Microsofts neue Masche: Warum der Software-Gigant Ihnen Windows 10 schenkt - und Sie dennoch zahlen werden

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Microsofts neue Masche: Warum der Software-Gigant Ihnen Windows 10 schenkt - und Sie dennoch zahlen werden

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Microsoft-Chef Satya Nadella präsentiert am 29. April 2015 auf der Entwicklerkonferenz in San Francisco Neuerungen im Betriebssystem Windows 10.

von Thomas Kuhn und Matthias Hohensee

Es sieht aus, wie Selbstmord auf Raten: Microsoft verschenkt das neue Windows, seinen wichtigsten Gewinnbringer. Warum das riskante Manöver funktionieren kann – und die Kunden am Ende womöglich teuer zu stehen kommt.

Nur mal angenommen, Sie fahren einen Mercedes, egal, ob A- oder S-Klasse. Und dann, eines Morgens in diesem Sommer, stellt Ihnen Daimler-Chef Dieter Zetsche einen Neuwagen vor die Tür. Als Geschenk. Freies Tanken für zwölf Monate gibt’s kostenlos dazu, die Wartung sowieso, und alle Parkgebühren hat der Autoboss auch beglichen. Sie würden Zetsche für verrückt erklären. Erst recht, wenn er behauptete, die Alles-umsonst-Offensive sorge für Umsatzwachstum, weil die Kunden als Dank massig kostenpflichtige Zusatzdienste buchten und der Marke ewig treu blieben.

Doch so wird es kommen. Weltweit.

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Nur heißt der vermeintlich selbstmordgefährdete Konzern nicht Daimler, sondern Microsoft; und der angebliche Zetsche ist Satya Nadella. Der 47-jährige Konzernlenker hat nicht weniger vor, als jenes Produkt Hunderte Millionen Mal zu verschenken, mit dem sein Konzern bisher Abermilliarden von Dollar einnahm.

Diese Browser werden in Deutschland am häufigsten genutzt

  • Platz 5

    Opera

    Der quelloffene Webbrowser Opera ist kaum verbreitet: Mit 2,5 Prozent Marktanteil in Deutschland schafft er es immerhin noch auf den fünften Platz.

  • Platz 4

    Safari

    Der Apple-Browser hat einen Marktanteil von 10,1 Prozent.

  • Platz 3

    Internet Explorer

    Mit 16,1 Prozent Marktanteil landet der Windows-Browser auf Rang drei.

  • Platz 2

    Chrome

    Googles Browser Chrome bündelt 26,2 Prozent der Marktanteile.

  • Platz 1

    Firefox

    Im September 2014 nahm der Mozilla-Browser 41,9 Prozent Marktanteil ein.

    Daten: Statista.de

Erst kürzlich hat Nadella auf Microsofts wichtigster Entwicklerkonferenz, der Build in San Francisco, vor Tausenden Zuhörern seinen Plan bekräftigt: Im Sommer will er Besitzer von PCs, Laptops, Tablets und Smartphones per Gratisofferte dazu bringen, auf das neue Betriebssystem Windows 10 umzusteigen. Ein Klick genügt. „Ende Juli“, verriet Lisa Su, Vorstandsvorsitzende des Chipherstellers AMD, vor ein paar Tagen „ist es so weit.“

Nadella bricht mit allem, was Microsoft groß gemacht hat: dem Verkauf teurer Softwarelizenzen. Es ist eine riskante Wette auf die Zukunft des wichtigsten Softwareanbieters der Welt. Doch der Top-Manager hat keine andere Wahl, als sein Geschäftsmodell radikal umzubauen. „Unsere Branche respektiert keine Tradition, sie respektiert nur Innovation“, verkündet er. Und fordert „Mut“ von sich und seinen Mitarbeitern.

Seit Jahren ist Windows – neben der Bürosoftware Office – die Profitmaschine des Konzerns. Bislang mussten dessen Nutzer zwischen 40 und 200 Dollar für ein Upgrade berappen. Allein seit der Jahrtausendwende hat Microsoft mit dem Verkauf von Softwarelizenzen rund 200 Milliarden Dollar verdient. Bis heute liefern Windows und Office direkt und indirekt die Quelle für 80 Prozent des Konzerngewinns.

Wie Windows wurde, was es ist

  • Windows 1.0

    Der Urahn des inzwischen meistgenutzten PC-Betriebssystems kam im November 1985 auf den Markt. Damals war Microsoft noch ein Außenseiter, während der Platzhirsch IBM und der Aufsteiger Apple den Kampf um den PC-Markt auszufechten schienen. Anfangs arbeitete sich Windows nur mühsam ins Geschäft – denn Microsoft verzichtete zunächst angesichts eines jahrelangen Patentstreits mit Apple auf grafische Bedienungselemente.

