Microsoft-Betriebssystem: Der 2. August wird für Windows 10 zum Härtetest

Microsoft-Betriebssystem: Der 2. August wird für Windows 10 zum Härtetest

, aktualisiert 29. Juni 2016, 18:37 Uhr
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Der Microsoft-Chef hat die Latte für Windows 10 hoch gelegt.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Microsoft am Scheideweg: Werden die Nutzer weiter zu Windows 10 wechseln, auch wenn sie zahlen müssen? Das Update am 2. August muss die Antwort auf diese und andere Fragen geben. Schon tauchen neue Kritikpunkte auf.

Windows 10 muss jetzt ganz tapfer sein und mit eigenen Qualitäten überzeugen: Gerade erst hat Microsoft eine Strafe von 10.000 Dollar aufgebrummt bekommen und musste die nervige Upgrade-Werbung umarbeiten, die immer wieder auf dem PC-Bildschirm von Windows 7 und 8-Kunden aufpoppte und zum Umstieg drängte. Wer den roten „X“-Button am oberen rechten Rand der Box drückte, der erreicht nun einfach das, was er eigentlich auch gedacht hat: das kostenlose Update wird abgebrochen.

Bislang wurde es durch den Klick auf „X“ schlicht eingeleitet. Laute Kritik perlte monatelang am Riesen von Redmond ab. Eine Kleinunternehmerin erstritt jedoch tapfer vor Gericht nach einem ungewollten Update hohen Schadenersatz. Ihr Computer war über Tage lahmgelegt und Microsoft war nicht in der Lage, das Problem zu beheben.

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Am Montag kam das Urteil ans Licht, und es war kein guter Tag für Windows-Chef Terry Myerson. Doch der soll bald kommen, genau gesagt am 2. August. Dann wird das große Anniversary-Update („Jahrestags-Update“) weltweit kostenlos für PCs und Smartphones bereitstehen. Das bestätigte Myerson gegenüber dem Handelsblatt.

Windows-10-Upgrade Microsoft rudert zurück

Microsoft entschädigt erstmals eine Nutzerin für ein sogenanntes Zwangsupdate auf das neue Betriebssystem Windows 10. Aber die Kritik reißt nicht ab.

Windows 10: Microsoft rudert zurück Quelle: dpa

Aber profitieren werden nur existierende Windows-10-Nutzer. Wer dann noch Windows 7 oder 8 hat, muss für den Umstieg bezahlen. Schon am 29. Juli läuft die einjährige Übergangsfrist aus, in der das PC-Betriebssystem kostenlos war. Danach werden zwischen 120 bis 199 Dollar pro Lizenz fällig. Ausnahme: Wer nach dem Stichtag einen Rechner mit Windows 10 neu kauft, kann weiterhin kostenlos upgraden.

Für den Chef der Windows-Sparte wird es ein entscheidender Tag: 350 Millionen Installationen von Windows 10 zählt Microsoft bereits, erklärt er im Gespräch. Im Mai lag der Wert bei 300 Millionen. Doch die Messlatte liegt hoch: Als Ziel hat Microsoft-Chef Satya Nadella ihm eine Milliarde Windows-10-Geräte bis Mitte 2018 vorgegeben. Und Myerson bläst der Wind scharf ins Gesicht: Der PC-Markt schrumpft weiter, Microsofts Windows-Telefone liegen wie Blei in den Regalen, die Surface-Tablets kämpfen sich erfolgreich, aber mühsam gegen Apples iPads voran.

Wie Windows wurde, was es ist

  • Windows 1.0

    Der Urahn des inzwischen meistgenutzten PC-Betriebssystems kam im November 1985 auf den Markt. Damals war Microsoft noch ein Außenseiter, während der Platzhirsch IBM und der Aufsteiger Apple den Kampf um den PC-Markt auszufechten schienen. Anfangs arbeitete sich Windows nur mühsam ins Geschäft – denn Microsoft verzichtete zunächst angesichts eines jahrelangen Patentstreits mit Apple auf grafische Bedienungselemente.

  • Windows 3.1

    Mit dieser Version lernte Windows 1992, Videos abzuspielen, bekam die ersten integrierten Spiele und neue Schriften. Die Grundansicht mit den überlappenden Fenstern und einem Desktop für Programm-Symbole blieb – mit einigen Design-Änderungen – lange erhalten.

