Produkttest: Die Sound-Revolution im Kopfhörer

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Produkttest: Die Sound-Revolution im Kopfhörer

Das Geschäft mit Kopfhörern brummt. Einige Hersteller versprechen auch beim Sound einen entscheidenden Fortschritt. Die Musik soll nicht mehr im Kopf spielen, sondern wie bei der Stereoanlage von vorne kommen. Was hinter den Konzepten steckt und wie die Geräte mit neuartiger Soundtechnik sich im Vergleich mit einem der besten Kopfhörer der Welt schlagen.

Jede Technik hat so etwas wie ihren eigenen Heiligen Gral. Bei Digicams wären das Bildsensoren, die auch in der Dunkelheit so gut sehen wie das menschliche Auge. Bei Fernsehern wäre das die realistische 3D-Darstellung ohne lästige 3D-Brille.

Auch für Kopfhörer gibt es so eine Vision. Sie hört auf den etwas sperrigen Namen Außer-Kopf-Lokalisation. Gemeint ist, dass die Musik so klingt, als käme sie aus Lautsprechern, die zwei oder drei Meter vor dem Hörer platziert sind. Zwar hat sich der Klang von Kopfhörern in den vergangenen Jahrzehnten enorm verbessert, und ein Hörer für 1000 Euro macht in Sachen Klangtreue und Feinzeichnung Lautsprechern Konkurrenz, die um ein Vielfaches teurer sind.

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Aber in diesem einen Punkt ist der Kopfhörer immer noch unterlegen. Die Musik spielt sich im Kopf ab und nicht davor. Kein Wunder, beim Kopfhörer wird das linke Ohr nur mit den Schallsignalen der linken Kopfhörermuschel gespeist und das rechte Ohr mit den Signalen der rechten Muschel. So bleibt die Musik zwischen den Ohren eingesperrt.

So boomt der Markt für Kopfhörer

  • Musik auf die Ohren

    Quelle: Gfu

  • 2010

    Verkauft: 8,9 Millionen Stück

    Umsatz: 187 Millionen Euro

  • 2011

    Verkauft: 9,9 Millionen Stück

    Umsatz: 235 Millionen Euro

  • 2012

    Verkauft: 11,1 Millionen Stück

    Umsatz: 306 Millionen Euro

  • 2013

    Verkauft: 11,1 Millionen Stück

    Umsatz: 327 Millionen Euro

  • 2014 (Prognose)

    Verkauft: 11,3 Millionen Stück

    Umsatz: 339 Millionen Euro

Musikhören über Lautsprecher

Ganz anders beim Musikhören über Lautsprecher. Da dringen nämlich nicht nur die Signale aus der linken oder rechten Box ans Ohr, sondern auch die Reflexionen aus dem Raum. Reflexionen von den Wänden, von der Decke oder sogar vom Boden.

Auch der Winkel und die Entfernung, in denen die Lautsprecher zum Hörer stehen, verändern akustische Parameter wie Laufzeiten (das Schallsignal trifft an einem Ohr etwas später oder früher ein als am anderen), Intensität und Frequenzgang der Schallsignale.

Das Gehirn registriert winzige Laufzeitdifferenzen von wenigen Mikrosekunden und nutzt diese für die Ortung der Schallquelle. Auf diese Weise verarbeitet das Gehör ein komplexes Geflecht unterschiedlichster Signale. Es kann so nicht nur links und rechts – wie beim Kopfhörer – sondern auch Entfernung und Position der Schallquelle erkennen. Aus all diesen Informationen entsteht in der Wahrnehmung der komplexe räumliche Klangeindruck.

Beim Kopfhörer ist das nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Zwar stellt sich bei sehr guten Geräte auch ein weiträumiger Klang ein. Wer die Augen schließt, glaubt eine Bühne mit den Musikern vor sich zu sehen. Trotzdem erklingt die Musik, da, wo sie eigentlich nicht hingehört, nämlich genau im Kopf.

Kopfhörer im Hörtest Akustikwunder oder Stereo-Flop?

Sie versprechen feinsten Hi-Fi-Klang und ein räumliches Musikerlebnis wie über Lautsprecher. Im Wiwo-Test müssen ein Kopfhörerverstärker und zwei Kopfhörer zeigen, wie gut ihnen das gelingt – und welche Qualitäten sie sonst noch zu bieten haben.

Beyerdynamic-KopfhoererT51i Quelle: Hersteller

Blütezeit der Kunstkopf-Stereophonie

Lange haben Audiospezialisten und Tüftler daran gearbeitet, dieses Manko zu beheben. Bisher mit eher geringem Erfolg. Eine Ausnahme stellt die sogenannte Kunstkopf-Stereophonie dar, die in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts eine kurze Blütezeit bei deutschen Radiosendern erlebte. Dabei sitzen zwei Mikrofone in einem dem menschlichen Schädel nachgebildeten Kopf, genauer gesagt, in dessen Gehörgang. Bei der Aufnahme, beispielsweise eines Hörspiels, empfangen die Mikrofone die Schallsignale, genauso, wie sie die Ohren des Menschen auch empfangen würden. So simpel die Idee, so verblüffend der Effekt. Beim Abhören eines Hörspiels über Kopfhörer entsteht tatsächlich die perfekte Illusion räumlichen Hörens. Bei Musikproduktionen ist der Einsatz der Kunstkopfstereophonie aber kaum praktikabel, und hat sich deshalb auch nicht etablieren können.

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