  • Windows 3.1

    Mit dieser Version lernte Windows 1992, Videos abzuspielen, bekam die ersten integrierten Spiele und neue Schriften. Die Grundansicht mit den überlappenden Fenstern und einem Desktop für Programm-Symbole blieb – mit einigen Design-Änderungen – lange erhalten.

  • Windows NT

    Parallel zu den Consumer-Versionen von Windows entwickelte Microsoft nach dem Scheitern des OS/2-Projektes mit IBM eine Windows-Version mit einem neuen Programm-Kern („Windows New Technology“). NT wurde mit Windows 2000 fortgeführt und ging später in Windows XP auf.

  • Windows 95

    Die radikale Erneuerung von 1995 brachte in Grundzügen das Windows, das heute praktisch jeder kennt. Unter anderem wurde der „Start“-Knopf mit dem Balken am unteren Bildschirmrand eingeführt. Nachdem nachträglich der Web-Browser Internet Explorer zum Windows-Grundpaket hinzugefügt wurde, setzte sich Microsoft zum Ärger der Wettbewerbshüter in diesem Bereich gegen den Pionier Netscape durch. Auf die Version folgten die kleineren Aktualisierungen Windows 98 und ME.

  • Windows XP

    2001 brachte Microsoft die bisher langlebigste Version seines Betriebssystems auf den Markt. Mit Windows XP wurden viele visuelle Effekte hinzugefügt, ebenso wie wichtige Funktionen wie etwa schneller Benutzerwechsel, eine integrierte Firewall für mehr Sicherheit und verbesserter Medienwiedergabe.

  • Windows 7

    Das Betriebssystem Windows Vista sollte XP verdrängen, wurde von den Nutzern aber weitgehend ignoriert. Die 2007 veröffentlichte Version bot zwar neue Bildschirmansichten, aber eine für viele Nutzer verwirrende Rechteverwaltung für Benutzerkonten. Erst mit der Vorstellung von Windows 7 im Oktober 2009 konnte Microsoft die Anwender wieder überzeugen.

  • Windows 8

    Mit Windows 8 rüstet sich Microsoft für den Wandel der Computer-Welt: Die neue Kacheloberfläche ist für Touchscreens ausgelegt und eignet sich damit auch für Tablet-Computer – äußerlich ähnelt das System damit dem Smartphone-Betriebssystem Windows Phone. Microsoft stellte Windows 8 im Oktober 2012 vor. Gerade an der neuen Bedienung wurde jedoch schnell viel Kritik laut.

  • Windows 8.1

    Ein Update für Windows 8 kam im Oktober 2013 auf den Markt. Das kostenlose Windows 8.1 soll die größten Kritikpunkte an dem Vorgänger ausräumen. So können Nutzer direkt auf den Desktop starten und so die Kacheloberfläche umgehen. Zudem kehrt der Startknopf zurück, wenn auch nicht das klassische Startmenü.

  • Windows 10

    Mit Windows 10 bietet Microsoft eine einheitliche technische Plattform für PCs, Tablets und Smartphones an. Das von Nutzern ersehnte Start-Menü kehrt auf den Desktop zurück. Am 29. Juli 2015 stellt der Softwaregigant das jüngste Betriebssystem vor. Ein Jahr lang ist das Upgrade auf Windows 10 für Computer mit Windows 7 und 8.1 kostenlos. Was das neue System bringt und für welche Nutzer es sinnvoll ist, lesen Sie hier.

Mit seiner neuen Strategie kannibalisiert Nadella dieses Geschäft ganz bewusst. Die vermeintliche Gratisgabe soll die Kunden verführen, Extradienste zu mieten. Über Details schweigt sich Microsoft noch aus, aber denkbar ist einiges.

Statt „Online-Speicher en gros“ gibt’s nach ein paar Monaten eventuell nur noch ein paar Gigabyte umsonst. Vorhandene Dokumente oder Fotos werden zwar nicht gelöscht, aber wer neue dazuspeichern will, muss Extraplatz mieten. Statt persönlicher Titellisten spielt der Musikdienst nur noch vorgemixte Programme ab. Und mit dem Online-Office lassen sich vielleicht noch Briefe verfassen, aber ausdrucken kann sie der Windows-Nutzer womöglich nur noch, wenn er ein Abo abschließt. Am Ende, so der Plan, zahlt der Kunde also doch wieder und nicht zu knapp. Statt über einen einmaligen Softwareverkauf soll das Geld kontinuierlich fließen.

Trotzdem wird der Schritt anfangs drastisch zulasten von Microsofts Umsatz und Gewinn gehen, bevor die neuen Erlösquellen dann eventuell sprudeln.

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