Microsoft: Warum Windows 10 sich Ihnen aufdrängt

Microsoft: Warum Windows 10 sich Ihnen aufdrängt

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Windows 10 wurde im Januar dieses Jahres vorgestellt.

Microsoft drängt Windows-Nutzern die aktuellste Version seines Betriebssystems auf. Der Grund: Windows 10 sammelt wertvolle Daten. Nun wollen Verbraucherschützer klagen. Nutzer können sich aber auch selbst schützen.

Die neueste Version des Microsoft-Betriebssystem, Windows 10, ist seit Ende Juli erhältlich. Der Konzern aus Redmond „verschenkt“ sie – das Upgrade ist für Nutzer von Windows 7 und 8.1 kostenlos. Nutzen statt besitzen, mieten statt kaufen, heißt die neue Devise. Statt einmalig für die Lizenz des Betriebssystems zu zahlen, werden Nutzer für allerlei Dienste drum herum zur Kasse gebeten.

Laut Net Applications hat Windows 10 im Dezember, rund vier Monate nach seiner Markteinführung, einen Marktanteil von rund neun Prozent – damit wächst der Anteil der Nutzer deutlich schneller als es bei Windows 8 der Fall war.

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Microsofts neue Masche Warum der Software-Gigant Ihnen Windows 10 schenkt - und Sie dennoch zahlen werden

Es sieht aus, wie Selbstmord auf Raten: Microsoft verschenkt das neue Windows, seinen wichtigsten Gewinnbringer. Warum das riskante Manöver funktionieren kann – und die Kunden am Ende womöglich teuer zu stehen kommt.

Microsoft stellt sein neues Betriebssystem Windows 10 vor Quelle: Microsoft

Den Konzernlenkern ist das scheinbar trotzdem nicht schnell genug. Seit Wochen werden Nutzer von Windows 7 und 8.1 auf das kostenlose Update per Pop-Up-Fenster hingewiesen. Wahlweise können sie sofort auf die neuste Version upgraden oder eben das Upgrade reservieren.

Microsoft reizt damit nicht nur Nutzer, auch die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat den Konzern abgemahnt. Auf offene Ohren stießen die Verbraucherschützer dabei nicht, weswegen sie nun, wie Heise berichtet, vor Gericht ziehen wollen.

Immer wieder beschweren sich Nutzer darüber, dass das Update auch ohne Reservierung heruntergeladen wird.

Microsofts Spionage So gewöhnen Sie Windows 10 das Schnüffeln ab

Daten- und Verbraucherschützer klagen, das neue Windows 10 übermittle zu viele Nutzerdaten an Microsoft. Doch das Betriebssystem lässt sich auch zur Diskretion zwingen.

Windows 10 übermittelt zu viele Nutzerdaten an Microsoft - wie Sie das Datenfenster schließen. Quelle: ap, dpa, Getty Images, Montage: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Das Problem dabei: Das Paket ist mehrere Gigabyte groß, was bei Rechnern mit kleineren Festplatten zu Problemen führen kann. Außerdem läuft der Download im Hintergrund ab: Wer also nicht im WLAN ist, verliert schnell sein komplettes Datenvolumens. Auch Dienste, die online ablaufen, können durch den Download im Hintergrund beeinträchtigt werden.

In der WirtschaftsWoche kritisierte bereits Gerd Billen, Staatssekretär im Bundesjustizministerium in Berlin eine ganze Reihe „aus Verbrauchersicht bedenklicher Punkte“. Er prangert „unpräzise und pauschale Aussagen in den Datenschutzbestimmungen“ an und moniert, Microsoft gebe bei der Installation des neuen Betriebssystems Standardeinstellungen vor, die nur wenig den Schutz der Privatsphäre gewährten.

Der Konzern sammelt persönliche Daten wie Name, Adresse, Alter, Geschlecht und Telefonnummer, ermittelt den Standort des Geräts und nutzt die Daten, die die unternehmenseigenen Dienste sammeln.

Das bringt durchaus Vorteile für den Nutzer: So kann der digitale Assistent Cortana mittels der gesammelten Daten etwa Telefonnummern von Freunden auf Zuruf heraussuchen. Problematisch ist, dass Nutzer, die ihre Daten nicht freigeben wollen, das selbst unterbinden müssen, was nicht ganz einfach ist.

Wie Sie Windows 10 das Schnüffeln abgewöhnen

  • 1. Die Installation

    Sofern Sie Windows 10 nicht vorinstalliert auf einem neuen Rechner gekauft oder im Zuge des aktuellen Gratis-Update-Angebots bereits installiert haben, können Sie allzu großer Neugier schon im Einrichtungsprozess einen Riegel vorschieben.

    Wählen Sie dann im Zuge der Installation nicht die Standard- oder Express-Einstellungen. Wer hier „Einstellungen anpassen“ anklickt, kann unter anderem blocken, dass Apps eine nutzerspezifische Werbe-ID an Internet-Dienste verschicken.

    Auch der Versand von „Informationen zu meinem Schreibverhalten“ lässt sich an dieser Stelle unterbinden. Im Unterpunkt Datenschutz lässt sich zudem einstellen, dass der Rechner keine Informationen über seinen Standort an Microsoft meldet. Das, übrigens, ist ein perfektes Beispiel dafür, wo Microsofts Neugier und das Nutzerinteresse durchaus zusammen fallen können.

