MP3-Erfinder Brandenburg: "Das muss man hören"

MP3-Erfinder Brandenburg: "Das muss man hören"

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Karlheinz Brandenburg, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT in Ilmenau

von Oliver Voß

Neue Musikdienste wie Apples iCloud sollen die MP3-Datei ablösen. Deren Erfinder, Karlheinz Brandenburg, spricht im Interview über die Zukunft der Musiktechnik, seine neuen Erfindungen und räumt mit dem Vorurteil auf, dass Deutschland daran kaum verdient habe.

WirtschaftsWoche: Professor Brandenburg, wissen Sie eigentlich, wie groß Ihre private MP3-Sammlung ist?

Karlheinz Brandenburg: Im Augenblick sind es etwa 30 bis 35 Gigabyte, sie ist also nicht so riesig.

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Hören Sie denn Musik hauptsächlich über MP3?

CDs lege ich nicht mehr ein, die rippe ich lieber und höre sie vom Server. Ich nutze daher viel MP3, sowie Dateien im AAC-Format. Ich höre aber auch ziemlich viel Internet-Radio und auch normales UKW-Radio.

Internet-Radios und Streamingdienste wie Last.fm und Spotify, bei denen man nichts mehr herunterladen muss, werden immer beliebter. Wird nach der CD künftig auch MP3 überflüssig?

Die Bedeutung von Cloud Services wird zwar Stück für Stück wachsen, aber es ist nicht zu sehen, dass das Verhältnis in drei Jahren umkippt und niemand mehr private Musiksammlungen hat.

Es gab schon vor mehr als 10 Jahren die Vorhersage, dass demnächst nur noch gestreamt wird und die Leute keine Musik mehr lokal verfügbar haben. Daran habe ich schon damals nicht geglaubt.

Was spricht denn dagegen?

Um nur noch aus der Cloud zu streamen, brauche ich eine hundertprozentige Verfügbarkeit der Netze. Das ist zu Hause zwar meist gegeben, aber unterwegs überhaupt noch nicht.

Außerdem haben viele Leute in ihrer Seele etwas von Jägern und Sammlern. Das merke ich nicht nur bei mir: Die Menschen wollen oft etwas haben, auch wenn es eigentlich dumm ist, weil man es sich jederzeit genauso bequem streamen könnte.     

MP3 wird von der Musikindustrie oft für Ihren Niedergang verantwortlich gemacht. Können Streamingdienste denn illegale Downloads zurückdrängen?

Es ist schwer zu sagen, ob damit das Piraterieproblem gelöst wird, aber es hilft ganz sicher, wenn es mehr gute Angebote gibt. Wir sagen seit Jahren, dass für die Kunden ein bequemer  Zugang zu ihrer Lieblingsmusik das Wichtigste ist. Viele sind auch bereit, dafür zu bezahlen.

Seinerzeit war das Problem ja auch, dass die Piraterie in ein Vakuum gestoßen ist, weil es keine legalen Angebote gab oder die Bedingungen von den Kunden als unangemessen betrachtet wurden.

Hatten Sie denn mal ein schlechtes Gewissen gegenüber Musikern oder Plattenfirmen?

Nein, noch nie. Wir haben von Anfang an die Musikindustrie darauf aufmerksam gemacht, was passieren kann und unsere Hilfe angeboten. Darauf wurde jedoch jahrelang nicht gehört. Wir haben zum Beispiel in Erlangen seit Mitte der Neunziger Jahre Kopierschutzsysteme entwickelt, die wir als Standard für alle Geräte vorgeschlagen haben. Stattdessen gab es verschiedene Systeme in Konkurrenz, das musste scheitern.

MP3 war dagegen ein einheitlicher Standard und daher so erfolgreich.

Das große Geld mit der deutschen Erfindung haben aber Apple und andere verdient?

Es gibt auch deutsche Firmen, die besser florieren. Ich treffe immer wieder Manager von Sennheiser, die weltweit viel mehr Kopfhörer für die Nutzung unterwegs verkaufen. Und die ersten Decoderchips für MP3 sind übrigens auch lange Jahre aus Deutschland gekommen, von der Firma Micronas aus Freiburg, die damals noch Intermetall hieß.

Den erfolgreichsten MP3-Player hat dann aber Apple erfunden.

Ja, sie entwickeln einfach sehr gut designte und bedienbare Geräte. Aber auch amerikanische Firmen hatten Probleme. So hat beispielsweise Compaq den ersten festplattenbasierten MP3-Player entwickelt. Doch die Firma hat es abgelehnt, aus dem Prototyp ein Produkt zu machen.

Die Entwickler haben dann selbst einen Hersteller in Korea gesucht und das Gerät unter dem Namen Personal Jukebox PJB 100 verkauft.

Und was ist eigentlich für die Fraunhofer-Gesellschaft als Patentinhaber hängen geblieben?

Da kommt immer noch jedes Jahr eine hohe zweistellige Millionensumme. Inzwischen hat sich das auf hunderte Millionen Euro summiert, die wieder in die Forschung investiert werden. Auch deshalb spielt die Musik hier inzwischen in Deutschland. Wir liegen im Bereich der Audiotechnik ganz klar an der Spitze.    

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