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Paid Content: Neue Technik soll Leser zum Zahlen bewegen

von Thomas Knüwer

Der Verkauf von Artikeln im Netz treibt die Verlage um. Ein Franzose hat ein besonders einfaches Modell entwickelt - eine Art digitale Parkuhr.

Nur wenige haben Lust eine Zeitung online zu abonnieren. Ein neues Modell soll Abhilfe schaffen Quelle: Martin Haake für WirtschaftsWoche
Nur wenige haben Lust eine Zeitung online zu abonnieren. Ein neues Modell soll Abhilfe schaffen Quelle: Martin Haake für WirtschaftsWoche

Nichts am Kopf von Emmanuel Valjavec ist außergewöhnlich. Nicht die dunkelblonde Kurzhaarfrisur, nicht die strahlenden Augen oder das einnehmende Lächeln. Und doch unterscheidet sich der Schädel des Franzosen in einem gewichtigen Punkt von den Häuptern deutscher Verlagsmanager: Er nutzt seine biologische Ergonomie. Denn Köpfe, sagte einst der französische Schriftsteller Francis Picabia, seien rund, damit das Denken die Richtung ändern könne. Diese Option hat Valjavecs Hirn ergriffen.

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Und so entstand ein Startup, das einer der hitzigsten Debatten der globalen Medienbranche eine neue Wendung geben könnte: der Frage, wie Verlage Leser dazu bringen könnten, online für Inhalte zu bezahlen. Valjavecs Lösung heißt Pennyread und wird seit Kurzem von der französischen Liedertexte-Seite Paroleparole getestet. Verwendet künftig eine Nachrichtenseite das System, überdeckt es Teile von Artikeln mit einem Feld, das den Preis für den jeweiligen Inhalt anzeigt. Unter dem Preis ist ein schlichtes "OK"-Feld zu sehen. Klickt der Leser darauf, verschwindet die Text-Blockade.

Niedrige Hemmschwelle

Und dann? Nichts. Einfach weiterlesen. Im Hintergrund speichert ein Cookie die Summe der bisher aufgelaufenen Bezahlinhalte. Pro Artikel werden bei Pennyread nur kleine Cent-Beträge fällig. Rechne man den Kaufpreis eines Magazins auf den einzelnen Artikel um, koste der ja auch nicht viel mehr, sagt Valjavec. Sind schließlich ein paar Euro erreicht, fällt die Bezahlschranke: Dann wird der Leser aufgefordert, ein Konto zu eröffnen und die aufgelaufenen Beträge zu bezahlen. Die Hemmschwelle, so der Plan, soll so niedrig wie möglich sein. "Der Nutzer darf sich nicht bedrängt fühlen", sagt Valjavec.

Vielleicht kann so nur einer denken, der vier Jahre als Astrophysiker bei der Nasa arbeitete, dann in der New Economy bei der Online-Drogerie Vitago und schließlich sieben Jahre bei McKinsey. Mit Medien hatte Valjavec bislang nur als Leser zu tun. Doch das Lesen, fand er, wurde ihm immer schwerer gemacht. Denn es fehlt an einem simplen Bezahlsystem. Da das Abkassieren von Cent-Beträgen bislang nicht wirtschaftlich ist, berechnen Verlage für Einzelartikel oft mehrere Euro. Zu den Preisen mag niemand kaufen; bleibt also nur das Digital-Abo.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 19.12.2012, 12:46 Uhrberg

    Wie soll das mit den Cookies funktionieren?
    Wie bei sehr vielen andere Surfern auch löscht mein Browser beim Schliessen aus Datenschutzgründen automatisch alle Cookies, eben auch mehrfach am Tage. Somit gehen diese Abrechnungsinformationen verloren.

    Ich glaube nicht, dass viele Menschen wegen eines solchen Abrechnungssystems ihr System umstellen werden - es geht ja auch nicht. Es können nur alle Cookies gelöscht werden - oder keines.

  • 18.12.2012, 21:48 Uhrwetbuster

    Also ich lösche meine Cookies regelmäßig viel Spass mit dieser Methode die einzige Methode die vielleicht klappen würde, wäre das ganze über den ISP bezahlen zu lassen. Dazu müssten aber auch alle ISP Betreiber diesen Betrag an die jeweiligen Unternehmen abgeben.

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