
Heute endet die wohl aufregendste Woche des Jahres für Marius Würzner. Seit 9 Uhr werden zum ersten Mal ein- und zweistellige Internetadressen mit der Endung .de freigegeben. Es könnte ein Riesengeschäft für Würzner werden, denn er ist Geschäftsführer von Sedo, dem größten Internetadresshändler der Welt. Ob es so kommt entscheidet sich in diesen Stunden, denn die Vergabe der Domains wie wm.de, pc.de oder 1.de gleicht einer gigantischen Lotterie.
Dass heute überhaupt diese raren, noch unbesetzten virtuellen Grundstücke verteilt werden, war für alle Beteiligten eine Riesenüberraschung. Erst vor einer Woche gab die Denic, bei der alle deutschen Domains registriert werden müssen, bekannt, dass die bisher gesperrten Adressen mit Zahlen oder ein bis zwei Buchstaben nun freigegeben werden.
Volkswagen erstritt vor Gericht die Domain vw.de
Volkswagen hat diese Entscheidung möglich gemacht, denn seit Jahren hat sich der Autokonzern darüber geärgert, dass er die Internetadresse vw.de nicht nutzen durfte. Die Vergabestelle Denic begründete das mit möglichen technischen Problemen, allerdings sind in anderen Ländern solche kurzen Internetadressen schon länger möglich. VW zog vor den Kadi und bekam letztlich vom Bundesgerichtshof Recht.
Für Würzner begannen damit hektische Tage in der Kölner Sedo-Zentrale. Innerhalb kürzester Zeit bot das Unternehmen seinen Kunden die Möglichkeit an, sich für die neuen Adressen zu registrieren. Sedo kam dabei zu gute, dass es täglich Auktionen für Internetadressen durchführt und schon in der Vergangenheit neue Endungen wie .eu oder .biz auf den Markt versteigert hatte.
Gebote von mehr als einer Viertelmillion
Trotzdem aller Vorbereitungen geschieht der GAU: Es ist Donnerstagabend kurz vor 18 Uhr. „Wir sind platt“, sagt Würzner. Auf dem Monitor erscheint die Meldung: „Diese Seite ist vorübergehend nicht erreichbar.“ Sedo hat zwar massiv Serverkapazitäten hochgefahren - die Zahl der Anfragen liegt mehr als 200 mal so hoch, wie an normalen Tagen - doch ausgereichnet in den letzten Minuten der Auktion bricht die Seite unter dem Nutzeransturm zusammen.
Zu diesem Zeitpunkt liegt das höchste Gebot für die Adresse tv.de bei 253.699 Euro. Dann geht über eine halbe Stunde lang gar nichts mehr. Sedo muss die Auktion mehrfach verlängern, das letzte Gebot wird um 0:03 Uhr abgegeben: 24.000 Euro für 5.de.
Insgesamt werden 40.000 Gebote für knapp 3000 Adressen abgegeben. Das Gesamtvolumen: mehr als sechs Millionen Euro. Mit fast 280.000 Euro liegt tv.de schließlich ganz vorn, dahinter folgt pc.de mit 158.700 Euro.
Dabei ist gar nicht klar, ob die Interessenten für ihre Gebote tatsächlich auch die Domain erhalten. Letztlich sichern sie sich nur eine Art Verkaufsrecht und kommen zum Zug, wenn es Sedo heute gelingt, für sie die entsprechenden Adressen bei der Denic zu sichern. Denn auch andere Internetdienstleister und spezialisierte Registrare beteiligen sich an der lukrativen Online-Lotterie.










