Leben mit Technik: Videospiele erobern den Alltag

Leben mit Technik: Videospiele erobern den Alltag

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Browserspiel «FarmVille»

von Sebastian Matthes

Waren Computerspiele früher etwas für Freaks, sind sie längst zum Massenphänomen geworden. In neuen Formen sind die Spiele gerade dabei, fast alle Lebensbereiche zu erobern.

Früher waren Computerspiele eine Randerscheinung. Spiele-Freaks waren oft übernächtigte Knaben, die mit martialischen Waffen versuchten, düstere Welten zu beherrschen.

Nun aber spielen alle. Selbst Menschen, die ohne Hilfe bislang nicht mal ein Schreibprogramm installieren konnten (und stolz darauf waren), sind plötzlich begeisterte Daddler: Sie bewirtschaften bei Farmville Bauernhöfe, machen zwielichtige Geschäfte mit Mafia Wars oder puzzeln bei Bejeweled um die Wette, alles Spiele, die an optischer Schlichtheit nicht zu überbieten sind. Doch sie sind in Minuten über jedes Facebook-Profil erreichbar – kostenlos. Ebenso schnell können die neuen Spiele-Fans über soziale Netzwerke ihre Freunde herausfordern und gegen reale Gegner antreten.

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Das ist der Schlüssel für den Erfolg: Früher hatten die Spiele nichts mit der Realität zu tun, sie waren eingeschlossen in die heimische Kellerwelt. Heute dagegen verschwimmt die Grenze zwischen Spiel und Wirklichkeit. Trendsetter war vor allem Nintendos Konsole Wii, die sich seit 2006 weltweit rund 72 Millionen Mal verkaufte. Sie ermöglichte erstmals, Spiele über natürliche Gesten zu steuern: Bei Guitar-Hero etwa müssen Spieler ein E-Gitarren-Imitat traktieren. Mit Microsofts Xbox-Erweiterung Kinect, die im Herbst erscheint, müssen Spieler nicht mal mehr einen Sensor in die Hand nehmen. Kameras registrieren die Bewegungen und übersetzen sie nach Belieben in einen Boxkampf oder ein Tennisspiel.

Aber das ist nur ein Zwischenschritt. Denn Spiele sind gerade dabei, fast alle Lebensbereiche zu erobern: Mit der Smartphone-Software Foursquare sammeln eine Million Menschen Punkte, wenn sie Freunden mitteilen, wo sie sind. Wer etwa eine Bar am häufigsten besucht, wird dort virtueller Bürgermeister und bekommt mitunter einen realen Frei-Drink. Millionen Menschen sind inzwischen selbst Spaziergänge zu langweilig: Sie beteiligen sich mit GPS-Handys an virtuellen Schnitzeljagden und nennen es Geocaching. Selbst der Hybridwagen Honda Insight belohnt seine Besitzer: Je behutsamer sie Gas geben, desto mehr Blätter wachsen an einem virtuellen Bäumchen im Tacho.

Experten glauben sogar, dass uns schon bald kleine Spiele auf Cornflakes-Packungen das Frühstück versüßen werden und Zahnbürsten Punkte für regelmäßiges Schrubben vergeben. Doch dann, spätestens, wünschen wir uns, dass die Spiele wieder in die dunklen Keller-gewölbe versinken, aus denen sie gerade auferstanden sind.

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