Neue Datenstrategie: O2 schafft Kosten für Telefonate und SMS ab

Neue Datenstrategie: O2 schafft Kosten für Telefonate und SMS ab

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Die Sonne spiegelt sich in dem Fenster eines O2-Shops in Berlin. Ab März bietet das Unternehmen neue Tarife an, die ausschließlich den Datentransfer berechnen.

von Meike Lorenzen

O2 schafft als erstes Mobilfunkunternehmen die Kosten für SMS und Telefonate ab. Künftig wird nur noch der Datentransfer abgerechnet, der gleichzeitig immer schneller werden soll. Ein riskantes Unterfangen.

Nach den beiden großen Mobilfunkanbietern Deutsche Telekom und Vodafone treibt nun auch O2 den Ausbau des des Turbo-Netzes LTE (Long Term Evolution) in den Städten voran. Der Deutschland-Chef des spanischen Netzbetreibers Telefónica, René Schuster, kündigte auf dem Mobile World Congress in Barcelona an, dass LTE Ende März in München und Berlin eingeführt werde. Im zweiten Quartal folge dann der Netzausbau für Hamburg, Düsseldorf, Duisburg und Essen. In Köln, Dresden, Frankfurt am Main, Leipzig und Nürnberg soll das bereits in Betrieb genommene LTE-Netz von O2 weiter ausgebaut werden. Gleichzeitig will das Unternehmen künftig nur noch den Datentransfer berechnen. Damit werden herkömmliche Telefonate und SMS plötzlich kostenlos. Die Überlegung dahinter: Die beiden Kommunikationswege werden sich überholen. Die Menschen würden nur noch per Messenger oder Web-Telefonie miteinander kommunizieren. Und damit das langfristig funktioniert, muss das Unternehmen in schnellere Netze investieren.

Fakten rund um LTE

  • Was ist LTE?

    LTE (Long Term Evolution) ist ein Mobilfunknetz und der Nachfolger von UMTS. LTE bietet mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde deutlich schnellere Downloadraten.

  • Unterschiedliche Frequenzen

    ,LTE läuft je nach Region über unterschiedliche Frequenzen (Nordamerika: 700 MHz und 2100 MHz, Westeuropa, Mittlerer Osten und Afrika: 800 MHz 1800 MHz, 2000 MHz und 2600 MHz, Osteuropa: 800 MHz, 1800 MHz, 2300 MHz und 2600 MHz, Asia-Pazifik: 1800 MHz und 2100 MHz). Apples "neues iPad" beispielsweise unterstützt nur LTE in den Frequenzbereichen 700 und 2100 MHz und ist daher in Europa bisher nur ohne LTE-Funktion erhältlich.

  • LTE-Netz in Deutschland

    Von April bis Mai 2010 versteigerte die Bundesnetzagentur LTE-Frequenzen für den drahtlosen Netzzugang an Telekommunikationsdienste. Über den Tisch gingen die Frequenzen 800 MHz, 1800 MHz (bis dahin vor allem von der Bundeswehr genutzt), 2000 MHz (die ehemaligen Quam- und Mobilcom-Lizenzen für UMTS) und 2600 MHz. Die Bereiche 800 MHz und 2600 MHz werden von den vier deutschen Mobilfunkanbietern (Telekom, Vodafone, E-Plus und O2) für LTE genutzt. Die Deutsche Telekom verwendet zusätzlich 1800 MHz.

  • LTE-Smartphones in Deutschland

    Vodafone bietet seit März 2012 mit dem HTC Velocity 4G das erste LTE-Smartphone Deutschlands an. Das Gerät wurde für die Frequenzbereiche 800 bis 2600 MHz auf den Markt gebracht. Da damit die von der Telekom unterstützten Bereiche im Stadtgebiet mit einer Frequenz von 1800 MHz nicht genutzt werden konnten, folgte im Juni das HTC One XL, das auch auf den Frequenzen 1800 MHz und 2600 MHz funktioniert.

  • Stadt und Land

    LTE wurde ursprünglich ausgebaut, um die Breitbandversorgung auf dem Land zu sichern. Seit 2011 ist LTE auch in den ersten Großstädten gestartet. Anfangs standen weiter Gebiete ohne DSL-Breitbandanbindung im Fokus. Doch seit 2012 werden sukzessive immer mehr Städte mit LTE versorgt. Inzwischen wird das Netz in folgenden Städten angeboten: Aachen, Augsburg, Berlin, Bochum, Bonn, Bremen, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Duisburg, Erfurt, Frankfurt, Hannover, Hamburg, Köln, Karlsruhe, München, Rostock, Leipzig, Münster und Stuttgart.

  • Umrüstung

    LTE übernimmt im wesentlichen die Infrastrukturen der UMTS-Technologie. Die Technik wurde lediglich erweitert, um so zügig vom 3G- zum 4G-Standard zu gelangen. Dadurch sollen die Smartphones und Tablets permanent mit dem Internet verbunden sein können. Vor allem für die mobile Kommunikation, wie Video-Telefonie, wäre das ein riesiger Fortschritt. Branchenkenner vermuten, dass die bestehenden Netze innerhalb der nächsten zehn Jahre auf LTE umgerüstet sein könnten.


