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Medien: Murdoch will Geld für Nachrichten im Netz

von Rolf Benders und Thomas Knüwer Quelle: Handelsblatt Online

Der Branchenführer reagiert auf die Werbekrise: Medienunternehmer Rupert Murdoch will im Internet alle Nachrichtenangebote seines weltweiten Konzerns kostenpflichtig machen. Die deutschen Vertreter sind alles andere als abgeneigt: Die Umsonst-Kultur geht ihrem Ende entgegen.

Rupert Murdoch setzt auf Bezahlinhalte. Quelle: Reuters Quelle: handelsblatt.com
Rupert Murdoch setzt auf Bezahlinhalte. Quelle: Reuters Quelle: handelsblatt.com

NEW YORK/DÜSSELDORF. Rupert Murdoch macht jetzt ernst. Zumindest verbal. Spätestens in einem Jahr sollen alle Internet-Auftritte aus seinem Haus ihren Nutzern Gebühren abverlangen. "Eine Branche, die gute Inhalte kostenlos abgibt, beraubt sich selbst der Möglichkeit, gute Arbeit zu finanzieren", sagte der Chef des Medienkonzers News Corp. bei Vorstellung der Jahresergebnisse.

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Die fallen düster aus: Im Geschäftsjahr 2008/2009 fiel nach bereits bekannten enormen Abschreibungen ein Verlust von fast 3,4 Mrd. Dollar an. Im Jahr zuvor stand ein Gewinn von 5,4 Mrd. Dollar in den Büchern. Vor allem das immer weiter hinter Marktführer Facebook zurückfallende Social Network Myspace belastet News Corp. Der Gesamtumsatz des Konzerns fiel um acht Prozent auf 30,4 Mrd. Dollar.

Nun soll also ein Bezahlmodell für Online-Nachrichten Besserung bringen. Details lieferte Murdoch aber nicht. Zu seinem Reich zählen unter anderem die Londoner "Times" und das "Wall Street Journal". Die digitalen Inhalte der Wirtschaftszeitung sind in kleineren Teilen hinter einer Abo-Wand versteckt.

Bislang sind Versuche gescheitert, Internetseiten von Publikumsmedien nur zahlenden Kunden zugänglich zu machen. Allein das "Wall Street Journal" soll erfolgreich sein, nennt aber keine Zahlen.

Der britische Rivale "Financial Times" rühmt sich mit 117 000 Web-Abonnenten. Theoretisch zahlen sie 180 Pfund im Jahr. Praktisch ist nicht bekannt, wie viele reduzierte Abos eingerechnet werden. "FT"-Chefredakteur Lionel Barber schlägt derzeit die Trommel, um auch andere Verlage für eine Abschottung ihrer Seiten zu gewinnen: "Ich möchte unseren Wettbewerbern und dem Rest der Welt sagen, dass es allerhöchste Zeit ist", sagte er jüngst dem britischen TV-Sender Channel 4.

Doch die Konkurrenten zögern: Bei den meisten Verlagen dürften die Netz-Abo-Einnahmen nicht reichen, um den Einbruch bei den Anzeigenerlösen auszugleichen. Andererseits fehlen wirtschaftliche Systeme, um ein Bezahlen pro Artikel zu ermöglichen - abgesehen davon, dass die Nutzer sich bei diesen Diensten zunächst registrieren müssten.

Beim "Wall Street Journal" zeichnet sich deshalb ab, dass weitere Sektionen und Artikel nur für Abonnenten zugänglich sein werden - gewisse Bereich aber frei bleiben.

Mit diesem Ansatz gescheitert ist die "New York Times". Auch prominente Blogger wie Wirtschafts-Nobel-Preisträger Paul Krugman lockten nicht genug zahlende Leser in den Abo-Bereich. Deshalb überlegt das Blatt, sich vollkommen abzuschotten. Eigentlich sollte im August eine Entscheidung fallen - bisher lässt sie auf sich warten, wie eine Sprecherin gestern sagte. Die "New York Times" erwägt, eine Gebühr von fünf Dollar im Monat für die Nutzung ihrer Website einzuführen. Zumindest fühlte sie mit dieser Summe jüngst bei einer Leserumfrage vor. Zum Ergebnis der Erhebung wollte sich die Sprecherin des Zeitungskonzerns nicht äußern.

Deutsche Verlage halten sich in Sachen Bezahlinhalte eher zurück. Die "Kostenlos-Kultur" müsse Schritt für Schritt zurückgedrängt werden, sagt zwar Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner. Doch konkrete Pläne hat auch sein Haus bisher nicht öffentlich gemacht. Anderenorts erzielen allein Spezialangebote wie der "Playboy" oder juristische Datenbanken Abo-Einnahmen.

Das wird auch so bleiben, glaubt Jeff Jarvis, Medien-Professor und -Berater. In einer Kolumne für den "Guardian" machte er sich über Murdochs Pläne lustig: "Wenn Verleger diese Bezahlmauern errichten, öffnen sie die Tür für kostenlose Anbieter, die praktisch ohne Eintrittsbarriere ins Inhaltegeschäft eintreten können. Verleger, die glauben, dass Bezahlmodelle sie retten, behindern Innovationen und Experimente, die der einzige mögliche Weg zum Online-Erfolg sind." Auch für "FT"-Chef Barber findet Jarvis böse Worte: "Er sagt, die Zeitungen müssten für ihre Inhalte Geld verlangen, weil sie es sollten. Ich habe noch nie von einem Business Plan gehört, der auf dem Wort ,sollen' fußt."

Die Abo-Crux

Werbe-Verluste

Verlage, die ihre Texte hinter eine Bezahl-Wand schieben, stehen vor zwei Problemen. Experten schätzen, dass die Zahl der Leser um 50 bis 90 Prozent einbricht. Dann aber nehmen Werbeeinnahmen den gleichen Verlauf. Die Abo-Gebühren können diese Werbeverluste nicht ausgleichen. Beispiel "New York Times": Die Zeitung nahm 2008 235 Mio. Dollar mit Online-Anzeigen ein.

Link-Verluste

Eine Abo-Wand verhindert auch, dass Suchmaschinen die Inhalte erreichen. Somit geht ein weiterer dicker Batzen an Lesern verloren. Auch verlinken andere Seiten nicht mehr auf ein geschlossenes Angebot. Und: Für Menschen auf der Suche nach Nachrichten entsteht der Eindruck, die jeweilige Seite habe zu aktuellen Themen nichts beizutragen und sei nicht mehr relevant.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 07.08.2009, 00:23 Uhradenauer

    Es wäre zu begrüssen, wenn weniger Menschen Murdochs gleichgeschalteten Müll lesen.

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