Musik-Streaming: Was Soundcloud zu schaffen macht

ThemaInternet

Musik-Streaming: Was Soundcloud zu schaffen macht

Bild vergrößern

Soundcloud: Berliner Musik-Plattform in der Krise.

von Oliver Voß

Soundcloud hat mehr Nutzer als Spotify oder Apple Music. Trotzdem steckt die Berliner Musikplattform in der Krise - 2016 wird zum Schicksalsjahr für Soundcloud.

Die Band Radiohead hat Alexander Ljung zu Weihnachten etwas ganz Besonderes geschenkt: Der Gründer der Musikplattform Soundcloud bekam ­einen James-Bond-Song. Die Indiestars ­hatten ihn für den aktuellen 007-Streifen „Spectre“ geschrieben. Dessen Regisseur entschied sich aber für einen anderen Titel. So veröffentlichte Radiohead das Stück exklusiv auf der Berliner Plattform.

Genau wegen solcher Coups tummeln sich weltweit 175 Millionen Fans auf den Seiten des Streamingdienstes – trotz der Konkurrenz von Spotify und Apple Music. Während die jeweils knapp 35 Millionen Titel anbieten, sind es bei Soundcloud über 100 Millionen. Dazu gehören zwar auch Tondokumente für Liebhaber wie Fangesänge des FC Bayern oder Reden von SPD-Chef Gabriel. Der Kern des Angebots sind aber Musikstücke, die sonst keine Plattform bietet, seltene Remixe und Songs aufstrebender Künstler, die hoffen, wie Neuseelands Superstar Lorde ihre Karriere bei Soundcloud zu starten.

Anzeige

Doch die Zukunft des deutschen Vorzeige-Start-ups ist unsicher: Geldprobleme, Streit mit Plattenfirmen, verärgerte Nutzer und ein fehlendes Geschäftsmodell setzen dem Unternehmen zu. 2016 wird zum Schicksalsjahr für Soundcloud.

Dabei lief bis vor einem Jahr noch alles hervorragend. Die Schweden Ljung und Eric Wahlforss hatten ihre 2007 gegründete Musikplattform zum wohl wichtigsten deutschen Start-up geformt. Kein anderes ist international so bedeutsam. „In den USA kennt kaum jemand Rocket Internet, Soundcloud dagegen fast jeder“, sagt Jon Soberg, Partner des bekannten US-Wagniskapitalgebers Blumberg Capital.

Wer am Musikstreaming verdient

  • Zur Studie

    Wirtschaftsexperten von Ernst & Young haben im Auftrag des Verbandes der französischen Musikindustrie SNEP exemplarisch ausgerechnet, wieviel die einzelnen Parteien von jenen 9,99 Euro erhalten, die ein Premiumabo bei Diensten wie Spotify und Deezer kostet.

  • Der Dienst selbst …

    … behält demnach 2,08 Euro .

  • Der Staat ...

    … bekommt 1,67 Euro insbesondere durch die Umsatzsteuer.

  • Die Verwertungsgesellschaften …

    … bekommen einen Anteil von 1 Euro.

  • Die Labels …

    … behalten 4,56 Euro.

  • Den Künstlern ...

    … bleiben am Ende 0,68 Euro. Die werden nach Häufigkeit der Abrufe unter den Musikern aufgeteilt. Unbekanntere Bands erhalten entsprechend wenig.

Anfang 2015 wollte Ljung dann 120 Millionen Dollar frisches Kapital einsammeln. Das ­hätte Soundcloud in den illustren Club der Jungunternehmen katapultiert, die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind. „Doch die Finanzierungsrunde ist geplatzt“, sagt ein hochrangiger Musikmanager. Daraufhin wurde das Geld knapp, berichteten mehrfach Insider. Ein Kredit über 32 Millionen Euro verhinderte das Schlimmste. Trotzdem strich Ljung rund zehn Prozent der etwa 250 Stellen, Entwicklungschef Richard Durnall verließ das Start-up. Wie schlecht es um die Finanzen steht, zeigen die spärlich ver­öffentlichten Geschäftszahlen. 2013 nahm Soundcloud gerade elf Millionen Euro ein und schrieb einen Verlust von 23 Millionen. Neuere Zahlen sind seit Monaten beim Handelsregister in London überfällig, wo die Firma registriert ist. Soundcloud wollte sich auf Anfrage zu keinen wirtschaftlichen Details äußern.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%