Und gerade in diesem Bereich muss O2 aufholen. Als die Bundesnetzagentur 2010 die LTE-Frequenzen für insgesamt 4,4 Milliarden Euro versteigerte, war die Telekom das erste Unternehmen, das sich die Frequenz 1800 MHz sicherte. Auf dieser Frequenz läuft aktuell auch das iPhone 5 von Apple. Andere Frequenzen unterstützt das Gerät bisher nicht. Vodafone, O2 und zu Teilen auch E-Plus stürzten sich bei der Versteigerung vor allem auf die niedrige Frequenz von 800 MHz, die besonders weit verbreitet ist. Allerdings waren an diesen begehrten Bereich seitens der Bundesnetzagentur Bedingungen geknüpft.

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Die Agentur forderte die Provider auf, zunächst unterversorgte, ländliche Regionen in Deutschland, die nicht über Breitband verfügen, mit dem neuen Turbo-Netz zu versorgen. Erst wenn pro Bundesland die Einwohner zu 90 Prozent versorgt seien, dürften O2 und Co mit dem Ausbau in den Städten anfangen. Dieser Punkt ist nun erreicht und die Aufholjagd beginnt. Denn während O2 sich darum kümmern musste, die Forderungen der Bundesnetzagentur zu erfüllen, baute die Telekom vor allem in urbanen Regionen kräftig aus. Nach Aussagen eines Telekom-Sprechers hat das Unternehmen bis Jahresende 2012 in 100 deutschen Städten ihr Funknetz im 1800-Megaherz-Bereich auf LTE umgerüstet.

Netz-Tipp für Selbstständige: O2

  • Bedarf

    Zwei Stunden Sprachtelefonie; Gesprächsverteilung Festnetz-Mobil: 1/3 zu 2/3; 500 Megabyte Datenvolumen, niedrige Datengeschwindigkeit

  • Top-Anbieter

    Gerade wer Wert auf ein ausgewogenes Verhältnis von Preis und Leistung legt und wie viele Selbstständige seine Kommunikationskosten spitz kalkuliert, der bekommt bei O2 ein verlässlich gutes Netz zu angemessenen Kosten

  • Alternativen

    Vodafone glänzt innerstädtisch mit etwas schnellerem Verbindungsaufbau und leicht besserer Sprachqualität; das allerdings auf dem höheren Preisniveau der Telekom. E-Plus fällt – gerade auf dem Land – in fast allen Qualitätskriterien gegenüber O2 ab, ist aber zumindest in Städten eine preisliche Alternative

  • Discount-Tipp

    Passende Discount- Angebote im O2-Netz: Drillisch, Fonic, HelloMobil, Klarmobil, Simly, Weltbild

Für den neuen Service bittet die Telekom ihre Kunden extra zur Kasse – wer mit der Höchstgeschwindigkeit surfen will, muss neben der üblichen Laufzeitverträge zehn Euro im Monat zusätzlich zahlen, um die schnelle mobile Verbindung nutzen zu können. An dieser Stelle setzt O2 nun an. Denn die Telefónica-Tochter stellte in Barcelona auch neue Tarife vor, die zum 1. März eingeführt werden und die O2-Manager Oliver Schmitt als „sehr aggressiv im Wettbewerbsumfeld“ bezeichnete. Der Einstiegstarif für rund 20 Euro umfasst ein Datenvolumen für die volle 3G-Geschwindigkeit von 50 Megabyte sowie Telefongespräche und SMS-Mitteilungen in alle Netze. Für 30 Euro steht ein Volumen von 500 Megabyte zur Verfügung. Der Spitzentarif von 50 Euro enthält ein Datenvolumen von 5 Gigabyte mit LTE-Nutzung. Wenn das Datenvolumen verbraucht ist, wird die Geschwindigkeit gedrosselt. Damit schafft O2 die Kosten für SMS und Telefonate faktisch ab und rechnet nur noch den Datentransfer ab.

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„O2 ist ein Angreifer“, sagte Schuster. Er zeigte sich zuversichtlich, dass das O2-Netz das Inklusivangebot für Telefongespräche verkraften werde. Die Priorität liege beim Ausbau des LTE-Netzes. O2 werde aber auch weiter in das UMTS-Netz investieren, sagte Schuster. Damit die Kunden die aktuelle Leistung der jeweils nächsten Basistation überprüfen können, führt O2 dafür eine neue Web-Anwendung ein. „Wir sind der erste deutsche Netzbetreiber, der auf diese Weise mehr Transparenz ins mobile Internet bringt“, sagte der O2-Chef. Ob sich das langfristig rechnet, bleibt abzuwarten.

Mit Material von dpa

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