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Mobiles Internet: Wie das überall verfügbare Internet unseren Alltag verändert

von Sebastian Matthes

Das Internet auf dem Handy erreicht die Massen. Nun verfolgen zahlreiche Unternehmen ihre Kunden auf Schritt und Tritt und bieten immer neue Dienstleistungen an. Das mobile Internet verändert unseren Alltag radikal.

Das iPhone - Spion oder Quelle: dpa
Das iPhone - Spion oder Helferlein? Quelle: dpa
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Stellen Sie sich vor, Sie würden einem Fremden Ihren kompletten Alltag verraten. Sie würden ihm nicht nur sagen, wo Sie wohnen und wann Sie zur Arbeit fahren. Sie würden ihm auch anvertrauen, wo Sie einkaufen, wie lange Sie mit dem Hund durch den Park spazieren, wann Sie abends unterwegs waren – und wo. Undenkbar? Nein, längst Realität.

Das New Yorker Startup Sense Networks sammelt und analysiert die Positionsdaten von Millionen Handynutzern in den USA. Menschen werden auf kleine Punkte reduziert, die sich durch die Schluchten amerikanischer Großstädte bewegen. Die Bewegungsprofile der Mobilfunkanbieter mischt das Unternehmen mit zahlreichen anderen Daten, unter anderem mit sozioökonomischen Informationen. So weiß Sense, wo Studenten abends feiern, wo Arbeitslose den Tag verbringen, ja sogar – wann Manager morgens Richtung Wall Street aufbrechen.

Neue Dienste für die digitalen Nomaden

Ähnlich wie Google im Internet mit der Analyse des Surf-Verhaltens Milliarden von Internet-Seiten nach Relevanz ordnet, zeichnet Sense „eine Landkarte der Realität“, sagt Stephen Baker, der in seinem Bestseller „Die Numerati“ die eifrigen Datensammler porträtiert. „Jedes Café, jeder Buchladen und jede Kirche wird zu einer Art Internet-Seite der wirklichen Welt“, sagt er.

Wer ein Restaurant besucht, zeigt: Dieser Ort ist relevant für Menschen, die ähnlich sind wie ich. Die bekommen dann Empfehlungen, zum Beispiel über das Handyprogramm Citysense, das gerade in San Francisco getestet wird. Damit können Kunden per Mobiltelefon verfolgen, welche Kinos, Bars und Restaurants gerade gut besucht sind und in welchem Club Menschen mit ähnlichen Interessen nach dem Essen tanzen gehen.

Der Boom des mobilen Internets kommt Startups wie Sense Networks und Giganten wie Google oder Nokia wie gerufen. Sie versuchen, den Umgang mit dem Mobiltelefon neu zu denken: Je mehr sie über die Nutzer wissen, desto passgenauere Dienste können sie servieren: bessere Suchmaschinen, die den Aufenthaltsort und die Interessen des Nutzers kennen, Landkarten, die Alarm schlagen, wenn die digitalen Nomaden andere Wege nehmen als kartografiert. Oder Stadtpläne, die zeigen, wo sich die Freunde gerade aufhalten.

T-Mobile leitete dreimal mehr Daten durch die Netze als 2007

Wie weit das am Ende gehen wird, weiß niemand. Nicht einmal die Chefvisionäre der Konzerne. Sicher ist nur: Im Mobiltelefon werden Realität und Internet erstmals miteinander verwoben. Die Apologeten des Internets zum Mitnehmen glauben, dass das mobile Web eine ähnliche Wirkung auf das Leben der Menschen haben wird, wie einst das Handy. Der Alltag soll leichter und praktischer zu bewältigen sein, lautet das Versprechen. Zugleich kann die Werbeindustrie Kunden gezielter ansprechen. Doch längst nicht jedem sind diese Phänomene geheuer. Datenschutz-Fragen sind ungeklärt. Und Psychologen warnen sogar, dass das neue Überall-Internet unser Denken verändern wird.

Neue Technik wird zunächst oft überschätzt. Jahre später dann, wenn sie vor ihrem Durchbruch steht, wird ihr Einfluss unterschätzt. Hype-Zyklen nennen Experten dieses Phänomen.

Einen solchen Zyklus hat auch das mobile Internet durchlaufen. Während der Versteigerung der UMTS-Lizenzen überboten sich Visionäre mit Prognosen, das Handy werde schon bald zu einer Art digitalem Butler mutieren. Alle machten Jagd auf die Killer-Applikation, die ultimative, weil geldbringende Anwendung. Doch Mobiltelefone blieben graue Kästen, mit denen Kunden allenfalls Kurznachrichten verschickten. Für das mobile Surfen interessierte sich kaum jemand.

