
Nach den beiden großen Mobilfunkanbietern Deutsche Telekom und Vodafone treibt nun auch O2 den Ausbau des des Turbo-Netzes LTE (Long Term Evolution) in den Städten voran. Der Deutschland-Chef des spanischen Netzbetreibers Telefónica, René Schuster, kündigte auf dem Mobile World Congress in Barcelona an, dass LTE Ende März in München und Berlin eingeführt werde. Im zweiten Quartal folge dann der Netzausbau für Hamburg, Düsseldorf, Duisburg und Essen. In Köln, Dresden, Frankfurt am Main, Leipzig und Nürnberg soll das bereits in Betrieb genommene LTE-Netz von O2 weiter ausgebaut werden. Gleichzeitig will das Unternehmen künftig nur noch den Datentransfer berechnen. Damit werden herkömmliche Telefonate und SMS plötzlich kostenlos. Die Überlegung dahinter: Die beiden Kommunikationswege werden sich überholen. Die Menschen würden nur noch per Messenger oder Web-Telefonie miteinander kommunizieren. Und damit das langfristig funktioniert, muss das Unternehmen in schnellere Netze investieren.
Fakten rund um LTE
Was ist LTE?
LTE (Long Term Evolution) ist ein Mobilfunknetz und der Nachfolger von UMTS. LTE bietet mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde deutlich schnellere Downloadraten.
Unterschiedliche Frequenzen
,LTE läuft je nach Region über unterschiedliche Frequenzen (Nordamerika: 700 MHz und 2100 MHz, Westeuropa, Mittlerer Osten und Afrika: 800 MHz 1800 MHz, 2000 MHz und 2600 MHz, Osteuropa: 800 MHz, 1800 MHz, 2300 MHz und 2600 MHz, Asia-Pazifik: 1800 MHz und 2100 MHz). Apples "neues iPad" beispielsweise unterstützt nur LTE in den Frequenzbereichen 700 und 2100 MHz und ist daher in Europa bisher nur ohne LTE-Funktion erhältlich.
LTE-Netz in Deutschland
Von April bis Mai 2010 versteigerte die Bundesnetzagentur LTE-Frequenzen für den drahtlosen Netzzugang an Telekommunikationsdienste. Über den Tisch gingen die Frequenzen 800 MHz, 1800 MHz (bis dahin vor allem von der Bundeswehr genutzt), 2000 MHz (die ehemaligen Quam- und Mobilcom-Lizenzen für UMTS) und 2600 MHz. Die Bereiche 800 MHz und 2600 MHz werden von den vier deutschen Mobilfunkanbietern (Telekom, Vodafone, E-Plus und O2) für LTE genutzt. Die Deutsche Telekom verwendet zusätzlich 1800 MHz.
LTE-Smartphones in Deutschland
Vodafone bietet seit März 2012 mit dem HTC Velocity 4G das erste LTE-Smartphone Deutschlands an. Das Gerät wurde für die Frequenzbereiche 800 bis 2600 MHz auf den Markt gebracht. Da damit die von der Telekom unterstützten Bereiche im Stadtgebiet mit einer Frequenz von 1800 MHz nicht genutzt werden konnten, folgte im Juni das HTC One XL, das auch auf den Frequenzen 1800 MHz und 2600 MHz funktioniert.
Stadt und Land
LTE wurde ursprünglich ausgebaut, um die Breitbandversorgung auf dem Land zu sichern. Seit 2011 ist LTE auch in den ersten Großstädten gestartet. Anfangs standen weiter Gebiete ohne DSL-Breitbandanbindung im Fokus. Doch seit 2012 werden sukzessive immer mehr Städte mit LTE versorgt. Inzwischen wird das Netz in folgenden Städten angeboten: Aachen, Augsburg, Berlin, Bochum, Bonn, Bremen, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Duisburg, Erfurt, Frankfurt, Hannover, Hamburg, Köln, Karlsruhe, München, Rostock, Leipzig, Münster und Stuttgart.
Umrüstung
LTE übernimmt im wesentlichen die Infrastrukturen der UMTS-Technologie. Die Technik wurde lediglich erweitert, um so zügig vom 3G- zum 4G-Standard zu gelangen. Dadurch sollen die Smartphones und Tablets permanent mit dem Internet verbunden sein können. Vor allem für die mobile Kommunikation, wie Video-Telefonie, wäre das ein riesiger Fortschritt. Branchenkenner vermuten, dass die bestehenden Netze innerhalb der nächsten zehn Jahre auf LTE umgerüstet sein könnten.
