
Wer heute im Internet unterwegs ist, findet zahlreiche schwarze Seiten. Aus Protest gegen geplante Anti-Piraterie-Gesetze sind auf der englischsprachigen Wikipedia oder vielen prominenten Blogs Protestbanner zu sehen und manche Seiten abgeschaltet.
Auch in Deutschland unterstützen viele Personen den Protest, am bekanntesten ist dabei die Piratenpartei. „Die geplanten Gesetze haben eine ganz neue, gefährliche Qualität. Das Urheberrecht wird instrumentalisiert, um sich der heute meist genutzten Plattformen und Dienste für Meinungsäußerung und Zusammenarbeit zu entledigen“, wettert Parteichef Sebastian Nerz. Die Piratenpartei Deutschland nehme daher am Mittwoch ihre Webseiten für 24 Stunden aus dem Netz.
Pünktlich um Mitternacht sollte die Seite abgeschaltet werden, doch so ganz klappte das nicht. Wegen technischer Probleme sollte der Protest dann 9 Uhr beginnen. Doch kurz nach elf war die Seite weiterhin erreichbar – mit der Ankündigung man werde die Seite abschalten. „Das ist uns irgendwie durch die Lappen gegangen“, sagte Piratenpartei-Sprecher Aleks Lessmann der WirtschaftsWoche.
Es habe ein paar technische Unzulänglichkeiten gegeben, die Pressestelle sei selbst erst am Vormittag darüber informiert worden.
Dass es eigentlich geht zeigt das Wiki der Partei, auch einige Landesverbände in Thüringen, Hessen oder Nordrhein-Westfalen schalteten Protestseiten.
Spott aus dem Netz
Parteimitglieder und Unterstützer waren über das Missgeschick wenig erfreut. Die ersten Beschwerden gab es schon in der Nacht. „Warum ist piratenpartei.de noch nicht offline? Der 18. is schon seit 3 Stunden! #piraten #fail“, twitterte „PiMexx“.
Doch statt einer Abschaltung kamen nur mehr Häme und Ärger. „Ey @Piratenpartei! Den großen Blackout ankündigen und dann nur das Wiki schwärzen? Wie schmerzfrei.. Ich hoffe, sie scherzen!“, schimpfte der Nutzer „Twitgeridoo“ bei Twitter. „Es is so unglaublich dämlich, das wir immer noch keinen webseiten-blackout hinbekommen haben“ schrieb „Die_sylvi“.

Wie das Netz gegen die geplanten Sperren protestiert
Greenpeace
Der Protest betrifft nicht nur Internetunternehmen. Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace färbt zumindest einen Teil ihrer Website schwarz. Auf Greenpeace.org titelt die Organisation im begleitenden Artikel „Entschuldigung, Sie dürfen diesen Artikel nicht lesen“ – und erklärt dann, warum sie gegen Internetzensur ist.

Streikaufruf
Zum Streik animierte die Website http://sopastrike.com für den heutigen Mittwoch. Unterstützer können auch an einer Online-Pedition teilnehmen und ihre schwarzen Websites auf der Website listen lassen.

Barack Obama
US-Präsident Barack Obama färbt zwar seine Website nicht ein, er unterstützt die Aktion aber. Auch hier können Gegner von SOPA (Abk. für Stop Online Piracy Act) und PIPA (Abk. für Protect IP Act) sich registrieren.

Wikipedia.org
Da ist Wikipedia.org deutlich offensiver in seiner Vorgehensweise. Im Rahmen des „Blackout-Days“ gibt es hier nur noch schwarz. Die freie Online-Encyclopädie befürchtet, dass alle Bemühungen, ein freies und offenes Internet zur Verfügung zu stellen, nachhaltigen Schaden nehmen könnte.

Google.com
Überhaupt nehmen diverse Webgrößen an der Aktion teil, zum Teil sehr unterschiedlich. Google begnügt sich so auf der amerikanischen Version der Website mit einem Link, auf dem erklärt wird, warum der Kongress nicht das Internet zensieren sollte.

