Microsoft-Manager Elop: "Wir stecken mitten in einem tief greifenden Umbruch"

Microsoft-Manager Elop: "Wir stecken mitten in einem tief greifenden Umbruch"

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Auch Microsoft setzt auf die Wolke

Stephen Elop, Chef der Geschäftskundensparte von Microsoft, über Vertrauen, die Konkurrenz mit Google und neue Geschäftsmodelle im Netz.

WirtschaftsWoche: Herr Elop, über Jahre hat Microsoft mit dem Windows-Betriebssystem und der Bürosoftware Office den Markt dominiert und Milliarden verdient. Gerät die Microsoft-Dominanz in Zeiten des Cloud Computing unter die Räder?

Stephen Elop: Keine Frage, die Informationstechnik steckt mitten in einem tief greifenden Umbruch. Aber es ist ja nicht so, als ob wir dieser Entwicklung bloß hinterherschauen. Mit Angeboten wie Azure, unserem Betriebssystem fürs Cloud Computing, aber auch mit Office 2010, das im Juni 2010 auf den Markt kommt, sind wir in der Welt der Internet-Anwendungen gut aufgestellt.

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Mit Verlaub, auch Office 2010 wird primär ein Programmpaket für den PC sein und nicht im Internet laufen wie etwa Googles Schreibprogramm.

Das ist nicht richtig. Office 2010 wird es als traditionelles Desktop-Produkt, als Web-Version und für Smartphones geben. Wir sehen die Kombination der Welten als optimal an. Es geht nicht um ein Entweder-Oder von PC und Internet, sondern um die flexibelste Form des Sowohl-als-Auch. Der PC bleibt auf lange Sicht die leistungsstärkste Maschine, mit der Menschen arbeiten. Weil sie aber immer mehr auch per Smartphones auf Daten zugreifen wollen, machen wir Office-Dokumente nun via Internet auf jedem Endgerät verfügbar – im Original und in Echtzeit.

Wie steht Microsoft mit seinen Cloud Services im Vergleich zur Konkurrenz da? Im Herbst hat die Stadt Los Angeles begonnen, ihr E-Mail-System durch Googles Dienste zu ersetzen. Mitte Januar meldete der japanische Elektronikkonzern Panasonic, komplett auf IBMs Kommunikationsplattform LotusLive zu wechseln.

Trotz der Aufmerksamkeit, den der eine oder andere Wettbewerber erhält, sehen wir uns gut aufgestellt. Sobald Sie beginnen, die angekündigten großen Deals zu hinterfragen, geht es oft um kleine, isolierte Projekte.

Das heißt, Sie verzeichnen nennenswertes Geschäft mit internetbasierten Diensten?

Zunächst ist es ja nicht so, als wäre das Neuland für uns. Mit Hotmail, MSN oder unserer Suchmaschine Bing sind wir in dem Feld ja seit Jahren aktiv. Auch die Option, übers Internet auf seine Unternehmens-E-Mails zuzugreifen, den Outlook-Web-Access, gibt es schon seit zehn Jahren. Was nun den weitergehenden Einsatz von Web-Anwendungen in Unternehmen angeht, so entwickelt sich der Markt ja erst.

Dennoch haben wir sehr erfolgreiche Cloud-Computing-Projekte vereinbart: Seien es Coca-Cola, Glaxo-SmithKline oder der US-Versicherer Aon Corporation, die umfangreiche Dienste bei uns einkaufen. Keiner unserer Kunden hat nur annähernd so große Rechenzentren wie wir. Unser Aufwand pro System ist wesentlich geringer als bei ihnen. So können unsere Kunden ihre IT-Kosten senken und sich aufs Kerngeschäft konzentrieren.

Und das, obwohl Kritiker die Sicherheit unternehmenskritischer Daten und die Verlässlichkeit der Systeme beim Cloud Computing bemängeln?

Wir betreiben großen Aufwand, um die Daten zu sichern und verfügbar zu halten. So sind unsere Rechenzentren weltweit verteilt, verfügen über eigene Stromversorgung, sind mehrfach abgesichert ausgelegt, um ein paar Beispiele zu nennen. Ich glaube, dass IT-Systeme, die Unternehmen selbst managen, schlechter geschützt und weniger belastbar sind als unsere Infrastruktur.

Sie sehen keine Vorbehalte bei Ihren Kunden?

Doch, das schon. Aber das ist ja auch keineswegs überraschend. Wenn Sie zurückblicken, so war eine der wichtigsten Fragen zu Beginn des E-Commerce: Ist die Bezahlung im Web mit Kreditkarten wirklich sicher? Sie war nie weniger sicher als zum Beispiel beim Begleichen der Rechnung in einem Restaurant, und heute ist sie einfach von jedem akzeptiert. Das Gleiche werden wir in den nächsten Jahren mit Internet-Services für Unternehmen auch erleben.

Haben Sie keine Sorge, dass die bei großen Cloud-Dienstleistern gespeicherten Daten bevorzugtes Ziel von Hackerangriffen werden?

Bislang haben wir noch keine erhöhte Kriminalität bei Cloud-Services bemerkt. Zudem können wir einen viel größeren Aufwand zum Schutz der Systeme betreiben, als jeder einzelne Kunde bezahlen könnte. Und das tun wir.

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