Künstliche Intelligenz: „Wir schließen Spione aus“

Künstliche Intelligenz: Zehn deutsche Pioniere, die Sie kennen sollten

„Wir schließen Spione aus“

Micropsi Industries

Tumbe Roboter, die immer nur das abspulen, was ihnen einprogrammiert wurde, sind von gestern. Davon ist jedenfalls das achtköpfige Entwicklerteam des Berliner Start-ups Micropsi um die Gründer Ronnie Vuine und Joscha Bach überzeugt. Ihre Software soll den Maschinen künftig ermöglichen, wie der Mensch aus Erfahrungen Schlüsse zu ziehen und sich auf veränderte Umstände einzustellen. Darüber führen sie zum Beispiel mit den Roboterherstellern Kuka und ABB Gespräche. „Wir Menschen sind schließlich auch logische Maschinen“, findet Vuine. „Wenn etwas gut funktioniert, machen wir es wieder.“
Eine andere Zielgruppe sind Maschinenbauer. Deren Anlagen sammeln heue mittels vernetzter Sensoren sekündlich millionenfach Daten und die lernenden Algorithmen der Berliner sollen darin Muster erkennen, die Ausfälle ankündigen oder Hinweise geben, wie der Ausstoß der Maschinen gesteigert, ihr Energieverbrauch zugleich minimiert werden kann. Die Berliner stehen noch am Anfang ihrer Karriere. Mit einer Anschubfinanzierung von 800.000 Euro wollen sie durchstarten.

Semvox

Die Saarbrücker um CEO und Mitgründer Norbert Pfleger, 2008 ebenfalls aus dem DFKI hervorgegangen, sind auf sprachgesteuerte virtuelle Assistenzsysteme spezialisiert. Der einfache Befehl: „Erwärme das Haus auf 23 Grad Celsius, wenn ich nach Hause komme“, ersetzt zum Beispiel die heutige komplexe Programmierung einer Heizungssteuerung. Sagt ein Geschäftsreisender dem Assistenten, er würde morgen gerne abends in Berlin französisch Essen gehen, schlägt der ihm ein Restaurant vor, reserviert den Tisch und lädt Freunde ein. Unternehmen können die schlaue Software bitten, alle Kunden mit einem Umsatz von mehr als 20.000 Euro heraus zu suchen, Servicetechniker fragen, wie ein Gerät zu reparieren ist und welche Ersatzteile sie dafür mitnehmen müssen.
Um stets zu Diensten zu sein, braucht das System keine dauernde Verbindung zum Internet, sondern kann auf eine private Datencloud zurückgreifen. „Wir schließen Spione aus“, betont Semvox-Kommunikationschef Michael Bruss. Diese Fähigkeit weckt in Zeiten ausufernder Hackerangriffe die Neugier vieler Branchen. So sind die Saarländer zuversichtlich, ihren Umsatz, derzeit noch einstellig, in den kommenden zwei Jahren verdoppeln zu können. Ebenso die Belegschaft von heute 50 hochqualifizierten Fachkräften.

Spectrm

Mit Nachrichten online wahllos überschwemmt zu werden, ging Spectrm-Mitgründer Max Koziolek auf die Nerven. Also tüftelte er mit Freunden ein System aus, das jedem Nutzer Nachrichten per Messengerdienst ganz nach deren Gusto zustellen soll – aufs Smartphone, Tablet oder den Schreibtisch-PC. Dabei soll die Software den Informationsstrom selbstständig immer besser auf die Wünsche der Abonnenten anpassen und sogar einfache Fragen beantworten können, wie die, welcher Spieler in der laufenden Saison die meisten Tore für den Lieblingsverein geschossen hat.
Das Konzept schlug Wellen bis ins ferne Silicon Valley und katapultierte die Berliner zum Facebook-Partner. In Deutschland nehmen etwa die "Bild"-Zeitung, die "FAZ" oder das Technologiemagazin "t3n" ihre Dienste in Anspruch. „Personalisierung ist ein wichtiger Punkt, der uns umtreibt“, sagt Koziolek. Mit einer Start-Finanzierung von 1,5 Millionen Dollar im Rücken, ist der Grundstein gesetzt.

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