Und gerade in diesem Bereich muss O2 aufholen. Als die Bundesnetzagentur 2010 die LTE-Frequenzen für insgesamt 4,4 Milliarden Euro versteigerte, war die Telekom das erste Unternehmen, das sich die Frequenz 1800 MHz sicherte. Auf dieser Frequenz läuft aktuell auch das iPhone 5 von Apple. Andere Frequenzen unterstützt das Gerät bisher nicht. Vodafone, O2 und zu Teilen auch E-Plus stürzten sich bei der Versteigerung vor allem auf die niedrige Frequenz von 800 MHz, die besonders weit verbreitet ist. Allerdings waren an diesen begehrten Bereich seitens der Bundesnetzagentur Bedingungen geknüpft.
Bild: dpaXpertia Z - Phone und Tablet
Sony hat in Barcelona nicht nur sein neues Super-Smartphone Xperia Z vorgestellt, sondern auch das Xperia Tablet Z der Öffentlichkeit präsentiert. Das bisher nur in Japan erhältliche Sony-Tablet ist wasserdicht und staubgeschützt. Außerdem ist der Zehnzöller derzeit mit 6,9 Millimeter das dünnste Tablet der Welt. Es wird im zweiten Quartal 2013 weltweit in den Handel kommen. Mit 16 GB Speicher soll es etwa 499 Euro kosten.
Bild: AP/dpaHuawei Ascend P2
Nicht weniger als die schnellste Internet-Verbindung der Welt verspricht der Hersteller Huawei mit seinem Ascend P2. Das neue Smartphone der Chinesen unterstützt den Turbo- Datenfunk LTE (Cat4). Angeblich soll es fast um die Hälfte schneller sein als Apples iPhone5. Huawei-Chef Richard Yu präsentierte das neue Handy in Barcelona und pries vor allem die Download-Geschwindigkeit von 150 Megabit pro Sekunde aus dem Internet an. Die Upload-Rate betrage 520 Kilobit pro Sekunde. Derzeit bewirbt etwa die Deutsche Telekom ihre LTE-Netze mit einer Geschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde.
Das Ascend P2 hat ein 4,9-Zoll großes HD-Display und 8,4 Millimeter dick. Die Chinesen haben sich für ein neues Interface entschieden, dass über das Betriebssystem Android läuft. Ab März soll das Smartphone für einen Preis von 399 Euro europaweit verfügbar sein.
Huawei ist die Nummer drei im weltweiten Smartphone-Markt. 2012 verzeichnete das Unternehmen nach eigenen Angaben mit einem Umsatz von 7,5 Milliarden US-Dollar ein Wachstum von 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Bild: REUTERSZTE Grand Memo
Das chinesische Unternehmen ZTE stellte unter anderem das Modell Grand Memo, einem Gerät mit riesigem Bildschirm, neuem Prozessor und einer 13-Megapixel-Kamera vor. Laut Hersteller ist es das weltweit erste Smartphone, das mit der Dolby-Digital-Plus-Technologie ausgestattet ist. Was das Gerät kosten solle, ist bisher nicht bekannt. Es wird im zweiten Quartal 2013 auf den Markt kommen.

YotaPhone
Der russische Hersteller Yota präsentierte sein YotaPhone mit ungewöhnlichem Konzept: Neben einem gewöhnlichen LC-HD-Display prangt ein schwarz-weißes E-Paper-Display auf der anderen Seite. Die beiden Bildschirme sind 4,3 Zoll groß. Dabei ist die Rückseite zum längeren Lesen gedacht, weil E-Paper nur beim Umblättern Strom verbrauchen und durch seine Kontraststärke als augenfreundlich gilt. Des weiteren verfügt das gerät über LTE, eine Zwölf-Megapixel-Kamera, 2 Gigabyte RAM und 16 oder 32 GB Speicher.
Bild: dpaNokia mit dem Lumia 520
Nokia geht nach einer langen Durststrecke zum Angriff im Smartphone-Geschäft über. Der einstige Handy-Weltmarktführer bringt zwei günstigere Modelle seiner Lumia-Smartphones auf den Markt. Das Lumia 520 soll in Deutschland 199 Euro inklusive Steuern kosten, das etwas besser ausgestattete Modell Lumia 720 gibt es für 379 Euro.
