Next Berlin 2013: Peer Steinbrück forderte eine Gesellschaft des Scheiterns

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Next Berlin 2013: Peer Steinbrück forderte eine Gesellschaft des Scheiterns

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„Wir brauchen hierzulande eine Kultur des Scheiterns,“ sagte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück auf der Next 2013.

von Meike Lorenzen

Kein geringerer als der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sprach am ersten Tag der Konferenz rund um die Themen der digitalen Wirtschaft. Er forderte Banken und Versicherungen auf, in Startups zu investieren.

Skeptisch schauten nicht wenige Besucher der Next Berlin 2013 dem Auftritt des SPD-Kanzler-Kandidaten entgegen. Zu seltsam waren seine Auftritte in der digitalen Welt in vergangener Zeit gewesen. Erst wollte er nicht twittern, dann doch – mit freundlicher Unterstützung eines jungen Mitarbeiters. So richtig ist das Urgestein der Politik noch nicht in der digitalen Welt angekommen, war man sich sicher. Doch Steinbrück legte einen starken Auftritt hin. In nur 16 Minuten zeigte er seine beste Seite – die des mitreißenden Redners.

Nach Netzguru Stephen Wolfram, dessen ansonsten inspirierende Rede von Netzwerkproblemen ausgebremst wurde, betrat Steinbrück die Bühne. Vor den über 600 Zuschauern im BBC am Alexanderplatz sprach er offen die Defizite an, mit denen die deutsche Wirtschaft in Bezug auf die digitale Gesellschaft zu kämpfen hat.

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„Die Politik muss in drei Bereichen nachrüsten: Infrastruktur, Bildung und Gründertum“, sagte er. Vor allem der Breitbandausbau müsse schneller und auch mit staatlicher Unterstützung von statten gehen. „Wir sind absolutes Schlusslicht in Europa – noch hinter Rumänien“, sagte der Kanzlerkandidat. Das müsse sich ändern – und ganz offensichtlich seien die privaten Unternehmen mit dieser Aufgabe alleine überfordert. Steinbrück versprach einheitliche Standards über alle Länder hinweg. Nur so sei Fortschritt in Deutschland möglich.

Die zweite große Hürde sah er im deutschen Bildungssystem, das dringend eine Reform benötige. Finanzieren will er das mit einer Neuverteilung der Steuern. „Wir müssen mehr Steuern erheben. Nicht von allen und nicht für alle“, sagte er.

Außerdem nahm er die Wirtschaft in die Pflicht. Sowohl die großen Unternehmen wie Siemens, Daimler und BASF sollten mehr mit Startups kooperieren und so die Kompetenzen der jungen, flexiblen Unternehmen nutzen. Auch Banken und Versicherungen forderte er auf, stärker in junge Unternehmen zu investieren. Der Blick über den Atlantik zeige schließlich, wie sehr sich das rechnen kann.

Die Skepsis der Deutschen bremse die Wirtschaft immer noch aus, war sich der Sozialdemokrat sicher. „Wir brauchen hierzulande eine Kultur des Scheiterns“, sagte er. „Denn nur wer versagt, traut sich etwas.“ So entstehen Innovationen.

Trotz all dieser Hürden glaubt Steinbrück fest daran, dass Deutschland an der Spitze der sogenannten Industriellen Revolution 4.0 stehen kann. „Wir haben das industrielle Rückgrat“, sagte er in Berlin. Die vielen kompetenten Maschinenbauer, Ingenieure und Programmierer seien in der Lage Deutschland hier einen riesigen Wettbewerbsvorteil zu schaffen.

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Platz 17: Berlin Quelle: dpa

Kritiker lobten zwar Steinbrücks Optimismus, doch eine Frage bleibt: Kann Deutschland sich wirklich an die Spitze einer neuen Bewegung zu stellen? Noch immer tun sich die Deutschen schwer damit Anwendungen zu programmieren, die vor allem Userfreundlich sind. Erst kürzlich sagte Startup-Experte Ciaran O’Leary im Wiwo-Lunchtalk, dass die großen die Ansprache des Endkunden und ein schnittiges Design den Amerikanern immer noch am besten gelingt. Die Entwickler bei Fraunhofer und Co. seien zwar technisch nahezu perfekt – doch in Designfragen abgehängt. Bleibt die Frage, ob die deutsche Startup-Szene hier einspringen kann.

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1 Kommentar zu Next Berlin 2013: Peer Steinbrück forderte eine Gesellschaft des Scheiterns

  • Lesenswerte Reaktion auf den Vortrag: Warum Peer Steinbrück (stellvertretend für deutsche Politiker) dringend digitale Nachhilfe benötigt.
    http://whats-up-in.berlinvalley.com/kommentar-warum-peer-steinbrueck-dringend-digitale-nachhilfe-braucht/

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