Nokia 3310 und Nokia 6: Die riskanteste Wette der Branche

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Nokia ist zurück: Die riskanteste Wette der Branche

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Das neue Nokia 3310 wird in verschiedenen Farben ausgeliefert.

von Thomas Kuhn

Drei Jahre nach dem Verkauf der Handy-Sparte an Microsoft kehren Nokia-Smartphones nach Europa zurück. Unter neuer Flagge und mit einem Telefon-Klassiker.

Was Arto Numella am Vortag des Mobile World Congress in Barcelona angestoßen hat, ist vermutlich die größte - und riskanteste - Wette, die in diesen Tagen überhaupt ein Handyhersteller eingeht. Numella, Chef des finnischen Start-ups HMD Global und ein Veteran der Handy-Industrie, präsentierte im Museum für moderne Kunst drei neue Nokia-Smartphones und einen lebenden Handy-Dinosaurier.

Damit kehrt die lange stärkste Handymarke der Mobilfunkwelt, drei Jahre nach dem Verkauf des Smartphone-Sparte an Microsoft, wieder auf den internationalen Telefonmarkt zurück - unter neuer unternehmerischer Flagge. Die Markenrechte liegen - nachdem Microsoft das Handygeschäft im Sommer vergangenen Jahres milliardenschwer abgeschrieben hatte - nun bei den finnischen Newcomer HMD.

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Der hatte die Handysparte für 350 Millionen Dollar gemeinsam mit dem chinesischen Technologieriesen Foxconn übernommen, einem der größten Auftragsfertiger für die gesamten Smartphone- und Computerindustrie. Insgesamt 500 Millionen Dollar wollen die Partner in den kommenden drei Jahren in die Wiedererweckung der Marke stecken. Gemeinsam hatten beide im Januar bereits das Modell „Nokia 6“ auf den chinesischen Markt gebracht.

Wer 2016 die meisten Smartphones verkaufte

  • Platz 1

    Koreas Elektronikriese Samsung konnte 2016 306.446.600 Smartphones verkaufen. Das entspricht einem Marktanteil von 20,5 Prozent.

  • Platz 2

    14,4 Prozent der 2016 verkauften Smartphones kamen von Apple: 216.064.000 Stück.

  • Platz 3

    Huawei konnte 2016 132.824.900 Smartphones verkaufen. Das sind 8,9 Prozent Marktanteil für das chinesische Unternehmen.

  • Platz 4

    Ebenfalls ein chinesischer Konzern ist Oppo. Der Hersteller konnte 2016 89.299.500 Endkunden für den Kauf seiner Smartphones begeistern. Marktanteil: 5,7 Prozent.

  • Platz 5

    BKK Communication Equipment hatte 2016 einen Marktanteil von 4,8 Prozent. Das chinesische Unternehmen konnte 72.408600 Smartphones verkaufen. Allerdings sind in dieser Rechnung nicht die gesondert aufgeführten Zahlen von Oppo enthalten. Das Unternehmen ist eine Tochter von BKK.

  • Andere

    Den größten Marktanteil machen weitere Hersteller aus: 45,6 Prozent des Smartphone-Marktes 2016 entfallen auf "Andere". Das sind 682.314.300 Stück.

  • Gesamt

    Insgesamt wurden 2016 1.495.358.000 Smartphones verkauft.

    Quelle: Gartner

Anders als in der Vergangenheit laufen Nokia-Telefone nun aber nicht mehr mit Nokias Betriebssystem oder Microsofts WindowsMobile-Software, sondern einer komplett unmodifizierten Android-Version von Google.

Das bringt den Vorteil, dass die Geräte unmittelbar in den Genuss aller monatlichen Sicherheits-Updates kommen, die Google künftig publizieren will, um Sicherheitslücken zu stopfen. Zugleich aber fehlt den neuen Android-Nokias jegliche Design-Reminiszenz an die alten Symbian-Oberflächen, die Handy-Traditionalisten wieder hätten für die Marke begeistern können.

Das muss kein Manko sein. Schließlich war die heutige Kundschaft zu großen Teilen noch gar nicht auf der Welt, als Nokias Symbian der Trendsetter in der Handywelt war. Die erste Serie des Geräts, die HMD im Januar in China übers Internet offeriert hatte und für die es mehr als eine Million Vorbestellungen gab, war jedenfalls nach nur 23 Sekunden ausverkauft. Ob das aber tatsächlich an der enormen Nachfrage lag, oder schlicht an einer zu geringen Produktion, bleibt offen. Absatzzahlen nennt HMD bisher für sein erstes Gerät nicht.

Wohl aber, dass das Nokia 6 im zweiten Quartal weltweit auf den Markt kommen wird, kündigte Numella in Barcelona an.

Dabei peilt das Unternehmen offensiv die preisliche Mittelklasse an. Das N6 wird zum Kampfpreis von voraussichtlich 229 Euro für die Standardversion, und 299 für eine Sonderauflage in schwarzem Klavierlack und mit erweitertem Speicher vertrieben. Daneben kommen zusätzlich zwei kleinere Modelle in den Handel, das Nokia 5 (rund 198 Euro) und das Nokia 3 (rund 139 Euro), beide mit Gorillaglas-geschützten Displays ausgerüstet und aus einem Aluminum-Uniblock gefräst.

Ganz zum Schluss gab HMD-Chef Numella in Barcelona dann noch einmal den Steve Jobs, als er - zunächst auf Finnisch, dann auf Englisch - verkündete: „One more thing“, eine Neuheit habe er noch. Dann bestätigte er, was vor der Messe nur als Gerücht kursiert hatte.

Nokia 3310

Zeitgleich mit den Android-Telefonen bringt HMD im zweiten Quartal auch eine Neuauflage des Nokia-Klassikers 3310 zum Preis von 49 Euro in den Handel. Das Kultphone hatte bei Umfragen unter Social-Media-Nutzern die größte Resonanz und Begeisterung ausgelöst.

Und so verwies HMD-Chef Numella, der früher schon bei Nokia und Microsoft Teile des Handygeschäfts gemanagt hatte, bei der Präsentation des neuen, alten 3310 auf drei geradezu herausragende Eigenschaften: „Das Handy-Spiel ‚Snake‘ ist vorinstalliert. Und mit 22 Stunden Sprech- und mehr als einem Monat Standby-Zeit ist das Telefon heutzutage einzigartig.“

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Damit hat er recht. Allerdings sind die Traum-Ausdauerwerte auch kein Wunder. Schließlich läuft auf dem wiedererweckten Handy-Fossil auch immer noch die alte Symbian-Version Series 30, die Kamera knipst nur 2-Megapixel-Bilder, und moderne Multimedia-Features oder gar ein Touch-Bildschirm fehlen komplett. Aber - immerhin - Snake ist wieder vorinstalliert.

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