Mobilfunk : Das Handy wird zur Kreditkarte

Mobilfunk : Das Handy wird zur Kreditkarte

von Andreas Menn

Neue Funkchips und Handyprogramme machen das Telefon zum Portemonnaie. Damit sollen Verbraucher an der Kasse und im Netz schneller, komfortabler und sicherer zahlen. Die Technik wird unser Konsumverhalten nachhaltig verändern.

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Geldhandy

Es klimpert nicht in der Tasche. Es raschelt nicht in der Hand. Es klirrt auch nicht, wenn ein Durstiger damit am Cola-Automaten zahlt. Das Geld der Zukunft ist partout nicht zu fassen. Dennoch werden wir es, wenn führende Technik-Auguren recht behalten, alle mit uns tragen. In unserem Handy.

Neue Technologien machen unsere Mobiltelefone zu intelligenten Geldbörsen. Allen voran winzige Funkchips, kleiner als Ein-Cent-Stücke, die Zahlungsaufträge und Bankdaten über wenige Zentimeter hinweg an Empfangsgeräte senden, etwa an der Supermarktkasse. Handyhersteller wie Nokia oder RIM wollen diese Near-Field-Communication (NFC) genannte Technik in diesem Jahr in ihre Smartphones einbauen. Visa, Vodafone und Co. bereiten das Drumherum vor: Lesegeräte, IT, Abrechnungsverfahren.

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Aus gutem Grund: Die Zahl der jährlich mit NFC-Chips ausgelieferten Handys wird sich in den kommenden vier Jahren vervierfachen, prognostiziert der amerikanische IT-Marktforscher iSuppli. 2014, so die Schätzung, sollen 220 Millionen Mobiltelefone mit Geldbörsenchips ausgestattet sein. Aber auch Barcodes, die per Handykamera ausgelesen werden, und SMS-Dienste sollen das Bezahlen im Alltag schneller, sicherer und komfortabler machen, versprechen die Anbieter.

Limo per Funkbefehl

Die Idee: Statt in den Münzfächern unserer Portemonnaies nach Kleingeld zu fingern, halten wir kurz unser Handy an den Automaten – schon purzelt die Limo ins Ausgabefach, bezahlt per Funkbefehl. Auch das halbe Dutzend EC-, Kredit- oder Kundenkarten in der Tasche ist out: Wir fotografieren mit dem Handy speziell formatierte Rechnungen ab, tippen eine Geheimzahl aufs Display, dann fließt das virtuelle Geld. Und statt dubiosen Online-Shops à la www.kauf-billiger.tv oder wanduhren.ru die Kreditkartennummer zu verraten, simsen wir ihnen das Geld per Kurznachricht.

Das Marktpotenzial für solche Dienste ist immens. Bereits 2015 sollen weltweit Zahlungen mit einem Volumen von 280 Milliarden US-Dollar über Handys abgewickelt werden, haben die Experten der Unternehmensberatung Arthur D. Little hochgerechnet. Das entspricht dem jährlichen Welthandelsvolumen für Medizintechnik oder dem Jahresumsatz des Energiegiganten Shell 2009. Allein in Deutschland summierten sich die via Mobiltelefon initiierten Zahlungen für Handyspiele, Klingeltöne oder andere Einkäufe vergangenes Jahr auf rund 500 Millionen Euro.

Ein höchst lukratives Geschäft also, in dem Handyhersteller, Mobilfunkunternehmen und Internet-Konzerne nun ihre Claims abstecken. So hat etwa der Online-Riese Google gerade sein Handybetriebssystem Android für den Einsatz mit Bezahlchips aufgerüstet. Hartnäckigen Gerüchten zufolge plant Apple ebenfalls, ins kommende iPhone 5 einen NFC-Chip einzubauen. Und auch der US-Zahlungsdienstleister PayPal führt Gespräche über künftige Funkbezahldienste.

Schon heute haben rund 20 Millionen deutsche Kunden von Vodafone, O2 und der Telekom die Möglichkeit mit dem Service M-Pass zum Beispiel Bestellungen im Internet per SMS zu bezahlen. Wer etwa auf karstadt.de Sweatshirts oder Parfüm ordert, gibt seine Handynummer und eine Geheimzahl ein. Daraufhin schickt M-Pass eine SMS aufs Telefon. Die Antwort "Ja" besiegelt den Kauf. Das Geld zieht der Zahlungsvermittler ein paar Tage später per Lastschrift ein.

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