NSA-Spionage: So spähen uns die Geheimdienste aus

NSA-Spionage: So spähen uns die Geheimdienste aus

von Sebastian Matthes

Amerikanische und britische Geheimdienste werten in ungeahntem Ausmaß deutsche Mails, Telefongespräche und Kurznachrichten aus. Unternehmen fürchten bereits eine neue Qualität der Wirtschaftsspionage. Wo die Schnüffler ansetzen und mit welchen Techniken Sie Ihre Daten schützen können.

Noch tippe ich allein. Ich sitze beim Frühstück und schreibe den Einstieg für diesen Text auf meinem privaten Laptop. Aber in wenigen Minuten schon werde ich einige Hundert Leser haben. Dann schicke ich den Text via Google-Mail an mein elektronisches Postfach im Büro. Unterwegs werden diese Zeilen dann von britischen Spionen, vom US-Geheimdienst NSA oder von noch viel unangenehmeren Zeitgenossen gescannt.

Für den Versand zerlegt mein Rechner die formulierten Gedanken in kleine Datenpakete, leitet sie über armdicke Leitungen durch den Atlantik zu Googles Serverparks in die USA und von dort schließlich an meinen dienstlichen Mail-Account in Düsseldorf. In Sekundenbruchteilen rast der Text Tausende Kilometer durchs Netz. Und weil die Mail unverschlüsselt ist, können Geheimdienste und Hacker aus den dunkelsten Winkeln unserer Welt mitlesen.

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Das ist nicht neu. Normale E-Mails schützen ihren Inhalt etwa so gut wie Postkarten unsere Urlaubsgrüße. Viele Nutzer denken aber, dass ihre Daten so unbedeutend seien, dass die Datenschnipsel im globalen Nachrichtenstrom untergehen.

Lange war das auch so. Doch wir stehen am Beginn eines neuen Datenzeitalters. So wie Menschen beim Ausatmen CO2 abgeben, produzieren wir ständig Bits und Bytes: mit unseren Smartphones, bei Internet-Recherchen, ja, sogar mit Restaurantbesuchen. Diese Informationsflut zu speichern ist heute nahezu kostenlos.

EU-Gebäude US-Geheimdienst soll Wanzen installiert haben

Die Affäre um Edward Snowden zieht immer weitere Kreise. Angeblich hat der US-Geheimdienst NSA gezielt Einrichtungen der Europäischen Union (EU) ausgespäht. Zudem kocht gerade ein weiterer Fall von Geheimnisverrat hoch.

Edward Snowden auf allen Kanälen: Vermeintliche Spionageaktionen von US-Diensten sorgen weiter für Schlagzeilen. Quelle: ap

Mithilfe von Analyseprogrammen lassen sich aus diesem Datenmeer Verhaltensmuster herauslesen – und Entscheidungen von Menschen und Unternehmen vorhersagen. Handyprovider etwa können anhand der Positionsdaten ihrer Kunden auf deren Hobbys, sozialen Status oder beruflichen Erfolg schließen.

Weil es so billig geworden ist, Daten abzufangen und zu analysieren, ist die Verlockung so groß, dies auch zu tun – auch für Geheimdienste: Großbritannien fängt offenbar in ungeahntem Ausmaß Internet-Daten von Unternehmen und Privatleuten ab – darunter E-Mails, Kurznachrichten und Telefonanrufe, auch aus Deutschland.

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Jeden Tag werden 600 Millionen Telefonverbindungen erfasst: Das britische Programm Tempora stellt die US-Datenkontrolle in den Schatten. Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger zeigt sich beunruhigt.

Netzwerkkabel in einem Serverraum Quelle: dpa

Mit großer Wahrscheinlichkeit gerät auch dieser Text in die Fangnetze des Tempora genannten Projekts der Briten. Um an die Daten zu gelangen, zapfen sie Untersee-Datenkabel an – die Schlagadern unserer Wissensgesellschaft, die Kontinente und Kulturen miteinander verbinden.

Eine dieser Adern heißt TAT-14. Sie transportiert Daten von Europa in die USA. Bevor sie in den Atlantik taucht, führt sie von Deutschland aber zunächst nach Bude im englischen Cornwall. Dort fangen die Schnüffler des britischen Geheimdienstes GCHQ laut der Tageszeitung „Guardian“ noch mehr Daten ab als ihre US-Kollegen im Rahmen des Spionageprojekts Prism. Ohne demokratische Kontrolle, ohne eine öffentliche Debatte und ohne begründeten Verdacht.

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