Musikbranche lobt das Internet
Quelle: ReutersDas wilde Leben des Kim Dotcom
Das könnte es gewesen sein: Die US-Bundesstaatsanwaltschaft hat in Neuseeland Antrag auf Auslieferung von Megaupload-Gründer Kim Dotcom und drei seiner Mitarbeiter eingereicht. Die US-Justiz wirft den Megaupload-Anbietern Verstöße gegen Gesetze zum Schutz des Urheberrechts vor und fordert ihre Auslieferung wegen des Vorwurfs der organisierten Kriminalität. In den USA droht Dotcom eine Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren. Es wäre nicht die erste Haftstrafe für den gebürtigen Kieler.
Quelle: dapdKim Schmitz (rechts) wurde in Neuseeland festgenommen. Der deutsche Internet-Unternehmer soll der Kopf hinter Megaupload sein, einem der beliebtesten Musik- und Videoportale im Netz. Doch laut Anklage habe Megaupload der Unterhaltungsindustrie durch Raubkopien einen Schaden von 500 Millionen Dollar zugefügt.
Quelle: dpaDer Zugriff erfolgte in der "Villa Dotcom" im neuseeländischen Coatesville, 300 Kilometer nordwestlich von Auckland. Die Anlage ist mit 25 Millionen Dollar eine der teuersten im Land. Ursprünglich wollte Schmitz die Villa kaufen. Doch Politiker schlugen dazwischen, am Ende musste Kim Dotcom es mieten. Eine Niederlassungs-Erlaubnis erhielt er aber immerhin - dem Vernehmen nach kaufte er zuvor Staatsanleihen für zehn Millionen Dollar und spendete für Opfer des schweren Erdbebens in Christchurch. Er soll zurückgezogen unter dem Schutz von Bodyguards gelebt haben - aber gerne auch mal Riesensummen für ein Silvesterfeuerwerk ausgegeben haben.
Quelle: dpaEs wurde auch Kims gesamter Fuhrpark beschlagnahmt: Neben einem Rolls Royce Phantom und einem rosa Cadillac gleich ein Dutzend Mercedes-Limousinen. Die Kennzeichen der Fahrzeuge lauteten beispielsweise MAFIA, HACKER, STONED oder POLICE.
Quelle: dpaEinen Autofaible hatte Schmitz schon immer, so nahm er mehrfach an der legendären Gumball-Rallye teil, bei der Stars ihre Luxusschlitten unter realen Bedingungen testen. Einmal gewann Schmitz das halblegale Rennen sogar.
Schon 1999 stellte Schmitz auf der Cebit gemeinsam mit dem Tuning-Spezialisten Brabus den Megacar vor - einen Mercedes Benz S 500 L mit integriertem Videokonferenzsystem und Internet-Computer. In die Kopfstützen der Limousine waren Bildschirme sowie Kameras eingelassen, ein 17-Zoll-Flachbildschirm für den Internet-Computer war am Wagenhimmel befestigt.

Lange war darüber spekuliert worden, dass Schmitz hinter Megaupload steckt. Vor einigen Wochen tauchte er dann in einem Werbevideo auf. In dem Musikvideo hat Kim Hip-Hop-Superstars wie Kanye West, P.Diddy oder Will.i.am von den Black Eyed Peas um sich versammelt, sie bejubelten Megaupload genauso, wie Alicia Keys, Chris Brown oder Mary J Blidge.

Der 37-Jährige war eine der schillerndsten Figuren der New Economy: Vom Hacker wurde er zum Internet-Star. „Kim Tim Jim Vestor“ sagte gern: "In zehn Jahren will ich zu den reichsten Männern der Welt gehören".

Der Drei-Zentner-Mann war für Parties und Protzereien berüchtigt, liebte Auftritte mit eigenem Jet oder B-Promis im Bikini.

Fünf Millionen Mark koste ihn sein dekadenter Lebensstil im Jahr, sagt Schmitz einmal. Und ergänzte: "Also gar nicht so viel."

