Meer der Monotonie: Die Smartphone-Bauer stecken im Innovations-Dilemma

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Meer der Monotonie: Die Smartphone-Bauer stecken im Innovations-Dilemma

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Die neuen Modelle des Nokia 6, 5 und 3.

von Thomas Kuhn

Mit immensem Aufwand trommeln Smartphone-Hersteller wie Huawei, LG und Nokia auf dem MWC für ihre Handyneuheiten. Aber die haben fast alle das gleiche Problem.

Wer hätte das gedacht? Grün, genauer gesagt ein Farbton namens „Greenery“ vermittelt das Gefühl von Ruhe und Natürlichkeit; Blau hingegen, besser ein Ton namens „Dazzeling Blue“, steht für Raum und Inspiration.

Es sagt viel über das Innovationsdilemma der Handyproduzenten auf dem diesjährigen Mobile World Congress aus, dass Huaweis Handy Chef Richard Yu bei der Vorstellung der neuen Top-Smartphones P10 und P10 Plus eine Managerin des Farb-Instituts Pantone geschlagene 25 Minuten über die beiden Farbtöne referieren ließ.

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Offensichtlich war es aus Unternehmenssicht die wichtigste Information beim Produktlaunch, dass der chinesische Technologiekonzern seine neuen Spitzentelefone künftig mit blauen und grünen Gehäusen in den Handel bringen wird – zusätzlich zu den bereits vom P9 bekannten (ebenfalls werbewirksam aufgeblasenen) Farben Ceramic White, Dazzling Gold, Prestige Gold, Graphite Black, Rose Goldand und Mystic Silver.

Huawei P10 Diese Attacke soll Apple und Samsung zittern lassen

Mit der Vorstellung des Highend-Smartphones P10 treibt der chinesische Konzern Huawei seinen Masterplan voran. Der klingt zunächst nach Größenwahn.

Richard Yu präsentiert das neue Huawei P10 Plus. Quelle: AP

Alle anderen Neuheiten zu den Geräten, etwa Verbesserungen bei dem, gemeinsam mit Leica entwickelten, Kamerasystem, ein verbesserter Schnelllademodus oder neue Antennen, die besonders schnelle Downloads ermöglichen sollen, folgten nach Greenery und Dazzeling Blue.

So skurril das scheint, Huawei ist in diesen Tagen beileibe nicht der einzige Anbieter, der bei den Beobachtern mit einem Fokus auf eher randständige Details seiner neuen Telefone für Erstaunen sorgt.

Wer 2016 die meisten Smartphones verkaufte

  • Platz 1

    Koreas Elektronikriese Samsung konnte 2016 306.446.600 Smartphones verkaufen. Das entspricht einem Marktanteil von 20,5 Prozent.

  • Platz 2

    14,4 Prozent der 2016 verkauften Smartphones kamen von Apple: 216.064.000 Stück.

  • Platz 3

    Huawei konnte 2016 132.824.900 Smartphones verkaufen. Das sind 8,9 Prozent Marktanteil für das chinesische Unternehmen.

  • Platz 4

    Ebenfalls ein chinesischer Konzern ist Oppo. Der Hersteller konnte 2016 89.299.500 Endkunden für den Kauf seiner Smartphones begeistern. Marktanteil: 5,7 Prozent.

  • Platz 5

    BKK Communication Equipment hatte 2016 einen Marktanteil von 4,8 Prozent. Das chinesische Unternehmen konnte 72.408600 Smartphones verkaufen. Allerdings sind in dieser Rechnung nicht die gesondert aufgeführten Zahlen von Oppo enthalten. Das Unternehmen ist eine Tochter von BKK.

  • Andere

    Den größten Marktanteil machen weitere Hersteller aus: 45,6 Prozent des Smartphone-Marktes 2016 entfallen auf "Andere". Das sind 682.314.300 Stück.

  • Gesamt

    Insgesamt wurden 2016 1.495.358.000 Smartphones verkauft.

    Quelle: Gartner

Nokia: Nicht einmal Snake ist exklusiv

Das finnische Startup HMD, das – gemeinsam mit dem chinesischen Fertigungsriesen Foxconn – die Markenrechte an Nokia-Telefonen übernommen hat, bejubelte bei seiner Gerätepräsentation die „klassischen Kernwerte“ der Marke wie Robustheit, Verlässlichkeit und Qualität – und stellte anschließend drei Smartphones vor, die sich (abgesehen vom Markennamen) in nichts von den Produkten der Konkurrenz unterscheiden.

Umso weniger, als auf allen Modellen die völlig unveränderte Standardversion von Googles Android läuft, so wie sie auch Google selbst in seinem Pixel-Handy, oder Lenovo in seinen Moto-G- und Moto-X-Modellen einsetzt. Nicht einmal den Nokia-Handyspiele-Klassiker Snake haben die Finnen exklusiv (zurück) auf ihre Handys gebracht.

Das Programm lässt sich zwar wieder auf Mobiltelefonen spielen, aber auf jedem beliebigen, denn Snake läuft als Erweiterung in Facebooks Messenger. Als bleibenden Erinnerung von der Nokia-Pressekonferenz bleibt daher eher der Chor finnischer Sänger, die – zwischen den einzelnen Redebeiträgen – den klassischen Nokia-Klingelton nach sangen. Echte Produktinnovationen blieben Mangelware.

Smartphones, das wird in diesen Tagen in Barcelona deutlich, haben inzwischen einen so hohen Reifegrad erreicht, das Gerätedesign ist weitgehend standardisiert, die verbauten Komponenten ähneln sich genauso wie die technischen Spezifikationen, dass es den Herstellern immer schwerer fällt, sich im Markt wirklich durch Innovationen hervorzutun.

Das wirkt sich dann sogar auf Neuheiten aus, die tatsächlich noch aus der Masse herausragen. Wie etwa das neue Top-Smartphone G6, das der koreanische Tech-Konzern LG hier vorgestellt hat. Das Telefon zeichnet sich – bei (relativ) kompakter Bauform des Gerätes – durch einen besonders großen Bildschirm aus, mit sehr schmalen Displayrändern.

Das im Handybau bislang einzigartige 18:9-Format des Displays ist nicht nur ein Hingucker, es ist auch eine echte Geräteinnovation, die das G6 aus der Masse der Neuheiten heraushebt.

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