Zu den Lumia-Schwerpunkten gehören die deutlich verbesserte Kamera sowie Nokias Kartendienste. In Barcelona wurden professionell aussehende Fotos auf eine Leinwand projiziert, die nach Angaben von Nokia mit den neuen Geräten aufgenommen wurden.
Das Unternehmen spart in günstigeren Modellreihen bei technischen Details wie Bildschirm-Auflösung sowie einzelnen Funktionen. So hat das Lumia 520 keinen Kompass und keinen Chip für den NFC-Nahfunk, der etwa bei einigen Bezahldiensten zum Einsatz kommt. Nokia will sich aber quer durch die Palette mit Zusatzfunktionen von der Konkurrenz abheben. So bieten alle Geräte Nokias Kamera-Innovationen, fortgeschrittene Kartendienste mit Navigation sowie Musik-Angebote.
Im vergangenen Quartal wurden nach dem Start neuer Lumia-Modelle mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 8 rund 4,4 Millionen Geräte der Marke verkauft. Das war besser als zuvor, aber immer noch drastisch weniger als bei Rivalen wie Samsung, Apple oder Huawei. Zum Vergleich: Marktführer Samsung setzte in dieser Zeit schätzungsweise 64,5 Millionen Smartphones ab.
Bild: REUTERSNokia 105
Das neue Billighandy der Finnen ist gerade zu retro. Das Modell bietet für gerade einmal 15 Euro exklusive Steuern ein einfaches Telefon mit Farbbildschirm, Radio und einer vor Spritzwasser und Staub geschützten Gummi-Tastatur. Der große Vorteil des Gerätes: Der Akku soll bis zu einem Monat ohne Nachladen durchhalten.
Bild: dpaBetriebssystem Firefox OS
Das Mozilla-Projekt hat in Barcelona sein neues Handy-Betriebssystem vorgestellt, das Firefox OS. Das Firefox-Handy ist anders als iPhone und Co. und kann in der Leistung kaum mithalten. Aber dafür ist es erschwinglich. Die Chancen für einen Erfolg stehen gar nicht so schlecht. Gleich 18 Mobilfunk-Anbieter unterstützen das Mozilla-System. Wie beim PC-Betriebssystem Linux ist der Quellcode der Software offen, alle können ihn weiterentwickeln und verändern. Hier sehen die Mobilfunkbetreiber eine Chance, wieder eine größere Rolle zu spielen. „Wir wollen Teil des Projekts sein und wir wollen mithelfen“, sagt Deutsche-Telekom-Chef Obermann. Er kündigte für den Sommer in Polen ein erstes Firefox-Smartphone für Europa an, hergestellt vom Unternehmen Alcatel. Weitere osteuropäische Länder sollen noch in diesem Jahr folgen.
Apple und die Hersteller von Android-Telefonen müssen sich vorerst wohl nicht sorgen um die neue Konkurrenz. Aber für Anbieter, die wie Nokia oder Huawei ebenfalls ihren Blick auf die große Kundschaft in den Schwellenländern richten, könnte sich der Wettbewerb weiter verschärfen.
Ein Betriebssystem stellt alle nötigen Schnittstellen zwischen den Hardware-Bausteinen des Smartphones und der Software bereit. Dafür sorgen bei Firefox OS eine Reihe von Software-Bausteinen rund um HTML5 und JavaScript, die schlanke Linux-Plattform Gonk und die Software Gecko, die Web-Apps zum Laufen bringen. Auch Android hat einen Linux-Kern.
Mozilla geht die Sache mit einer gehörigen Portion Sendungsbewusstsein an. „Das Internet sollte nie von irgendwelchen Firmen kontrolliert werden“, sagt Mozilla-Chef Gary Kovacs mit Blick auf Google oder Apple. Als erste Geräte stellt er am Vorabend der Messe zwei Smartphones der Hersteller Alcatel und ZTE (im Bild ist das ZTE Open zu sehen) vor. Kovacs gibt sich aber sicher: „Es werden noch weit mehr kommen.“
Xpertia Z - Phone und Tablet
Sony hat in Barcelona nicht nur sein neues Super-Smartphone Xperia Z vorgestellt, sondern auch das Xperia Tablet Z der Öffentlichkeit präsentiert. Das bisher nur in Japan erhältliche Sony-Tablet ist wasserdicht und staubgeschützt. Außerdem ist der Zehnzöller derzeit mit 6,9 Millimeter das dünnste Tablet der Welt. Es wird im zweiten Quartal 2013 weltweit in den Handel kommen. Mit 16 GB Speicher soll es etwa 499 Euro kosten.
