Mobilitäts-Apps: Der schwere Weg zum simplen Fahrkarten-Kauf

Mobilitäts-Apps: Der schwere Weg zum simplen Fahrkarten-Kauf

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Viele Smartphone-Nutzer setzten mittlerweile auf Apps, um den perfekten Weg und die günstigste Fahrkarte zu bekommen.

Für die Zugverbindung oder Kauf der Fahrkarte greifen immer mehr Smartphone-Nutzer zur passenden App. Aber die Angebote sind vielfältig und keine App kann alles. Mobilitäts-Apps haben eindeutig noch Nachholbedarf.

Es kann doch so einfach sein. Eine App, ein paar Klicks - und fertig ist die schnellste Route von A nach B. Doch für solche Routen greifen viele Apps nur auf einen relativ kleinen Datenpool zurück, einen kompletten Überblick über verschiedene und auch billigere Verkehrsmittel inklusive Gesamt-Ticket bekommt der Smartphone-Nutzer nicht. Und so muss der Nutzer häufig von App zu App wechseln, um genau Bescheid zu wissen oder gleich mehrere Fahrkarten zu kaufen - ein mühsames Unterfangen.

Das soll sich ändern: Unternehmen wie Daimler und die Deutsche Bahn bieten über Konzerntöchter Applikationen an, die Infos verschiedener Verkehrsträger auf einer Plattform bündeln. Sie zeigen Routen auf mit dem Zug, Bus, mit U-Bahnen, Miet- und Carsharing-Fahrzeugen sowie Miet-Fahrrädern und - im Falle von Qixxit - gar mit dem Flugzeug.

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Die Carsharing-Angebote im Überblick

  • Flinkster (Dt. Bahn)

    Zahl der Fahrzeuge: mehr als 3100

    Verbreitung: 140 Städte

    Fahrzeugtypen: viele

    Carsharing-Typ: stationär

    Kosten pro km: 18–20 Cent

    Sonstige Kosten: 1500 Euro Selbstbeteiligung, bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • Stadtmobil

    Zahl der Fahrzeuge: 2000

    Verbreitung: 100 Städte

    Fahrzeugtypen: 25 verschiedene

    Carsharing-Typ: stationär

    Kosten pro km: ab 18 Cent

    Sonstige Kosten: regional verschieden

  • CarUnity (Opel)

    Zahl der Fahrzeuge: mehr als 1.500 (herstellerübergreifend)

    Verbreitung: deutschalndweit

    Fahrzeugtypen: verschieden

    Carsharing-Typ: Peer-to-Peer

    Kosten pro km: Tagespauschale

    Sonstige Kosten: keine Angabe

  • Citeecar

    Zahl der Fahrzeuge: 800

    Verbreitung: Berlin, Hamburg, München, Frankfurt am Main, Gelsenkirchen, Bochum, Essen, Dortmund, Herten, Recklinghausen, Bottrop

    Fahrzeugtypen: Kia Rio, Toyota Yaris

    Carsharing-Typ: stationär

    Kosten pro km: ab 22 Cent

    Sonstige Kosten: 1000 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall - kann aber auf Null Euro reduziert werden, wenn man pro Stunde 75 Cent zusätzlich zahlt oder maximal 7,50 Euro am Tag.

  • Car2go (Daimler)

    Zahl der Fahrzeuge: 3500

    Verbreitung: Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Düsseldorf, Köln, Ulm, Frankfurt

    Fahrzeugtypen: Smart, Smart e-Drive

    Carsharing-Typ: flexibel

    Kosten pro km: 29 Cent pro Minute

    Sonstige Kosten: 500 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • DriveNow (BMW)

    Zahl der Fahrzeuge: 2950

    Verbreitung: München, Berlin, Köln, Düsseldorf, Hamburg, Wien, San Francisco

    Fahrzeugtypen: BMW 1er, BMW X1, BMW ActiveE, MINI, MINI Cabrio, MINI Clubman, MINI Countryman

    Carsharing-Typ: flexibel

    Kosten pro km: ab 24 Cent pro Minute

    Sonstige Kosten: 750 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • Multicity (Citroen)

    Zahl der Fahrzeuge: 350

    Verbreitung: Berlin

    Fahrzeugtypen: Citroen C-zero (elektro)

    Carsharing-Typ: flexibel

    Kosten pro km: 28 Cent

    Sonstige Kosten: 500 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • Greenwheels (VW)

    Zahl der Fahrzeuge: 280

    Verbreitung: 21 Städte

    Fahrzeugtypen: Kompaktklasse, Vans

    Carsharing-Typ: stationär

    Kosten pro km: 10 Cent plus Benzin

    Sonstige Kosten: 1000 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • Quicar (VW)

    Zahl der Fahrzeuge: 200

    Verbreitung: Hannover

    Fahrzeugtypen: VW Golf

    Carsharing-Typ: stationär

    Kosten pro km: 20 Cent

    Sonstige Kosten: 100 Euro Selbstbeteiligung bei Unfall, Reduktion gegen Aufpreis möglich

  • Mu (Peugeot)