Mozilla.org
Mozilla hingegen – hier wird der Webbrowser Firefox und das Mailprogramm Thunderbird als Opensource-Software entwickelt – zeigt allen Amerikanern, die die Grundeinstellungen ihres Browsers nicht geändert haben, eine schwarz eingefärbte Startseite.

Wordpress
Und Wordpress – eine Vielzahl von Weblogs werden mit Hilfe dieser frei verfügbaren Software realisiert – erläutert in einem Video auf der komplett geschwärzten Website, warum Amerikaner, aber auch alle Menschen weltweit, gegen SOPA protestieren sollten – und bietet auch gleich die Möglichkeit, an einer Online-Petition teilzunehmen.

Chaos Computer Club
In der Tat erreicht die Aktion auch einige deutsche Websites. Der Chaos Computer Club zum Beispiel hat eine schwarze Website, auf der nur die Begründung für die Teilnahme an der Aktion zu lesen ist. Sie wollen nicht Hacker in einer Welt sein, in der „jeder Polit-Uhl oder seine väterliche Freunde uns das Netz abschalten können.“

Netzpolitik.org
Auch der Webblog Netzpolitik startet mit einer Aktionsseite. Auf der Website werden auch ausführlich die Hintergründe erläutert.

Piratenpartei
Eigentlich ist es ja ein Leib- und Magenthema der Piratenpartei, sich mit Internetzensur auseinanderzusetzen. Auf der eigenen Startseite bekommt die Partei aber den Protest nicht zeitgenau hin, obwohl angekündigt. Andere Ableger – etwa die Australier – sind da erfolgreicher. Aber wenigstens klappt es dann auf einer weiteren Unterseite - und mittlerweile dann auch auf der Startseite...
Wie das Netz gegen die geplanten Sperren protestiert
Greenpeace
Der Protest betrifft nicht nur Internetunternehmen. Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace färbt zumindest einen Teil ihrer Website schwarz. Auf Greenpeace.org titelt die Organisation im begleitenden Artikel „Entschuldigung, Sie dürfen diesen Artikel nicht lesen“ – und erklärt dann, warum sie gegen Internetzensur ist.
Die Seite solle baldmöglichst vom Netz gehen, versicherte der Piratenparteisprecher um 10:30 Uhr. Auf eine genaue Zeit wollte er sich nicht festlegen. In der Zwischenzeit twitterten auch auch Mitglieder der Grünen, dass ihre Protestseite längst online sei.
Eine Stunde später war dann endlich eine Protestseite im Netz. Doch wie sehr es bei der internen Abstimmung gehapert hat zeigt ein Tweet der offiziellen IT-Beauftragten. Sie antworteten allen die sich beschwert hatten: „1. in der IT ist kein Idiot 2. bei uns wären alle Seiten black 3. der Vorstand hat keine Eier.“ Auf eine Anfrage dazu, was mit dem Vorwurf gegen den Parteivorstand gemeint sei, antwortete die PiratenIT nicht.
Vorstandsmitglied Matthias Schrade widersprach gegenüber der WirtschaftsWoche, die Probleme hätten inhaltliche Ursachen. Es sei nur eine Datei nicht rechtzeitig angekommen, immerhin arbeiten alle Parteimitglieder ehrenamtlich, da könne es zu Verzögerungen kommen. Entscheidend sei, dass man überhaupt beim Protest mitmache – im Gegensatz zu anderen Parteien: „Die FDP ist ja angeblich auch gegen Netzsperren, doch ich fürchte sie haben nicht die Eier dazu, ihre Seite abzuschalten“.
Angekündigt war, die Seite 24 Stunden vom Netz zu nehmen, doch durch die Verspätung wird der Protest wohl nicht bis morgen Mittag ausgedehnt. "Wenn wir schon nicht rechtzeitig anfangen, sollten wir wenigstens wieder rechtzeitig aufhören", erklärte Piratensprecher Lessmann.
Update: Die Grünen













