Quartalszahlen: Analysten rechnen mit Microsoft-Absturz

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Quartalszahlen: Analysten rechnen mit Microsoft-Absturz

von Meike Lorenzen

Nichts Gutes wird von den ersten Quartalszahlen 2013 des IT-Giganten erwartet. Chef Steve Ballmer muss sich langsam aber sicher etwas einfallen lassen, um den Sturzflug nach dem Windows 8-Release aufzuhalten.

 

Viel ist in letzter Zeit auf dem neuen Betriebssystem Windows 8 von Microsoft herumgehackt worden. Das Programm komme beim Kunden nicht an, gar für den stagnierenden PC-Markt wurde es zwischenzeitlich verantwortlich gemacht. Entsprechend gespannt schaut der Markt auf die Geschäftszahlen für das erste Quartal 2013, die in der Nacht zum Freitag vorgestellt werden.

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 “Ich erwarte große Verluste beim Profit, da der PC-Verkauf so stark eingebrochen ist”, sagt der amerikanische Analyst und Microsoft-Kenner Patrick Moorhead. Das Betriebssystem mache nach seinen Schätzungen immerhin 25 Prozent der Microsoftverkäufe und 40 Prozent des Gewinns aus. Und gerade Windows 8 habe einen großen Einfluss. “Ich vermute, dass 75 Prozent der Marktzulassungen Windows 8 und der Rest Windows 7 für mittlere und große Institutionen zugeschrieben werden können”, sagt Moorhead.

Die Versionen von Windows 8

  • Entwickelt für verschiedene Geräte

    Mit der neuen Windows-Version wird das Microsoft-Betriebssystem erstmals auch auf Geräten mit Chips auf Technologie des britischen Entwicklers ARM laufen. Sie dominieren heute in Smartphones und Tablets. Allerdings grenzt Microsoft die ARM-taugliche Version unter dem Namen Windows RT klar vom der klassischen PC-Variante Windows 8 ab. Zwischen ihnen gibt es einige Unterschiede. Mit den beiden eng verwandt ist das Smartphone-System Windows Phone 8.

  • Windows RT

    Windows RT ist für die stromsparenden ARM-Prozessoren ausgelegt. Man kann die Software nicht separat kaufen, sondern nur vorinstalliert auf einem neuen Gerät. Von der Bedienung her sehen die beiden Versionen mit ihrem Kachel-Design auf den ersten Blick ziemlich identisch aus. Die Differenzen werden erst sichtbar, wenn man in den Desktop-Modus wechselt, der an das gewohnte Windows-Design anlehnt. In diesem Bereich werden auf Windows RT keine Programme von anderen Anbietern laufen. Das Betriebssystem unterstützt nur Apps aus Microsofts Windows Store. Die RT-Version von Windows Office enthält zudem bisher kein Outlook-Mailprogramm.

  • Windows 8

    Das normale Windows 8 ist ein klassisches PC-Betriebssystem, das aber wegen der Touch-Oberfläche auch für Tablet-Computer mit der nötigen Prozessorleistung geeignet ist. Somit laufen auch klassische Windows-Programme wie Photoshop, Word oder Spiele auf dem System – anders als bei Windows 8 RT. Zudem gibt es eine Pro-Version, die einige Funktionen für Business-Kunden enthält.

  • Windows Phone 8

    Das Smartphone-Betriebssystem Windows Phone 8 verwendet ebenfalls das Kachel-Design, das schon beim Vorgänger Windows Phone 7 seine Premiere hatte. Es ist mit den anderen neuen Windows-Versionen verwandt, aber konsequent auf die kleineren Handy-Bildschirme zugeschnitten. Ein Sahnehäubchen sind die eingebauten Nokia-Kartendienste. Sie bieten neben Navigation auch die neue Funktion CityLens, bei der Informationen zum aktuellen Aufenthaltsort in den Bildschirm eingeblendet werden, wenn man die Kamera auf einen Straßenzug richtet.

Als Hauptgrund für das schwache Auftreten von Microsoft in letzter Zeit wird unter nahezu allen Experten das neue Betriebssystem Windows 8 verantwortlich gemacht, mit dem der IT-Gigant den Spagat zwischen stationärem PC und mobilen Endgeräten schaffen will. Zu lange habe Microsoft Geräte unterschätzt, die rein über die Touchfunktion bedient werden, heißt es in der Branche. Die Konkurrenten Apple und Google haben hier mit iOS und Android einen großen Vorsprung, der sich kaum noch aufholen lässt. Denn der späte Einstieg in den Markt hat konkrete Folgen für potentielle Käufer. Das App-Angebot bei Microsoft ist nach wie vor spärlich. „Schlüssel-Apps wie zum Beispiel Facebook fehlen immer noch“, sagt Moorhead. Gleichzeitig kommen die Kacheloberfläche und vor allem der fehlende Startbutton bei den Kunden nicht an.

Nun versucht der IT-Gigant, der den Markt für Software mit dem Betriebssystem Windows 95 einst reformiert hatte, nachzujustieren. Außerdem wabern Gerüchte über den Windows-Nachfolger „Blue“ durch das Netz, nach denen angeblich der Startbutton wieder eingeführt werden soll. Genaueres ist hier allerdings noch nicht bekannt. Angeblich soll im Juni eine Beta-Version veröffentlicht werden, die dann Aufschlüsse gibt. Mit einem neuen Betriebssystem wird im August gerechnet. Dass Microsoft grundsätzlich jedoch an der Kacheloptik festhalten wird, davon ist auszugehen. Bei den aktuellen positiven Absatzzahlen für Tablets und dem stagnierenden PC-Markt rechnet niemand mit einer Trendwende. 2012 sind in Deutschland etwa 3,2 Millionen mobile Geräte verkauft worden. Das entspricht einem Anstieg von 52 Prozent verglichen mit 2011, als der Absatz etwa 2,1 Millionen Geräte betrug. Die Umsätze mit Notebooks waren hingegen mit einem Minus von 2,2 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro leicht rückläufig. Der Umsatz mit Desktops-PCs stagnierte mit einem Minus von 0,7 Prozent im Vergleich zu 2011.

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Besorgt dürfte vor allem Microsoft-Chef Steve Ballmer die aktuellen Zahlen beäugen. Viel steht für ihn auf dem Spiel. Obwohl Bill Gates seinem Nachfolger auf dem Microsoft-Chefposten weiterhin den Rücken freihält, werden sie Stimmen im Silicon Valley lauter, Ballmer sei nicht in der Lage Microsoft auch in die mobile Welt zu führen. Immer wieder wird sein Führungsstil kritisiert. „Ich denke, dass man Ballmer anhand des Weihnachtsgeschäfts 2013 bewerten wird“, vermutet Moorhead. „Sollte es nicht sehr gut ausfallen, werden die Investoren seinen Kopf fordern.“

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