Megaupload geschlossen: Das Mega-Imperium von Kim Dotcom

Megaupload geschlossen: Das Mega-Imperium von Kim Dotcom

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Der 37-Jährige war eine der schillerndsten Figuren der New Economy: Vom Hacker wurde er zum Internet-Star. „Kim Tim Jim Vestor“ sagte gern: "In zehn Jahren will ich zu den reichsten Männern der Welt gehören".

von Oliver Voß

Mit Megaupload wurde eine der erfolgreichsten Internetseiten geschlossen. Als Kopf hinter dem illegalen Unterhaltungsportal wurde Kim Schmitz festgenommen - der Deutsche war eine der schillerndsten Figuren der New Economy.

Vor wenigen Wochen hatte Kim Schmitz noch gut lachen. Immerhin hatte er so viele Musikstars in einem Video versammelt, wie man es seit dem Afrika-Benefiz-Hit „We are the World“ nicht mehr gesehen hat. Doch sie sangen nicht für einen guten Zweck, sondern bejubelten eine der bei den Fans beliebtesten und von den Musikkonzernen meistgehassten Seiten im Internet. „I love Megaupload”, sangen Hip-Hop-Superstars wie Kanye West, P.Diddy oder Will.i.am von den Black Eyed Peas; “For free”, jubelten Alicia Keys, Chris Brown oder Mary J Blidge.

Begeistert waren auch die Fans und die Zahlen hinter Megaupload entsprechend beeindruckend: Das Musik- und Filmportal Megaupload hatte eine Milliarde Nutzer, die täglich 50 Millionen Besucher erzeugten teilweise vier Prozent des gesamten Datenverkehrs im Internet.

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Doch damit ist es erst einmal vorbei. In der Nacht hat die US-Regierung die Webseite Megaupload.com wegen des Verdachts auf massive Urheberrechtsverletzungen gesperrt. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen, darunter auch Kim Schmitz.

New Economy Star mit vielen Namen

Der 37-Jährige war eine der schillerndsten Figuren der New Economy: Vom Hacker wurde er zum Internet-Star. Der Drei-Zentner-Mann war für Parties und Protzereien berüchtigt, liebte Auftritte mit eigenem Jet oder B-Promis im Bikini. Doch schnell folgte der Absturz: Wegen Insiderhandels wurde der Partykönig 2002 zu einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten verurteilt. Schmitz hatte vorgegeben eine Million Euro in Letsbuyit.com zu investieren und pumpte so den Börsenwert der Rabattseite, die einen ähnlichen Ansatz verfolgte wie heute Groupon, um ein Vielfaches auf. Seine vorher gekauften Aktien stieß der Kieler dann mit 300 Prozent Gewinn ab.

Vielen galt Schmitz als Hochstapler, er wurde bald auch "Felix Krull der New Economy" genannt. So hatte er behauptet, auf dem Schlossinternat in Plön ein Begabtenabitur mit 17 abgelegt zu haben - der Schuldirektor wusste davon allerdings nichts. Auf seiner Kreditkarte stand "Dr.Schmitz" - eine Uni hat er freilich nie besucht. Und selbst seine Fähigkeiten als Computergenie wurden von vielen Hackern in Zweifel gezogen.

"Ich habe sämtliche Hacks gemacht", sagte sein Weggefährte Thomas Schuchhardt dem "Spiegel", denn "Kim kann nicht eine Zeile programmieren."

Der schillernde Schmitz machte dann einem seiner vielen Pseudonyme alle Ehre. „Kim Vestor“ nannte er sich, als Hacker hieß er Kimble. Und wie die berühmte Filmfigur war Kimble nach der Verurteilung auf der Flucht.

Er setzte sich nach Thailand ab und pendelte dann zwischen Hongkong und Neuseeland. Schon lange hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass er der Kopf hinter Megaupload sei. Doch bis zu dem Video gab es dafür kaum Beweise. Der Megaupload-Song war dann ein Coup, wie der größenwahnsinnige Schmitz ihn liebte: Inmitten der versammelten Stars sang auch Kim Dotcom, wie er sich inzwischen nennt.

Als Universal Music juristisch gegen den Song vorging, da einige bei dem Label unter Vertrag stehende Stars angeblich widerrechtlich in dem Video vorkämen, reagierte Megaupload gar mit einer Gegenklage und legte eine Vereinbarung mit Will.i.am. vor.

Rolls Royce Phantom, Flinte und Kims Panic Room

Der deutsche Firmengründer Kim Schmitz alias Kim Dotcom, zwei weitere Deutsche und ein Niederländer wurden des Verdachts auf massive Urheberrechtsverletzungen festgenommen.

Doch diesmal hat Kim Dotcom offenbar überreizt. Gegen 6:30 Uhr kreiste ein Helikopter über Schmitz´ Villa bei Auckland. Mehr als 70 Beamte der neuseeländischen Polizei waren im Einsatz, um Schmitz auf FBI-Ersuchen festzunehmen.

In der "Villa Dotcom" wurden nach Angaben der Polizei Wertgegenstände und Geld im Gesamtwert von sechs Millionen neuseeländischen Dollar (etwa 3,7 Millionen Euro) sichergestellt. Ein ganzer Fuhrpark wurde abtronsportiert: Neben einem Rolls Royce Phantom und einem rosa Cadillac gleich ein Dutzend Mercedes-Limousinen. Die Kennzeichen der Fahrzeuge sind bezeichnend: MAFIA, HACKER, STONED oder POLICE stand auf den Nummernschildern. Die Polizei beschlagnahmte auch Waffen, unter anderem eine abgesägte Flinte.

Bodyguards hätten den Beamten am frühen Morgen zunächst den Zutritt zu dem Anwesen verwehrt, teilte die Polizei mit. Schmitz soll beim Auftauchen der Polizei versucht haben, sich in einen speziell gesicherten Raum im Inneren seines Hauses zu verstecken. Er habe zunächst "eine Reihe elektronischer Schließsysteme betätigt", die Polizisten hätten sich ihren Weg freischneiden müssen.

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