Neues Patent: Amazon will Gebrauchtmarkt für digitale Güter

Neues Patent: Amazon will Gebrauchtmarkt für digitale Güter

von Oliver Voß

Ein Patent ermöglicht Amazon den Handel mit gebrauchten E-Books, Videos und Musikdateien. Die Umsetzung würde die Medienindustrie erschüttern, ein kleiner Konkurrent versucht die Revolution bereits.

Wöchentlich werden Patente auf Dinge vergeben, die wie Science Fiction anmuten. Was sich Amazon nun hat patentieren lassen, ist dagegen eigentlich ein alter Hut, nämlich einen Flohmarkt. Allerdings beschreibt das Ende Januar gewährte US-Patent mit der Nummer 8,364,595 einen „Zweitmarkt für digitale Objekte“, auf dem gebrauchte E-Books, MP3-Dateien oder Videos gehandelt werden könnten. Und das hat revolutionäres Potenzial.

Sollte dieser elektronische Marktplatz Realität werden, könnte das die Medienindustrie in ihren Grundfesten erschüttern. Denn die Digitalisierung der Unterhaltungsindustrie vollzieht sich immer schneller. Doch im Gegensatz zu herkömmlichen Schallplatten oder Büchern, ließen sich die elektronischen Pendants bislang eigentlich nicht legal weiterverkaufen, wenn man ihrer überdrüssig war. Der ökonomische Grundsatz der freien Handelbarkeit von Waren gilt in der Welt von iTunes & Co. nicht. Selbst das Verleihen an Familienangehörige oder Freunde ist oft nicht möglich.

Anzeige

Flohmärkte für gebrauchte Dateien

  • ReDigi

    Dieser Internet-Dienst fungiert als Handelsplattform für gebrauchte Musik. Songs kosten 0,69 oder 0,79 Cent. Verkaufen können Musikfreunde dort derzeit nur Titel, die sie bei Apples iTunes erworben haben. Wer Lieder anbietet, erhält 20 Cent. Nach dem Verkauf gibt es noch einmal 12 Cent – allerdings in Form von Gutschriften, die sich bei ReDigi und iTunes einlösen lassen. Auch der Handel mit E-Books soll demnächst möglich sein.
    Noch ist der Dienst nur in den USA verfügbar. Doch im kommenden Jahr soll er auch in Deutschland starten.

  • Skoobe

    Über die App des Münchner Anbieters können iPhone- und iPad-Nutzer E-Books ausleihen. Maximal fünf aus bald 10.000 Titeln von 70 Verlagen können Skoobe-Kunden gleichzeitig lesen. Bis zu drei Geräte kann der Nutzer mit seinem Konto verbinden. Dabei lässt sich ein Buch immer nur auf einem Gerät gleichzeitig lesen. Der Dienst kostet monatlich 9,99 Euro. Bis zum 1. März 2013 können Bücherfreunde beliebig viele Titel pro Monat ausleihen. Danach gibt’s für den Preis monatlich zwei Schmöker.

  • Onleihe

    Über Onleihe können die neun Millionen Kunden öffentlicher Bibliotheken in Deutschland auch elektronische Medien ausleihen. Außer den üblichen Bibliotheksgebühren fallen keine weiteren Kosten an. Bis Jahresende sollen 600 Büchereien an den Dienst angeschlossen sein. 30.000 Titel stehen bereits zur Verfügung – E-Books, E-Paper, Hörbücher, Musik und Filme. 9000 sind allein 2012 dazugekommen.

Insbesondere bei elektronischen Büchern, die man in der Regel nur einmal liest, ist das für viele Nutzer ein wichtiges Argument gegen den Wechsel vom bedruckten Papier. Und es kann die illegale Verbreitung von Kopien begünstigen. Das haben auch die Anbieter erkannt: Unternehmen wie das Münchener Startup Skoobe bieten E-Books zum Ausleihen an und auch die „Onleihe“, das digitale Leihsystem der Bibliotheken ist enorm beliebt. Mit vier Millionen verliehen E-Books verdoppelte sich die Zahl 2012 und entsprach bereits fast der Hälfte der gekauften Exemplare.

Online-Bibliothek von Amazon

Ein Manko ist es, dass die Onleihe-Bücher nicht auf Amazon-Lesegeräten laufen. Dafür bietet der Onlineriese seit Oktober auch in Deutschland einen eigenen Leihservice: Nutzer des kostenpflichtigen Amazon-Prime-Service können monatlich ein Buch für den Kindle lesen.

Die Möglichkeit gebrauchte Bücher oder anderer Dateien weiterzuverkaufen fehlt bislang jedoch. Dagegen protestieren auch Verbraucherschützer. "Wer sich ein Buch herunterlädt, sollte nicht anders dastehen als jemand, der eine gebundene Ausgabe im Laden kauft", fordert Helke Heidemann-Peuser, Referatsleiterin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Der führt derzeit vor Gerichten in Dortmund und Hamburg mehrere Musterklagen gegen Online-Buchhändler und Spielefirmen.

Für gebrauchte Software hat der Europäische Gerichtshof im vergangenen Jahr bereits ein wegweisendes Urteil gesprochen und den Weiterverkauf erlaubt. „Diese Rechtsprechung wird vor Büchern oder Filmen nicht Halt machen“, sagt Peter Schneider, Chef der Münchener Firma Usedsoft, der das Urteil gegen Oracle erstritten hat.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%