Netzausbau: Internetanschlüsse sind langsamer als versprochen

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Netzausbau: Internetanschlüsse sind langsamer als versprochen

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LAN-Kabel stecken in Berlin in einem Großrechner.

von Meike Lorenzen

Die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Bundesnetzagentur kommen nicht wirklich überraschend: Nur in den wenigsten Fällen ist die Netzqualität so gut, wie bei Vertragsabschluss vom Provider versprochen.

Die Internetanschlüsse in Deutschland erreichen in den meisten Fällen nicht die Bandbreite, wie sie von den Netzanbietern versprochen wird. Das Ergebnis zeigt eine Befragung der Bundesnetzagentur, an der auf der Seite www.initiative-netzqualitaet.de mehr als 226.000 Personen freiwillig teilgenommen haben. Für die Angaben mussten die Befragten mit einer Messsoftware arbeiten, die sich über eine App bedienen ließ und an 26 Messplattformen in ganz Deutschland ansetzte. Die Messgenauigkeit wurde über Stichproben überwacht.

„Die Messstudie bestätigt die Vielzahl der Kundenbeschwerden über Abweichungen zwischen der vertraglich vereinbarten bis zu-Bandbreite und der tatsächlichen Bandbreite“, teilte die Bundesnetzagentur in einer Pressemeldung mit. Getestet wurden DSL-, Kabel- und Mobilfunkanschlüsse. Konkret kann nur jeder fünfte Nutzer so schnell surfen, wie es in seinem Vertrag steht. Und jeder dritte bekommt nur halb so viel oder noch weniger Breitband gestellt.

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Starke Abweichungen bei LTE

Bei der Betrachtung der Bandbreitklassen zeigt sich ein großer Unterschied bei den Datenübertragungsraten. Die geringsten Abweichungen sind in der untersten Bandbreiteklasse mit kleiner als zwei Mbit/s aufgetreten. Demgegenüber lagen die größten Abweichungen in der obersten Bandbreiteklasse 50-100 Mbit/s für Kabelanschlüsse und 25-50 Mbit/s für LTE-Anschlüsse. Auch die Klasse zwischen 8-18 Mbit/s für DSL-Anschlüsse schnitt besonders schlecht ab.

Fakten rund um LTE

  • Was ist LTE?

    LTE (Long Term Evolution) ist ein Mobilfunknetz und der Nachfolger von UMTS. LTE bietet mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde deutlich schnellere Downloadraten.

  • Unterschiedliche Frequenzen

    ,LTE läuft je nach Region über unterschiedliche Frequenzen (Nordamerika: 700 MHz und 2100 MHz, Westeuropa, Mittlerer Osten und Afrika: 800 MHz 1800 MHz, 2000 MHz und 2600 MHz, Osteuropa: 800 MHz, 1800 MHz, 2300 MHz und 2600 MHz, Asia-Pazifik: 1800 MHz und 2100 MHz). Apples "neues iPad" beispielsweise unterstützt nur LTE in den Frequenzbereichen 700 und 2100 MHz und ist daher in Europa bisher nur ohne LTE-Funktion erhältlich.

  • LTE-Netz in Deutschland

    Von April bis Mai 2010 versteigerte die Bundesnetzagentur LTE-Frequenzen für den drahtlosen Netzzugang an Telekommunikationsdienste. Über den Tisch gingen die Frequenzen 800 MHz, 1800 MHz (bis dahin vor allem von der Bundeswehr genutzt), 2000 MHz (die ehemaligen Quam- und Mobilcom-Lizenzen für UMTS) und 2600 MHz. Die Bereiche 800 MHz und 2600 MHz werden von den vier deutschen Mobilfunkanbietern (Telekom, Vodafone, E-Plus und O2) für LTE genutzt. Die Deutsche Telekom verwendet zusätzlich 1800 MHz.

  • LTE-Smartphones in Deutschland

    Vodafone bietet seit März 2012 mit dem HTC Velocity 4G das erste LTE-Smartphone Deutschlands an. Das Gerät wurde für die Frequenzbereiche 800 bis 2600 MHz auf den Markt gebracht. Da damit die von der Telekom unterstützten Bereiche im Stadtgebiet mit einer Frequenz von 1800 MHz nicht genutzt werden konnten, folgte im Juni das HTC One XL, das auch auf den Frequenzen 1800 MHz und 2600 MHz funktioniert.

  • Stadt und Land

    LTE wurde ursprünglich ausgebaut, um die Breitbandversorgung auf dem Land zu sichern. Seit 2011 ist LTE auch in den ersten Großstädten gestartet. Anfangs standen weiter Gebiete ohne DSL-Breitbandanbindung im Fokus. Doch seit 2012 werden sukzessive immer mehr Städte mit LTE versorgt. Inzwischen wird das Netz in folgenden Städten angeboten: Aachen, Augsburg, Berlin, Bochum, Bonn, Bremen, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Duisburg, Erfurt, Frankfurt, Hannover, Hamburg, Köln, Karlsruhe, München, Rostock, Leipzig, Münster und Stuttgart.

  • Umrüstung

    LTE übernimmt im wesentlichen die Infrastrukturen der UMTS-Technologie. Die Technik wurde lediglich erweitert, um so zügig vom 3G- zum 4G-Standard zu gelangen. Dadurch sollen die Smartphones und Tablets permanent mit dem Internet verbunden sein können. Vor allem für die mobile Kommunikation, wie Video-Telefonie, wäre das ein riesiger Fortschritt. Branchenkenner vermuten, dass die bestehenden Netze innerhalb der nächsten zehn Jahre auf LTE umgerüstet sein könnten.

Bei den gemessenen LTE-Anschlüssen konnte zudem eine starke Abweichung zur vermarkteten Datenübertragung gezeigt werden. Da die sehr hohen Bandbreiten überwiegend in städtischen Gebieten vermarktet wurden, könnte sich hier die hohe Dichte von Nutzern mit Smartphones und Tablets bereits spürbar auf die erzielten Datenübertragungsraten ausgewirkt haben. Zwar betrachtet die Studie ausschließlich stationäre LTE-Anschlüsse, diese teilen sich aber die Netzinfrastruktur auch mit mobilen LTE-Endgeräten. Ansonsten zeigten sich zwischen ländlichen und städtischen Regionen nur geringe Differenzen.

Desweiteren ergab die Studie, dass der Webseiten-Download per Kabel-Anschluss in den Abendstunden bis zu 15 Prozent schlechter ist als über Tag.

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Die Ergebnisse überraschen wenig. Schon lange hält sich das Gerücht, dass die Netzanbieter ihre Breitbandqualität besser anpreisen, als sie eigentlich ist. Die Bundesnetzagentur kritisierte, dass die Internetanbieter in ihren Standardverträgen nur ungenaue Angaben über die Kapazität der Anschlüsse machten. "Der Kunde weiß so nur vage, mit welcher Leistung er konkret rechnen kann", sagte Jochen Homann, Chef der Netzagentur gegenüber Zeit Online. Die Behörde will sich nun für mehr Transparenz stark machen.

Die Netzagentur wies zudem darauf hin, dass die Unternehmen laut Gesetzesbeschluss einen Vertragswechsel ohne längere Leitungsunterbrechung ermöglichen müssen. Bei der Behörde seien Tausende Beschwerden darüber eingegangen, dass gerade nach einem Anbieterwechsel die Leitung über einen deutlich längeren Zeitraum tot bleibt.  

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