Mobilfunk: Knoten im Netz

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Ein Handysendemast. Mit der mobilen Datenflut droht der Kollaps der Netze.

Der Ansturm auf das mobile Internet sorgt für Stau im Datennetz und bereitet Mobilfunkanbietern Probleme. Insgeheim hoffen nun einige in der Branche, dass der große Run sich noch etwas verzögert.

Jahrelang beschworen die Mobilfunkanbieter den Erfolg des mobilen Internets. Doch die Kundschaft verweigerte sich lange dem Werben. Nun hat sich das Blatt gewendet: Multimediahandys wie Apples iPhone und sinkende Kosten für mobile Datenübertragung haben die Begeisterung der Deutschen für das mobile Internet geweckt.

Während die Zahl der Mobiltelefone stagniert, boomt das Handy-Internet. Im deutschen Netz von Vodafone hat sich das in einem Jahr übertragene Datenvolumen auf gut acht Terabyte in zwölf Monaten mehr als verdoppelt. Die Telekom-Tochter T-Mobile meldet europaweit eine Verdreifachung des Datenverkehrs. „Das mobile Internet ist der Wachstumsmotor für die Branche“, sagt T-Mobile-Technikchef Günther Ottendorfer.

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Und doch sei der Boom nur ein Vorgeschmack auf die künftige Entwicklung, sagt Oliver Hüttig. Der Vorstand der Frankfurter Unternehmensberatung Cocus prognostiziert: „Wenn preisgünstige, unlimitierte Pauschaltarife fürs Handy-Web kommen, explodiert der Datenverkehr.“

Datenverkehr zwischen Funktürmen und Internetleitungen wird zum Thema

Das jedoch würde T-Mobile & Co. in Schwierigkeiten bringen. Die Mobilfunker haben Millionen investiert, um die Funkübertragung zwischen Handy und Sendemast zu beschleunigen: In Ballungsräumen liegt der Mobilfunk mit Übertragungsraten von bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde nun schon auf dem Niveau von DSL-Festnetzanschlüssen.

Doch so beeindruckend diese Werte auf dem Papier aussehen, wer mit iPhone & Co. ins Internet geht, für den zählt das theoretisch erreichbare Tempo beim Datenaustausch zwischen Handy und Funkmast alleine wenig.

Mindestens so wichtig ist, wie schnell die Mobilfunker diese Informationen auch zwischen den Funktürmen und den Datenleitungen des Internets weitervermitteln können. Und genau hier wird es eng: „Für viele Netzbetreiber in Europa wird dieser Netzabschnitt ein zunehmend drängendes Thema“, sagt Johan Wibergh, Leiter des Geschäftsbereichs Networks beim Telekom-Ausrüster Ericsson.

Branche hofft auf gebremsten Ansturm

Die Bremse steckt im System. „Noch immer sind manche Funkstandorte bestenfalls über altersschwache DSL-Leitungen ans Internet angebunden“, verrät ein deutscher Mobilfunk-Manager. Der Ansturm bringe manche Zellen schon jetzt „an die Grenzen“, sagt Alberto Valsecchi, Marketing-Manager beim Infrastruktur-Lieferanten Alcatel-Lucent.

Mit Investitionen in die Technik, leistungsfähigere Glasfaser-Leitungen oder zusätzliche Richtfunkverbindungen, versuchen die Netzbetreiber der Probleme Herr zu werden. Die Zeit drängt: „Wenn die neuen Übertragungstechniken HSPAplus und LTE noch mehr Daten über die Netze leiten, reicht die bestehende Infrastruktur nicht mehr aus“, sagt Alcatel-Lucent-Manager Valsecchi.

Unter der Hand gibt mancher Netzexperte zu, dass die Branche sehnlichst auf die Breitbandinitiative der Bundesregierung wartet, die bis 2014 drei Viertel der Deutschen mit 50 Megabit schnellem Internet versorgen soll. Da sollte, so die Hoffnung, auch für manchen Sendemast ein Anschluss an das Turbo-Internet abfallen.

In der Zwischenzeit hoffe die Branche auf einen Boom mit Bremse, spottet der Chef eines Netzausrüsters: „Jahrelang haben die Anbieter gebetet, dass sich die Kunden fürs mobile Internet begeistern. Jetzt beten sie, dass der Ansturm nicht allzu plötzlich kommt.“

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