Mobilfunk: Neue Chance für den lokalen Handel

Mobilfunk: Neue Chance für den lokalen Handel

von Andreas Menn

Neue Minisender orten in Geschäften die Handys von Kunden. Die erhalten so maßgeschneiderte Werbung und Rabatte. Kann der lokale Handel Amazon und Co. damit Paroli bieten?

Noch vor ein paar Monaten ließ Moritz Fey Werbezettel am Münchner Viktualienmarkt verteilen, um Passanten in seine Filiale der Kette Mymuesli zu locken. Seit Anfang März schickt Fey ihnen Nachrichten aufs Handy. „Probiere Dein Lieblingsmüsli“, steht darin, „jetzt direkt in unserem Laden!“

Fey braucht dazu weder Telefonnummern noch E-Mail-Adressen der Fremden. Es reicht ein Minisender von der Größe einer Zwei-Euro-Münze, den Fey von den Machern der Smartphone-App Barcoo erhalten und im Laden unter eine Sitzbank geklebt hat. Stets auf Sendung, nimmt das Gerät Kontakt zu Smartphones in der Umgebung auf. Kommt jemand vorbei, der die Barcoo-App auf seinem Mobiltelefon laufen hat, dann spielt ihm das Programm die Müsli-Einladung auf den Startbildschirm.

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Neue Buetooth-Technologie

Beacons, auf Deutsch Leuchtfeuer, heißen die kleinen Sender, die Barcoo und einige weitere Startups wie Sensorberg oder Shopnow – alle aus Berlin – gerade auf den Markt bringen. Sie nutzen einen Übertragungsstandard, den vor allem iPhone-Hersteller Apple, der Internet-Zahldienst PayPal und der US-Chiphersteller Qualcomm in den Markt drängen. Er basiert auf der neuesten, energiesparenden Version 4.0 des Bluetooth-Funks, der in fast jedem neuen Smartphone eingebaut ist.

Blitzschnell verbinden sich die elektronischen Leuchtfeuer mit Handys in bis zu 50 Meter Entfernung und schicken ihnen Befehle, die in einer passenden App oder im Internet bestimmte Seiten oder Textnachrichten aufrufen. Und mit den Signalen dreier Beacons orten Smartphones ihre Position auf bis zu zehn Zentimeter genau – auch in Gebäuden.

Vor allem der Einzelhandel wittert in der Technik eine unverhoffte Chance. Jahr für Jahr musste die Branche dabei zusehen, wie ihr Online-Händler mit der Macht der digitalen Technik Kunden raubten. Akribisch sammeln Amazon, Zalando und Co. Daten aller Web-Seiten-Besucher, um ihnen maßgeschneiderte Angebote zu unterbreiten. Buchläden oder Boutiquen wissen dagegen fast nichts über ihre Kunden.

Mit den Beacons könnte sich das nun ändern. „Sie sind das fehlende Puzzleteil, um stationäre Läden in digitale Werbe- und Verkaufskanäle einzubinden“, sagt Achim Himmelreich, Partner bei der Münchner Managementberatung Mücke Sturm & Company. Denn plötzlich erfahren Händler fast so viel über ihre Laufkundschaft wie die Betreiber von Online-Portalen: Beacon-Signale und App-Daten verraten ihnen, welche Kunden wie oft vorbeischauen, vor welchem Regal sie stehen bleiben, für welche Produkte sie sich interessieren und was sie bereits gekauft haben. Anhand dieser Werte können Geschäfte via Mobilfunk an einzelne Handys Rabattcoupons schicken, Treuepunkte verteilen oder Waren bewerben, die zur Kaufhistorie des Kunden passen.

Zugeschnittene Informationen

Setzen sich Beacons durch, dann sprechen bald alle möglichen Objekte mit den Smartphones der Verbraucher: Das Supermarkt-Regal schickt ihnen Kundenrezensionen von Produkten, die sie interessieren, das Denkmal seinen Wikipedia-Eintrag, der Schalter am Flughafen-Gate holt das Flugticket auf den Handybildschirm. Im Baumarkt lotst das Telefon seinen Besitzer zum Regal mit den Schrauben, die er sucht, und im Stadion zum Sitzplatz. Die Technik kann das Smartphone noch viel hilfreicher machen – beim Einkaufen, Reisen oder Lernen. Zugleich tritt sie eine Welle der Werbung los, die intimer, lokaler, spontaner wird denn je – und, wenn die Werber es übertreiben, auch nerviger.

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