Nun ist der Knoten geplatzt. Um 16 Prozent werde der Umsatz mit mobilen Datendiensten in diesem Jahr weltweit zulegen, auf 124 Milliarden Euro. Das erwartet der Branchenverband Bitkom. Laut einer Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft nutzt bereits jeder Dritte das mobile Internet.

Parallel dazu leitete die Telekom-Tochter T-Mobile im vergangenen Jahr dreimal mehr Daten durch ihre europäischen Netze als 2007. Yahoo-Manager berichten von 100 Prozent Wachstum der Zugriffe auf das gerade aufgehübschte Mobilportal gegenüber dem Vorjahr. Bei Google hat sich die Zahl der Anfragen von unterwegs seit 2007 sogar verfünffacht. Und schon bald könnte der Ansturm sogar die Handynetze überlasten.

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4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.06.2009, 17:42 UhrAnonymer Benutzer: Nils

    ich bin ja selber Softwareentwickler und eher technisch begeistert (benutze mein Handy aber ausschließlich zum Telefonieren), aber was uns da einige Firmen als "mobiles internet" verkaufen wollen, kann einem schon Angst und bange werden lassen. Wenn man sich's recht ansieht, dann merkt man, dass es dabei hauptsächlich um das "beschallen" des Nutzers mit Werbung geht. Es nennt sich dann "Location based Services" wenn man, so die Vorstellung der "Visionäre", an jeder Ecke mit irgendwelchen Werbebotschaften zugedröhnt wird. in dem Supermarkt da drüben gibt's günstige Eier, das Cafe dort an der Ecke könnte ihnen gefallen, usw., usf. irgendwann kommt da wirklich die Frage auf, ob die Technik mir gehorcht und von mir gesteuert wird, oder ob ich der technik gehorche und von ihr gesteuert werde. Und zweiteres halte ich für ziemlich gefährlich!

    Die Frage ist auch, was man eigentlich im Rahmen solcher "Location based Services" überhaupt empfohlen bekäme. Der, der denkt dass es dabei wirklich nach den eigenen interessen geht, könnte als naiv eingestuft werden, in der Realität wird man wohl Empfehlungen von Firmen erhalten, die am meisten Geld dafür bezahlt haben, dass sie gerade jetzt an einen benutzer mit diesen und jenen interessen empfohlen werden. Schwupps wäre man der perfekte Roboter, ferngesteuert von der Werbeindustrie.

    ich sag's Euch ehrlich: ich bin sicherlich schon länger "online" als die meisten anderen, aber sowas brauche ich nicht. ich brauche keine Maschine, die ständig zu wissen meint, was ich gerade will und mich mit entsprechenden "botschaften" voll müllt. ich muss nicht wissen, dass mein Kumpel Kalle gerade im Park mit seinem Dackel Waldi Gassi geht und mein Kumpel Ralf gerade auf'm Lokus sitzt. ich denke, diesen "information Overflow" will in der Realität keiner wirklich, und so wird das "mobile internet", welches im Moment so gehypt wird, im Endeffekt deutlich weniger erfolgreich als der hype vermuten lassen könnte.

  • 05.05.2009, 18:41 UhrAnonymer Benutzer: Nicole

    @meisenkayser

    Fakt ist aber, dass im Jahr 2000 die Technik einfach noch lange nicht auf dem Niveau von heute war. im Jahr 2009 können mittlerweile zum Teil ähnlich schnelle Datenübertragungsraten ermöglicht werden wir mit stationärem internet. Soll heißen: Die Übertragungstechniken und auch die mobiles Endgeräte ermöglichen heute eine umfassende Nutzung von mobiles Anwendungen. Jetzt müssen nur noch die innovativen ideen für Applikationen folgen, um das Mobile Web auf den Massenmarkt zu führen.

    Ständig neue Nachrichtem zum Thema mobiles internet gibt es übrigens hier: www.surfstickblog.de

  • 30.04.2009, 17:10 UhrAnonymer Benutzer: meisenkayser

    Die Story vom boom der mobilen internetanwendungen hören wir jetzt seit dem Jahr 2000. Passiert ist jedoch nicht viel. Jedenfalls ist es den Teclos nicht gelungen, in den vergangenen neun Jahren Dienste zu entwickeln, die wirklich einen Massenmarkt begeistert haben. Die UMTS-Milliarden sind längst abgeschrieben, bezahlt hat es der Verbraucher. Auch die zukünftige Nutzung wird sich in erster Linie auf den mobilen Download von Daten bzw. das Synchronisieren von Emails beschränken.

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