    Zahl der Fahrzeuge: keine Angabe

    Verbreitung: deutschlandweit

    Fahrzeugtypen: alle Peugeot-Modelle

    Carsharing-Typ: bei Händlern

    Kosten pro km: ab 33 Cent

    Sonstige Kosten: keine Angaben


Die Apps sind Antwort auf veränderte Verkehrsgewohnheiten der Bürger. „Sharing Economy“ ist angesagt, also eine verstärkt gemeinschaftliche Nutzung von Verkehrsmitteln - etwa beim Carsharing. „Der Markt hat sich dramatisch gewandelt“, sagt Robert Henrich, Chef von Moovel, das zu Daimler gehört. „Es gilt jetzt, Antworten zu finden für morgen und Partnerschaften zu schließen mit dem Nahverkehr und anderen Unternehmen, um gemeinsame Wege zu finden, damit wir die Mobilität intelligenter organisieren können.“

Ende 2015 ließ sich sogar Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann bei einem Moovel-Termin blicken - damals stellte die Firma die Erweiterung ihrer Ticketfunktion auf den Stuttgarter Nahverkehr vor. Der Grünen-Politiker gilt nicht als großer Daimler-Fan - er wünscht sich weniger dicke Autos im Feinstaub-belasteten Stuttgarter Straßenverkehr. „Ich bin nicht hier, um einem einzelnen Unternehmen zuzuarbeiten“, sagte Hermann. „Sondern um einer neuen Sichtweise zur Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen, weil das wirklich sehr innovativ ist.“

Carsharing Wie der Preiskampf Carsharer ruiniert

Das geteilte Auto ist das Paradebeispiel der Share Economy. Doch der Preiskampf zwischen Car2Go, DriveNow und Co ist hart – die ersten kleineren Anbieter rutschen in die Insolvenz.

Der Berliner Carsharing-Anbieter Citee Car ist insolvent. Quelle: Presse

Neben Hermann saß Stefanie Haaks, Kaufmännische Vorständin der Stuttgarter Straßenbahnen AG, die sich aus der Kooperation mit Moovel viel verspricht: „Wir sehen eine ganz große Chance für uns durch diese App, den seltenen Gelegenheitsnutzer als Kunden gewinnen zu können.“ Außer in Stuttgart sind in Deutschland übrigens noch keine anderen Nahverkehrs-Strecken im Moovel-Ticket enthalten. Immerhin: Bei Qixxit sind U-Bahnen noch gar nicht integriert in den Ticketkauf, sondern sie werden nur für als Informationen zur Route angezeigt.

Klar ist: Die Branche ist noch klein - so klein, dass niemand gern über Zahlen spricht. Der Umsatz sei „nicht der Hauptfokus“, antwortet Moovel-Chef Henrich ausweichend auf die Frage nach Zahlen. Bekannt ist nur, dass 80 Beschäftigte für Moovel in Deutschland tätig sind. Wie viele Downloads es seit dem Start 2012 gab? Keine Antwort.

Wettbewerber Qixxit ging 2014 an den Start, seither gab es 300.000 Downloads der App. Ob die Bahn-Tochter mit ihren 12 Mitarbeitern profitabel sei? Qixxit sei „eine Investition in die Zukunft“, antwortet Chefin Friederike Aulhorn. „Der gesellschaftliche Trend entwickelt sich weg vom Eigentum und hin zum Sharing.“ Dienstleistungen wie Qixxit seien nötig, damit Menschen ihr Reiseverhalten flexibler gestalten können. Ein weiterer Konkurrent ist das Berliner Start-up Waymate, das die App Allryder anbietet.

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Mal angenommen, Moovel startet durch - würde sich Daimler damit nicht letztlich ins eigene Knie schießen? Schließlich könnten bisherige Mercedes-Kunden dank Moovel auf den Geschmack kommen, dass Nahverkehr, Carsharing oder Mietwagen ihnen ausreichten - und sie dann eben keinen neuen Benz kaufen. Peter Fuß von Ernst & Young schüttelt den Kopf. Es sei logisch, dass Daimler auf Moovel setzt. „Dem Unternehmen ist klar: Nur noch Anbieter von Premiumautos zu sein, das reicht nicht mehr.“

Für die jüngere Generation sei das Auto nicht mehr so das Statussymbol, wie dies noch bei Älteren der Fall sei, sagt Autoexperte Fuß. „Also setzt Daimler auf eine Premium-Mobilitäts-App, um die Jüngeren als Kunden zu binden.“ Den Wandel im Verkehrsbereich wolle Daimler mitgehen und dadurch seine Zukunft sichern.

Lynn-Kristin Thorenz vom Beratungsunternehmen International Data Corporation (IDC) hält Investitionen in Mobilitäts-Apps von Firmen wie Daimler oder der Bahn ebenfalls für sinnvoll: „Abzuwarten und wenig oder gar nichts zu tun, [...] wäre schädlich.“ Die digitale Transformation mache vor keinem Industriezweig halt - dass dennoch jede zweite deutsche Firma nichts oder wenig tue, um sich darauf einzustellen, hält Thorenz für völlig unverständlich.

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