Nach : Yelp-Portal will Bewertungspraxis trotz Klagewelle nicht ändern

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Yelp will seine Bewertungspraxis nicht ändern

von Oliver Voß

Das amerikanische Bewertungsportal Yelp will auch nach der einstweiligen Verfügung des Landgerichts Hamburg positive Bewertungen herausfiltern.

Trotz einer Einstweiligen Verfügung des Landgerichts Hamburg vom Dezember 2013 will das amerikanische Bewertungsportal Yelp seine Bewertungspraxis in Deutschland vorerst nicht ändern. „Von uns wurde nicht verlangt, etwas zu ändern“, sagte Yelp-Chef Jeremy Stoppelman der WirtschaftsWoche. Das Gericht hatte Yelp verpflichtet, positive Bewertungen nicht mehr automatisch teilweise auszufiltern. Nach der Übernahme des deutschen Bewertungsportals Qype durch Yelp hatten viele Restaurants, Läden oder Arztpraxen über verschwundene und verschlechterte Bewertungen geklagt. Nach Informationen der WirtschaftsWoche hat das Landgericht Hamburg bereits in mindestens elf Fällen entsprechende Verfügungen erlassen.

Yelp stellt sich auf den Standpunkt, dass positive Bewertungen teilweise gefälscht sind. Diese würden durch eine Software herausgefiltert. Offenbar verweigert Yelp zudem die Annahme der deutschen Verfügungen. Das sagte der Hamburger Kläger-Rechtsanwalt Hendrik Sievers der WirtschaftsWoche. „Yelp hat die Annahme der einstweiligen Verfügung verweigert. Obwohl eine deutsche Seite betrieben wird, behauptet Yelp, die deutsche Sprache nicht zu verstehen.“ Da das Unternehmen keine deutsche Niederlassung betreibt, müssen die Schriftsätze nun auf Englisch übersetzt und in die Europazentrale nach Dublin geschickt werden.

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Yelp begründet das Filtern mit dem Schutz vor Manipulation. „Etwa 25 Prozent der Bewertungen sind gefälscht oder verdächtig“, sagt Stoppelman. Bei Qype sei der Wert noch etwas höher gewesen. Diese Einträge werden durch eine Software ausgesiebt und nur versteckt als „momentan nicht empfehlenswert“ angezeigt.

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8 Kommentare zu Nach : Yelp-Portal will Bewertungspraxis trotz Klagewelle nicht ändern

  • Nach meinem Rechtsverständnis sollte wer in Deutschland Geschäfte betreibt, auch rechtsverbindlich durch Deutsche Gerichte belangt werden können. Selbstverständlich muss ein Urteil auf Deutsch erfolgen und keiner weiteren Übersetzung bedürfen. Dies obliegt den Pflichten der Geschäfte betreibenden Firma. Es darf doch nicht sein, dass man vom Ausland aus ungestraft in Deutschland Schindluder betreiben kann.

  • Ich war eine der ersten Qype-Nutzerinnen und habe dort Hunderte von Bewertungen geschrieben. Nachdem ich meinen Account mit meinem Yelp-Account zusammenlegen ließ, wie von Yelp gefordert, hatte ich plötzlich ausschließlich Bewertungen meinem Profil zugeordnet, die ich nie geschrieben hatte, sondern jemand anderes. Nachdem ich den Support darauf aufmerksam machte, wurden diese Bewertungen gelöscht. Meine eigenen Texte sind aber nie mehr wieder aufgetaucht. Vielleicht gibt es bei Yelp einfach einen Datenverlust und man versucht Zeit zu gewinnen, um die Daten wiederherzustellen? Wenn die Daten weg sind, nutzen auch keine einstweiligen Verfügungen etwas. Nur so eine Idee.

  • Offenbar arbeitet das Unternehmen sehr unseriös. In meinem Wohnort wird ein relativ schlechtes Restaurant in den höchsten Tönen als mit Abstand bestes Restaurant der Stadt gelobt, geschrieben in einem Marketingdeutsch, das wie bestellt und bezahlt klingt. Die beiden tatsächlich besten Restaurants am Ort werden dagegen mit negativen Bewertungen überzogen. Es ist wohl so, dass man dort wohl nicht bereit war, die von Yelp verlangten Marketingzuschüsse zu bezahlen. Es scheint so, dass durch Wunderhand dann gute Bewertungen im Nirwana verdunsten. In der Seattle Times wurden diese Geschäftspraktiken von Yelp neulich recht konkret beschrieben. Sehr merkwürdig. Wer soll denn diesen Bewertungen noch trauen? Das Geschäftsmodell liegt möglicherweise näher bei Betrug, Nötigung und Erpressung als im seriösen Bereich. Jährlich gibt Yelp Stock Options im Wert von mehreren hundert Millionen USD an seine Mitarbeiter aus - der Gegenwert reicht fast an den Umsatz des Unternehmens heran. In der Gewinn- und Verlustrechnung von Yelp findet man den größten Teil dieser geldwerten Vorteile jedoch nicht wieder. Offenbar braucht man jeden Euro Umsatz, um das auf luftige Erwartungen basierende Entlohnungssystem noch eine Weile am laufen zu halten. Bei vollem Accounting der Aufwendungen für die Stockoptions wäre der Jahresverlust sonst größer als der Umsatz.

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