolgen immer noch denselben Ansatz: Für Unternehmen weltweit steht die digitale Transformation auf der Prioritätenliste ganz oben, und dabei kann und will Microsoft helfen. Und künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge sind essenzielle Technologien, die diesen digitalen Wandel noch beschleunigen. In der Cloud und mobil. Das gehört alles zusammen und ist kein Widerspruch.

Zu den Personen

  • Peggy Johnson

    Wenn CEO Nadella nach Davos reist, ist sie mit dabei: Als Executive Vice President leitet die Ingenieurin das Business Development – und damit die Zukunft. Johnson war zuvor beim Halbleiterkonzern Qualcomm im Topmanagement.

  • Sabine Bendiek

    Sabine Bendiek führt seit Januar 2016 die Geschäfte in Deutschland. Sie hat als Beraterin bei McKinsey begonnen und ist heute eine der profiliertesten Techmanagerinnen hierzulande. Weiteres Markenzeichen: coole Gürtelschnallen zum Business-Look.

In Ihrer Branche steht aber kein anderes Thema so im Vordergrund derzeit wie die künstliche Intelligenz. Was erleben wir da gerade: Hype oder Revolution?
Bendiek: Ich habe in der Tat schon einmal nach meinem Universitätsabschluss gedacht, dass nun das Zeitalter der KI anbricht. Denn auch damals wurde ähnlich viel über das Thema diskutiert. Passiert ist aber lange Zeit nichts. Jetzt aber stehen wir wirklich vor einer großen Revolution.

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Warum jetzt?

Bendiek: Weil wir Anwendern erstmals Produkte anbieten, in denen künstliche Intelligenz drinsteckt, so wie den Sprachassistenten Cortana in Windows 10. Außerdem sind heute dank der vorhandenen Cloud-Infrastruktur und den riesigen Rechenleistungen die technologischen Voraussetzungen überhaupt erst vorhanden, damit KI auch sinnvoll zum Einsatz kommen kann.

Was ist der Plan, wie stark soll der Umsatz bei Microsoft dank dieser neuen Technologie beflügelt werden?
Johnson: Das haben wir nicht konkret berechnet. In Zukunft wird einfach in allen unseren Produkten KI stecken. Und das ist für uns eine riesige Chance, selbst wenn wir sie nicht in Zahlen festmachen. Das sieht man schon alleine daran, dass wir alleine in unserer Forschungsabteilung 6000 Menschen beschäftigen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Das klingt erst einmal sehr abstrakt. Was genau ist KI in der Industrie überhaupt?
Bendiek: In unserer Branche hat hier ein großer Paradigmenwechsel stattgefunden, der die Entwicklung der Technologie erst beschleunigt hat und ihr nun zum Durchbruch verhilft. Früher wollten die Forscher, grob gesagt, die Vorgänge im menschlichen Gehirn nachbilden. Heute geht es vornehmlich darum, wie wir Maschinen beibringen können, aus großen Datenmengen Muster zu erkennen und daraus Rückschlüsse für die Zukunft zu ziehen. Es geht also um eine Art maschinelles Denken.

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Wenn es gar nicht darum geht, das menschliche Gehirn nachzuahmen: Führt der Begriff künstliche Intelligenz nicht in die Irre? Zumal viele Menschen eine artifizielle Intelligenz als Bedrohung empfinden.
Bendiek: Ja, das tut er. Denn wir sind dabei, auch wegen dieses Begriffes, Maschinen zu vermenschlichen. Ich halte das für gefährlich. Mir ist es deshalb sehr wichtig, darauf hinzuweisen, dass Maschinen nicht selbstständig denken können. Zumindest jetzt nicht und auch auf absehbare Zeit nicht. Sie erkennen Muster in Daten wieder und werden dabei immer besser, je mehr wir sie mit Daten füttern. Wir sollten deshalb genauer definieren, was wir überhaupt meinen, wenn wir über KI sprechen. Denn auch die Wissenschaftler streiten unter sich, was genau darunter fällt.

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