Mobiles Internet: Wie das überall verfügbare Internet unseren Alltag verändert - Seite 4

Mobiles Internet: Wie das überall verfügbare Internet unseren Alltag verändert

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Der virtuelle Reiseführer Wikitude verknüpft das Internet mit der realen Welt.
Der virtuelle Reiseführer Wikitude verknüpft das Internet mit der realen Welt.

Diese digitalen Eingeborenen nutzen selbst Dienste wie Aka-Aki. Damit können sie ihresgleichen in der Nähe aufspüren, weil ihr Handy über die Funkschnittstelle Bluetooth andere Nutzer ausfindig macht. Das Startup hat deutschlandweit rund 170.000 Mitglieder, 100.000 haben sich allein seit Februar angemeldet.

Aka-Aki bietet aber auch professionelle Einsatzmöglichkeiten: So können sich Investoren und Gründer auf Messen finden. Abends können sie wiederum sehen, wen sie tagsüber getroffen haben. Das erspart zum Beispiel das Abtippen von Visitenkarten.

Auf dem Handy wächst das Internet mit der Realität zusammen. Und es gibt keinen besseren Beleg dafür als das, was sich hinter dem sperrigen Begriff „Augmented Reality“ verbirgt. Mit der neuen Technik erweitert das Telefon sozusagen die Realität.

Ein Beispiel ist das Programm Wikitude, ein mobiler Reiseführer. Während Nutzer ihr Handy auf eine Kirche oder ein Schloss richten, zeigt Wikitude neben dem Bild auf dem Display die passenden Wikipedia-Einträge an. Das Programm ermittelt dafür den Standort des Nutzers sowie dessen Blickrichtung und sucht dazu das passende Material aus dem Internet heraus.

Es stellen sich neue Datenschutz-Fragen

Mit jeder dieser Innovationen wird aber auch deutlicher: Wir steuern auf neue und ungeklärte Datenschutz-Fragen zu. Die meisten Dienste können nur funktionieren, wenn massenhaft Menschen teilnehmen. Und selbst wenn nicht, lassen sich viele Angebote im mobilen Web den Aufenthaltsort ihrer Nutzer übermitteln – oft ungefragt.

Der Aufwand für die Nutzer, Anbieter dazu zu bringen, die Daten wieder zu löschen, wird immens werden. Keine Kontrollinstanz überwacht, was mit den Informationen im Internet passiert, und es gibt keinerlei vorgeschriebene Sicherheitsstandards. „Nichts ist im Internet kostenlos“, sagt Falk Lüke, Datenschutzexperte bei der Verbraucherzentrale Bundesverband. „Heute bezahlen die Nutzer viele Dienste mit höchst privaten Daten.“

Selbst wenn die Daten sicher wären – die meisten Menschen sind Anfänger in dem neuen Medium. Sie denken nicht darüber nach, dass ein paar Zeilen über eine Reise auf dem Kurznachrichtendienst Twitter aller Welt mitteilen, dass ihr Haus gerade verwaist ist. Gefährlich sind auch die versteckten Informationen: Wer Fotos über sein iPhone ins Internet lädt, verrät ebenfalls seinen Aufenthaltsort, weil das Telefon oft Geodaten in den Fotos verbirgt.

Und bevor man sich an den Gedanken gewöhnen kann, dass eine wachsende Zahl von Menschen bereit ist, ihren Alltag von Maschinen überwachen zu lassen, träumen die Experten schon davon, Handys mit noch mehr Sensoren auszustatten.

Indien und Afrika sind Vorreiter in der Nutzung von mobilem Internet

In den Nokia-Labors experimentieren die Forscher zum Beispiel mit Bewegungssensoren, mit denen Handynutzer ihre Geschwindigkeit beim Joggen messen können. Selbst die Körpertemperatur kann für die Datensammler von Interesse sein. Damit ließe sich jederzeit verfolgen, ob sich etwa der Gesundheitszustand der Großeltern gerade verschlechtert. Mit solchen Sensoren ließen sich aber ebenso Grippeepidemien vorhersagen, glauben die Visionäre.