  • Windows NT

    Parallel zu den Consumer-Versionen von Windows entwickelte Microsoft nach dem Scheitern des OS/2-Projektes mit IBM eine Windows-Version mit einem neuen Programm-Kern („Windows New Technology“). NT wurde mit Windows 2000 fortgeführt und ging später in Windows XP auf.

  • Windows 95

    Die radikale Erneuerung von 1995 brachte in Grundzügen das Windows, das heute praktisch jeder kennt. Unter anderem wurde der „Start“-Knopf mit dem Balken am unteren Bildschirmrand eingeführt. Nachdem nachträglich der Web-Browser Internet Explorer zum Windows-Grundpaket hinzugefügt wurde, setzte sich Microsoft zum Ärger der Wettbewerbshüter in diesem Bereich gegen den Pionier Netscape durch. Auf die Version folgten die kleineren Aktualisierungen Windows 98 und ME.

  • Windows XP

    2001 brachte Microsoft die bisher langlebigste Version seines Betriebssystems auf den Markt. Mit Windows XP wurden viele visuelle Effekte hinzugefügt, ebenso wie wichtige Funktionen wie etwa schneller Benutzerwechsel, eine integrierte Firewall für mehr Sicherheit und verbesserter Medienwiedergabe.

  • Windows 7

    Das Betriebssystem Windows Vista sollte XP verdrängen, wurde von den Nutzern aber weitgehend ignoriert. Die 2007 veröffentlichte Version bot zwar neue Bildschirmansichten, aber eine für viele Nutzer verwirrende Rechteverwaltung für Benutzerkonten. Erst mit der Vorstellung von Windows 7 im Oktober 2009 konnte Microsoft die Anwender wieder überzeugen.

  • Windows 8

    Mit Windows 8 rüstet sich Microsoft für den Wandel der Computer-Welt: Die neue Kacheloberfläche ist für Touchscreens ausgelegt und eignet sich damit auch für Tablet-Computer – äußerlich ähnelt das System damit dem Smartphone-Betriebssystem Windows Phone. Microsoft stellte Windows 8 im Oktober 2012 vor. Gerade an der neuen Bedienung wurde jedoch schnell viel Kritik laut.

  • Windows 8.1

    Ein Update für Windows 8 kam im Oktober 2013 auf den Markt. Das kostenlose Windows 8.1 soll die größten Kritikpunkte an dem Vorgänger ausräumen. So können Nutzer direkt auf den Desktop starten und so die Kacheloberfläche umgehen. Zudem kehrt der Startknopf zurück, wenn auch nicht das klassische Startmenü.

  • Windows 10

    Mit Windows 10 bietet Microsoft eine einheitliche technische Plattform für PCs, Tablets und Smartphones an. Das von Nutzern ersehnte Start-Menü kehrt auf den Desktop zurück. Am 29. Juli 2015 stellte der Softwaregigant das jüngste Betriebssystem vor. Ein Jahr lang war das Upgrade auf Windows 10 für Computer mit Windows 7 und 8.1 kostenlos. Was das neue System bringt und für welche Nutzer es sinnvoll ist, lesen Sie hier.

Das Update am 2. August muss also dermaßen attraktiv sein, dass es mindestens die bisherigen Installationszahlen aufrechterhält. Doch das verlangt im Endeffekt einen enormen Anstieg der Neuinstallationen. Denn die Altcomputer sind zum Großteil aufgerüstet und 120 Dollar wird nach dem 29. Juli kaum jemand für einen Altrechner ausgeben.

Was sind die großen Vorteile der Jahrestag-Edition? „An erster Stelle würde ich Sicherheit und den neuen Browser Edge nennen“, betont Myerson. Unternehmenskunden schätzten das neue „Windows Defender Advanced Threat Protection“-System, sagt er, das Sicherheitsbedrohungen in Echtzeit analysiert und auf Gefahren reagiert. Schon in der Testphase sei es bei 300 Unternehmen in 70 Ländern mit zusammen 700.000 Arbeitsplätzen im Einsatz. Derzeit liefen bei 96 Prozent aller Microsoft-Unternehmenskunden „aktive Pilotprojekte“ für den Einsatz von Windows 10. Unternehmenskunden sind seine große Hoffnung. Der Altbestand an Windows-XP- und Windows-7-Rechnern muss einfach irgendwann erneuert werden. Sie werden mit den alten Versionen an Bord einfach zu gefährlich.

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