MWC: Brechen die Mobilfunknetze in vier Jahren zusammen?

ThemaInternet

MWC: Brechen die Mobilfunknetze in vier Jahren zusammen?

von Jürgen Berke

Der Daten-Tsunami im Mobilfunk setzt die Netzbetreiber unter Druck. Experten prognostizieren den Blackout für 2020. Realistisch – oder übertriebenes Horror-Szenario?

Wenn die Veranstalter des Mobile World Congress (MWC) in die Glaskugel blicken, dann präsentieren sie immer die allerhöchsten Wachstumszahlen. Das Ritual wiederholte sich auch am Montag beim offiziellen Start der weltgrößten Mobilfunkmesse in Barcelona.

Getreu dem Motto "Connecting everything for a better Future" werden die Eckdaten eines boomenden Mobilfunkmarktes vorgelegt, der eigentlich nur eine Richtung kennt: konstant steiles Wachstum nach oben.

Anzeige

Natürlich hat bald jeder Erdenbürger mindestens ein Handy oder Smartphone. Natürlich sind im Jahr 2020 schon 1,2 Milliarden Maschinen drahtlos untereinander vernetzt. Und natürlich verkauft sich das vernetzte Auto besser als jedes herkömmliche Auto. In vier Jahren sollen schon 220 Millionen Connected Cars über die Straßen in aller Welt rollen.

Was der neue Mobilfunk 5G leisten soll

  • Bandbreite

    Bis zu 100 Mal größer: 5G soll ganz neue Formen der Unterhaltung ermöglichen, wie Videospiele mit virtuellen Realitäten – und Computerbrillen für 3-D-Videos mit lebensechter 4-K-Auflösung.

  • Energiebedarf

    10 Mal effizienter: Heute ist Strombedarf einer der größten Kostentreiber im Mobilfunk. Künftig müssen Infrastruktur und Endgeräte drastisch weniger Energie verbrauchen – und im Idealfall bis zu zehn Jahre ohne Batterietausch funken.

  • Nutzerzahl

    1000 Mal höher: Wenn Mobilfunk künftig auch Sensoren in Parkuhren, Ampeln, oder Pkw-Stellplätzen vernetzen soll, müssen Funkzellen mit der 1000-fachen Zahl von Geräten kommunizieren können.

  • Reaktionszeit

    10 bis 100 Mal schneller: Damit autonom fahrende Autos einander rechtzeitig Notbremssignale geben können, muss das Funknetz Befehle in weniger als zehn Millisekunden übermitteln. Heutige Netze brauchen mindestens 100 Millisekunden.

  • Stabilität

    Bis zu 1000 Mal verlässlicher: Heute nerven Verbindungsabbrüche nur. Im Internet der Dinge wird es zum unkalkulierbaren Risiko, wenn der Funk zickt. Dann drohen der Stillstand von Maschinen oder gar tödliche Unfälle mit Robotern.

Die hohen Wachstumsraten dienen als Beleg, dass möglichst schnell weitere Frequenzbänder geräumt und Milliardenbeträge in die Entwicklung von noch schnelleren und leistungsfähigeren Mobilfunknetzen der fünften Generation (5G) fließen. Bis 2020, versprechen die Vorstandschefs der drei führenden Netzausrüster Nokia, Ericsson und Huawei bei ihren Auftritten, wollen sie die Forschung und Standardisierung dieser neuen Mobilfunktechnologie abschließen und ein marktreifes Produkt anbieten.

Datenstrom steigt um das Siebenfache

Der für Digitales zuständige EU-Kommissar Günther Oettinger hofft, dass Europa dabei eine Führungsrolle übernimmt und zumindest einen Teil der in den vergangenen zehn Jahren an US-amerikanische und asiatische Konzerne verlorenen Expertise im mobilen Internet zurückgewinnt.

Von 1G bis 5G: Die Ahnengalerie der Netze

  • 1G

    1960: A-C-Netze

    Mit der ersten Generation wurde die Autotelefonie möglich.

  • 2G

    1990: GSM-Netz
    Durch das GSM-Netz konnten unter anderem folgende Funktionen genutzt werden: digitaler Mobilfunk, SMS und E-Mail.

  • 3G

    2000: UMTS-Netz
    Die 3. Generation schaffte die Voraussetzung für die Nutzung von mobilem Internet und Apps.

  • 4G

    2010: LTE-Netz
    Mit dem LTE-Netz wurde die Möglichkeit zur Nutzung von Breitband-Mobilfunk und Video eingeräumt.

  • 5G

    2020: Internet der Dinge
    Das Internet der Dinge soll die Voraussetzungen für vernetzte Maschinen und Gaming schaffen.

Das Jahr 2020 gilt als das ultimative Datum. Die bei der Erforschung der zweiten, dritten und vierten Mobilfunkgeneration eingetretenen Verzögerungen soll es nicht noch einmal geben. Ansonsten, so suggerieren die jüngsten Prognosen des US-Routerherstellers Cisco, brechen die bestehenden Mobilfunknetze unter der Last der rasant anschwellenden Datenströme zusammen.

Bis 2020 steigt der Datentransfer in den Mobilfunknetzen, so die jüngsten Zahlen, um das Siebenfache und wächst damit schneller  als der Verkehr über feste Leitungen. Allein in Deutschland summiert sich der mobile Datenverkehr dann auf monatlich 345 Petabyte. Das entspricht dem Speicherinhalt von 86 Millionen DVDs. Im vergangenen Jahr waren es knapp 53 Petabyte.

Anstieg des Datenverkehrs pro Gerät bis 2017

  • Tsunami im Internet

    Anstieg des Datenverkehrs pro Gerät bis 2019 (in Megabyte pro Monat)

    Quelle: Cisco

  • Tablet

    +8691 MB

  • Smartphones

    +3162 MB

  • Laptop

    +2948 MB

  • körpernahe Geräte

    +338 MB

Die Cisco-Prognosen erfüllen ihren Zweck. Sie zwingen Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom und Vodafone, ihre Investitionen zu erhöhen und mehr über die Anforderungen künftiger Mobilfunkinfrastrukturen nachzudenken. Das ist gut fürs Geschäft der Techniklieferanten. Allerdings zeigt ein Blick in ältere Prognosen auch, dass beispielsweise Cisco gelegentlich übertreibt.

Vor fünf Jahren sagte der US-Routerhersteller voraus, dass bis zum Jahr 2015 der weltweite Datenverkehr auf 49 Exabyte pro Jahr anschwillt.

Weitere Artikel

Erreicht wurden, wie sich jetzt zeigt, aber nur 44 Exabyte. Der Anteil des mobilen Datenaufkommens sollte 2015 schon bei acht Prozent liegen. Letztendlich schaffte der Mobilfunk aber nur eine Quote von fünf Prozent.

Ein bisschen Luft bleibt also, falls die Entwickler der revolutionären 5G-Technik doch ein paar Jahre mehr brauchen.

.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%