Wie das Internet künftig auf dem Handy genutzt wird, studieren die Experten nicht nur im Labor. Nokia-Forscher Chipchase reist dafür nach Indien und Afrika. In vielen ärmeren Ländern wählen sich mehr Menschen über ihr Handy ins Internet, denn Computer sind Mangelware. „Von ihnen“, sagt Chipchase, „können wir lernen, wie das Internet mobil genutzt wird und wie neue Dienste aussehen müssen.“

Vielleicht ist das ja die eigentliche Revolution. Erstmals in der jüngeren Geschichte führen uns Menschen aus Mumbai und Mombasa vor, wie man eine Zukunftstechnik nutzt.

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  • 10.06.2009, 17:42 UhrAnonymer Benutzer: Nils

    ich bin ja selber Softwareentwickler und eher technisch begeistert (benutze mein Handy aber ausschließlich zum Telefonieren), aber was uns da einige Firmen als "mobiles internet" verkaufen wollen, kann einem schon Angst und bange werden lassen. Wenn man sich's recht ansieht, dann merkt man, dass es dabei hauptsächlich um das "beschallen" des Nutzers mit Werbung geht. Es nennt sich dann "Location based Services" wenn man, so die Vorstellung der "Visionäre", an jeder Ecke mit irgendwelchen Werbebotschaften zugedröhnt wird. in dem Supermarkt da drüben gibt's günstige Eier, das Cafe dort an der Ecke könnte ihnen gefallen, usw., usf. irgendwann kommt da wirklich die Frage auf, ob die Technik mir gehorcht und von mir gesteuert wird, oder ob ich der technik gehorche und von ihr gesteuert werde. Und zweiteres halte ich für ziemlich gefährlich!

    Die Frage ist auch, was man eigentlich im Rahmen solcher "Location based Services" überhaupt empfohlen bekäme. Der, der denkt dass es dabei wirklich nach den eigenen interessen geht, könnte als naiv eingestuft werden, in der Realität wird man wohl Empfehlungen von Firmen erhalten, die am meisten Geld dafür bezahlt haben, dass sie gerade jetzt an einen benutzer mit diesen und jenen interessen empfohlen werden. Schwupps wäre man der perfekte Roboter, ferngesteuert von der Werbeindustrie.

    ich sag's Euch ehrlich: ich bin sicherlich schon länger "online" als die meisten anderen, aber sowas brauche ich nicht. ich brauche keine Maschine, die ständig zu wissen meint, was ich gerade will und mich mit entsprechenden "botschaften" voll müllt. ich muss nicht wissen, dass mein Kumpel Kalle gerade im Park mit seinem Dackel Waldi Gassi geht und mein Kumpel Ralf gerade auf'm Lokus sitzt. ich denke, diesen "information Overflow" will in der Realität keiner wirklich, und so wird das "mobile internet", welches im Moment so gehypt wird, im Endeffekt deutlich weniger erfolgreich als der hype vermuten lassen könnte.

  • 05.05.2009, 18:41 UhrAnonymer Benutzer: Nicole

    @meisenkayser

    Fakt ist aber, dass im Jahr 2000 die Technik einfach noch lange nicht auf dem Niveau von heute war. im Jahr 2009 können mittlerweile zum Teil ähnlich schnelle Datenübertragungsraten ermöglicht werden wir mit stationärem internet. Soll heißen: Die Übertragungstechniken und auch die mobiles Endgeräte ermöglichen heute eine umfassende Nutzung von mobiles Anwendungen. Jetzt müssen nur noch die innovativen ideen für Applikationen folgen, um das Mobile Web auf den Massenmarkt zu führen.

    Ständig neue Nachrichtem zum Thema mobiles internet gibt es übrigens hier: www.surfstickblog.de

  • 30.04.2009, 17:10 UhrAnonymer Benutzer: meisenkayser

    Die Story vom boom der mobilen internetanwendungen hören wir jetzt seit dem Jahr 2000. Passiert ist jedoch nicht viel. Jedenfalls ist es den Teclos nicht gelungen, in den vergangenen neun Jahren Dienste zu entwickeln, die wirklich einen Massenmarkt begeistert haben. Die UMTS-Milliarden sind längst abgeschrieben, bezahlt hat es der Verbraucher. Auch die zukünftige Nutzung wird sich in erster Linie auf den mobilen Download von Daten bzw. das Synchronisieren von Emails beschränken.

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