    Denn wer etwa auf dem neugestalteten Start-Fenster beim Start die aktuellen Wettervorhersage für seinen Standort angezeigt bekommen möchte, oder bei der Suche auf dem Tablet einen Italiener in der Nachbarschaft, der kommt nicht umhin, dem Programm zu verraten, wo er sich befindet.

  • 2. Das Datenschutzmenü

    Läuft Windows 10 bereits, dann lassen sich die voreingestellten Optionen auch nachträglich noch ändern. Die entsprechenden Einstellungen erreichen Sie über das Start-Menü unter [Einstellungen], [Datenschutz]. Dort können Sie auch fein justieren, wie Microsoft Werbung einblendet und welche anderen Personalisierungsinfos erfasst, bzw. geteilt werden. Die Zugriffsbefugnisse auf Kamera und Mikrofon finden sich hier ebenso wie die Möglichkeit, Apps grundsätzlich den Zugriff auf Namen, Bild und andere Kontoinfos zu verweigern.

    Tatsächlich lässt sich in der Datenschutz-Rubrik extrem detailliert einstellen, welche Apps auf welche Nutzerdaten, auf Kalender und auf die Kontakte zugreifen können. Standardmäßig stellt Microsoft alle Signale auf „grün“, per Klick auf den jeweiligen Schalter kann der Nutzer sie aber ebenso auf „rot“ schalten.

    Auch hier verschwimmen mitunter die Grenzen zwischen sinnvollem Schutz der Privatsphäre und praktischem Nutzen der Software. Ein Leser von Zeit Online beispielsweise weist in einem Kommentar darauf hin, dass etwa die App Kochen&Genuss den (zunächst fragwürdig scheinenden) Zugriff auf die Kamera benötige, damit sich die App auch per Gesten steuern lasse und man Rechner oder Tablet beim Kochen nicht mit schmutzigen Fingern bedienen müsse.

    Nur - auch hier gilt: Opt-In wäre die vertrauenerweckendere Strategie gewesen.

  • 3. Grenzen der Spionageabwehr

    Wer die Kontrolle über seine an Microsoft geschickten Daten behalten will, sollte die einzelnen Punkte der Datenschutz-Rubrik Stück für Stück durcharbeiten. Im Zweifel reicht es, einzelne Funktionen probehalber zu deaktivieren und dann zu prüfen, ob irgendwelche relevanten Windows-Funktionen plötzlich den Dienst verweigern. Läuft alles wie bisher, können die Schalter auf „Aus“ stehen bleiben.
    Wer aber unter [Spracherkennung, Freihand und Eingabe] das etwas sonderbar formulierte Auswahlfeld [Kennenlernen beenden] auswählt, sollte wissen, dass er damit Cortana und die damit verbundenen Assistenz-Funktionen komplett deaktiviert – einschließlich der Diktier-Möglichkeit.

    Wer etwas weniger rabiat zu Werke gehen will, kann auch in den Einstellungen der Cortana-App selbst justieren, welche Quellen der Cyber-Assistent anzapfen und welche Informationen er wohin senden darf.

  • 4. Die WLAN-Optimierung

    Ebenfalls außerhalb der oben schon erwähnten primären Datenschutz-Einstellungen findet sich ein weiteres (ebenso nützliches wie neugieriges) Feature, das sich hinter der Bezeichnung „WLAN-Optimierung“ verbirgt und es ermöglicht, den Rechner automatisch mit Funknetzen zu koppeln, die Microsoft als vertrauenswürdig bewertet. Und zudem mit solchen Hotspots, mit denen sich die Kontakte des Nutzers bereits verbunden haben und deren Zugangsdaten sie – via Microsoft – verschlüsselt weiter geben.

    Das kann immens praktisch sein, wenn sich Windows-Tablet, -Laptop oder -Smartphone auch dort plötzlich mit dem schnurlosen Internet verbinden können, wo der Nutzer selbst gar nicht die Zugangsdaten des jeweiligen Netzes kennt. Zugleich aber verlangt das einiges an Vertrauen auf die Datentreue von Microsoft, seine Nutzernamen und Passwörter (wohlgemerkt: verschlüsselt) auf den Servern in Redmond abzulegen.

    Die Nutznießer dieses Datenaustauschs bekommen die Zugangsdaten zwar selbst nicht zu sehen, aber wem die Vorstellung missfällt, der sollte die entsprechende Funktion unter [Einstellungen], [Netzwerk und Internet], [WLAN-Einstellungen verwalten] deaktivieren.

Vollständig lässt sich Windows das Schnüffeln aber nicht abgewöhnen. Das US-Tech-Blog  „Ars Technica“ hat jetzt nachgewiesen, dass das System auch dann Daten sendet, wenn der Nutzer sämtliche Optionen deaktiviert und auch kein Microsoft-Konto angelegt hat.

Laut Bericht werden etwa beim Öffnen des Startmenüs und dem Benutzen der Suchfunktion Daten an die Bing-Server gesendet. Unter anderem sei darin auch eine zufallsgenerierte Identifikationsnummer enthalten. Der PC ist damit eindeutig wiedererkennbar.

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