Kim Dotcom galt vielen als Hochstapler und Großmaul, weil er beispielsweise einmal zehn Millionen Dollar auf den Kopf von Osama Bin Laden aussetzte.
Das wilde Leben des Kim Dotcom
Das könnte es gewesen sein: Die US-Bundesstaatsanwaltschaft hat in Neuseeland Antrag auf Auslieferung von Megaupload-Gründer Kim Dotcom und drei seiner Mitarbeiter eingereicht. Die US-Justiz wirft den Megaupload-Anbietern Verstöße gegen Gesetze zum Schutz des Urheberrechts vor und fordert ihre Auslieferung wegen des Vorwurfs der organisierten Kriminalität. In den USA droht Dotcom eine Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren. Es wäre nicht die erste Haftstrafe für den gebürtigen Kieler.
Ob es Megabox trotzdem geben wird, wird sich zeigen. Die Streamingdienste in Deutschland und Amerika kommen jedenfalls auch ohne Beatz und Schmitz gut aus. Und erstmals lobt auch die Musikindustrie das ehemalige Feindbild Internet. Edgar Berger, Chef von Sony Music, nennt das Internet sogar einen „Segen für die Musikbranche.“ Nie zuvor sei so viel Musik konsumiert worden wie jetzt.
Zwar hat die Musikindustrie durch das Internet einiges an Einnahmen eingebüßt, aber das Geschäft im Web wächst – und zwar das legale. Das freut die Branche. Nach dem rund 15 Jahre lang die Umsätze bröckelten, geht es langsam wieder aufwärts.
Streamingdienste boomen
Das bestätigt auch der Jahresbericht vom Branchenverband International Federation of the Phonographic Industry (IFPI). Die weltweiten Umsätze sind im vergangenen Jahr um acht Prozent auf 5,2 Milliarden US-Dollar gestiegen, der Anteil des weltweiten Umsatzes von digitaler Musik am Gesamtumsatz ist im Jahr 2011 auf 32 Prozent gewachsen. In den USA übertrafen die legalen Downloads die Zahl der Verkäufe von Tonträgern: Der Verkauf von CDs ging um 2,2 Prozent zurück. Diesen Rückgang fingen allerdings legale Downloads und Streamingseiten auf.
Im vergangenen Jahr stiegen die Downloads um fast 30 Prozent. Und laut Jahresbericht des IFPI gebe es mittlerweile in 58 Ländern der Welt große, legal agierende Verkaufsplattformen für Musik. Anfang 2011 seien es nur 23 gewesen. Die Zahl der User ist weltweit um 65 Prozent auf 13 Millionen angestiegen.
Dieser Zuwachs wird auch davon begünstigt, dass es immer leichter wird, für die Angebote zu zahlen. Anstatt der Kreditkarte reicht vielen Anbietern auch eine Handynummer – das Abonnement wird mit der Handyrechnung bezahlt. Und auch die vom Handy bekannten Pre-Paid-Karten gibt es für zahlreiche Angebote – zu kaufen in fast jedem Elektronikmarkt. Das erleichtert gerade junger Klientel den Zugang zu legalen Angeboten. Und das nützt der Musikindustrie. Die IFPI-Chefin Frances Moore sagt: „Wir haben allen Grund zum Optimismus, aber es gibt noch viel zu tun.“ Besonders die illegalen Angebote schwächten noch die Nachfrage nach legalen Diensten.
Auch in Deutschland ist die Entwicklung ähnlich: Laut dem Bundesverband Musikindustrie (BVMI) und media control stiegen die Umsätze mit Downloads hierzulande letztes Jahr um 28,8 Prozent – in Deutschland entspricht das einem Anteil am Gesamtumsatz von 17 Prozent. User können in Deutschland zwischen rund 70 legalen Online-Musik-Services wählen – und es werden immer mehr. Der Markt ist heiß umkämpft und laut BVMI drängen 2012 insbesondere Streaming-Dienste verstärkt auf den deutschen Markt.