Die Agentur forderte die Provider auf, zunächst unterversorgte, ländliche Regionen in Deutschland, die nicht über Breitband verfügen, mit dem neuen Turbo-Netz zu versorgen. Erst wenn pro Bundesland die Einwohner zu 90 Prozent versorgt seien, dürften O2 und Co mit dem Ausbau in den Städten anfangen. Dieser Punkt ist nun erreicht und die Aufholjagd beginnt. Denn während O2 sich darum kümmern musste, die Forderungen der Bundesnetzagentur zu erfüllen, baute die Telekom vor allem in urbanen Regionen kräftig aus. Nach Aussagen eines Telekom-Sprechers hat das Unternehmen bis Jahresende 2012 in 100 deutschen Städten ihr Funknetz im 1800-Megaherz-Bereich auf LTE umgerüstet.
Netz-Tipp für Selbstständige: O2
Bedarf
Zwei Stunden Sprachtelefonie; Gesprächsverteilung Festnetz-Mobil: 1/3 zu 2/3; 500 Megabyte Datenvolumen, niedrige Datengeschwindigkeit
Top-Anbieter
Gerade wer Wert auf ein ausgewogenes Verhältnis von Preis und Leistung legt und wie viele Selbstständige seine Kommunikationskosten spitz kalkuliert, der bekommt bei O2 ein verlässlich gutes Netz zu angemessenen Kosten
Alternativen
Vodafone glänzt innerstädtisch mit etwas schnellerem Verbindungsaufbau und leicht besserer Sprachqualität; das allerdings auf dem höheren Preisniveau der Telekom. E-Plus fällt – gerade auf dem Land – in fast allen Qualitätskriterien gegenüber O2 ab, ist aber zumindest in Städten eine preisliche Alternative
Discount-Tipp
Passende Discount- Angebote im O2-Netz: Drillisch, Fonic, HelloMobil, Klarmobil, Simly, Weltbild
Für den neuen Service bittet die Telekom ihre Kunden extra zur Kasse – wer mit der Höchstgeschwindigkeit surfen will, muss neben der üblichen Laufzeitverträge zehn Euro im Monat zusätzlich zahlen, um die schnelle mobile Verbindung nutzen zu können. An dieser Stelle setzt O2 nun an. Denn die Telefónica-Tochter stellte in Barcelona auch neue Tarife vor, die zum 1. März eingeführt werden und die O2-Manager Oliver Schmitt als „sehr aggressiv im Wettbewerbsumfeld“ bezeichnete. Der Einstiegstarif für rund 20 Euro umfasst ein Datenvolumen für die volle 3G-Geschwindigkeit von 50 Megabyte sowie Telefongespräche und SMS-Mitteilungen in alle Netze. Für 30 Euro steht ein Volumen von 500 Megabyte zur Verfügung. Der Spitzentarif von 50 Euro enthält ein Datenvolumen von 5 Gigabyte mit LTE-Nutzung. Wenn das Datenvolumen verbraucht ist, wird die Geschwindigkeit gedrosselt. Damit schafft O2 die Kosten für SMS und Telefonate faktisch ab und rechnet nur noch den Datentransfer ab.
„O2 ist ein Angreifer“, sagte Schuster. Er zeigte sich zuversichtlich, dass das O2-Netz das Inklusivangebot für Telefongespräche verkraften werde. Die Priorität liege beim Ausbau des LTE-Netzes. O2 werde aber auch weiter in das UMTS-Netz investieren, sagte Schuster. Damit die Kunden die aktuelle Leistung der jeweils nächsten Basistation überprüfen können, führt O2 dafür eine neue Web-Anwendung ein. „Wir sind der erste deutsche Netzbetreiber, der auf diese Weise mehr Transparenz ins mobile Internet bringt“, sagte der O2-Chef. Ob sich das langfristig rechnet, bleibt abzuwarten.
Mit Material von dpa














