Neue Apps: Afrika erobert mobiles Internet

Neue Apps: Afrika erobert mobiles Internet

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Mit Daten gegen Stau: IBM-Forscher in Nairobi analysieren die Verkehrsströme.

von Andreas Menn

Ihre Eltern hatten keinen Strom, sie haben Internet: Eine junge Gründergeneration will den Kontinent mit neuen Handydiensten verändern – und von Kenia aus die Welt erobern.

Was auf Nairobis Straßen los ist, haben Francis Gesora und Michael Nguru ständig im Blick. Von ihrem Schreibtisch im obersten Stock eines Bürohauses mit grünen Fensterscheiben schauen die beiden Jungunternehmer auf die Ngong Road herab, eine der wichtigsten Verkehrsachsen in Kenias Hauptstadt.

Unten herrscht munteres Chaos: Die Straße ertrinkt im Stau, ein Bus kracht in ein Taxi, für Ampeln interessiert sich niemand. Oben arbeiten Gesora und Nguru daran, den Trubel zu zähmen, ein wenig zumindest. Die beiden Informatiker, stets in Businesshemd und mit Handy unterwegs, verschicken Tickets für Fernbusfahrten per SMS. Bisher begaben sich Reisende Tage vor der Fahrt zum Busbahnhof, um Fahrkarten zu Zielen wie Mombasa, Kampala oder Malindi zu ergattern. „Erst standen sie auf der Straße im Stau“, erzählt Gesora, „dann am Schalter in der Schlange.“

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Mit ihrem Ticketdienst BookNow ermöglichen die Firmengründer nun, Karten minutenschnell zu kaufen: Im Internet die Busverbindung wählen, per Handydienst zahlen – schon erscheint das SMS-Ticket auf dem Telefon. So bequem buchen nicht einmal die Kunden deutscher Fernbuslinien; sie müssen ihre Fahrkarte meist ausdrucken. Mehr als 1.000 Tickets haben Gesora und Nguru in der Testphase verkauft und kassieren einen Dollar Gebühr. Nun wollen sie mit 75 000 Dollar Investorengeld und einer Werbekampagne durchstarten.

Geschichten vom Aufbruch wie diese gibt es derzeit zuhauf in Nairobi. Die Millionenstadt ist zu einem Magnet für Technik-Startups geworden wie nur wenige andere Orte auf der Welt. Schon ist die Rede vom Silicon Savannah: Nur wenige Kilometer vom Zentrum Nairobis entfernt, grasen Giraffen in der Savanne, hetzen Löwen Antilopen. Aber die größte Jagd findet jetzt in den Büros, Laboren und Gründerzentren statt. Es ist der Kampf um die besten Geschäftsideen für das mobile Internet.

Führende Konzerne aus der Informationstechnik (IT) wollen von der erwachten Kreativität profitieren, auch für ihre Heimatmärkte in Nordamerika und Europa, und siedeln sich in Kenia an. Zuletzt eröffnete im November IBM ein Labor am Rande Nairobis. „Wassermangel, Krankheiten – viele Probleme bremsen das Wachstum“, sagt Kamal Bhattacharya, Forschungsdirektor bei IBM Research-Africa. „Aber mit moderner IT kann das Land in zwei Jahrzehnten so viel erreichen wie die entwickelten Märkte in zwei Jahrhunderten.“

Allzweckwaffen im Alltag

Mehrere Unterseekabel haben Kenia in den vergangenen Jahren an den globalen Datenverkehr angeschlossen. Inzwischen generiert das Internet laut der Beratung McKinsey schon 2,9 Prozent der Wirtschaftsleistung – via Online-Handel, IT-Investitionen und Effizienzgewinnen. In Deutschland sind es 3,2 Prozent. Im Jahr 2025 könnte das Netz in ganz Afrika schon zehn Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, also 300 Milliarden Dollar.

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