Schaltsekunde: Diese Nacht wird eine Sekunde länger

Schaltsekunde: Diese Nacht wird eine Sekunde länger

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Der Sand einer Sanduhr rinnt durch das Glas. In der Nacht zum 1. Juli wird eine Schaltsekunde eingefügt.

Die Nacht auf Mittwoch wird buchstäblich einen Tick länger sein: Heute Nacht wird eine sogenannte Schaltsekunde eingefügt. Für Computersysteme könnte das zum Problem werden. Was es mit der Schaltsekunde auf sich hat.

Die Nacht auf Mittwoch (1.7.) ist eine Sekunde länger als gewöhnliche Nächte. Die Hüter der Zeit fügen eine sogenannte Schaltsekunde ein. Während die allermeisten Menschen das kaum merken werden, müssen bestimmte Unternehmen die extra Sekunde sehr exakt in ihren Systemen berücksichtigen.

Für das Einfügen der Schaltsekunde ist hierzulande die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig zuständig. Der Vorgang ist relativ einfach, die Gründe etwas komplizierter. Um 01:59:59 schiebt die PTB in die gesetzliche Zeit, die über Langwelle an Funkuhren übermittelt, aber auch über Telefon und das Internet verbreitet wird, eine Sekunde ein. Auf 1:59:59 Uhr folge nicht wie sonst 2:00:00 Uhr, sondern 1:59:60 Uhr und dann erst 2:00:00 Uhr, erklärt Andreas Bauch vom Zeitlabor der PTB.

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Warum ist das notwendig? Zeit ist nicht gleich Zeit. Ein Tag - also eine Erdumdrehung um die eigene Achse - hat laut Weltzeit 86400 Atomsekunden. So ganz stimmt das aber nicht. Die Erde braucht ein ganz klein bisschen länger. Anders ausgedrückt: „Die Atomsekunde ist zu kurz“, sagt Bauch.

Wissenswertes zur Schaltsekunde

  • Was ist eine Schaltsekunde?

    Durch eine Schaltsekunde werden alle paar Jahre zwei Zeitmessungen in Übereinstimmung gebracht: die immer gleich schnell tickende Zeit der Atomuhren und die am Stand der Sonne gemessene astronomische Zeit. Sie verändert sich, weil die Erdkugel nicht völlig gleichmäßig um ihre Achse rotiert: Sie wird langsamer, schwingt und eiert. Ausgelöst wird das durch die Anziehungskraft des Mondes oder durch Hoch- und Tiefdruckgebiete beim Wetter.

    Am 1. Juli 2015 ist daher um 01:59:59 Zeitumstellung: Das Jahr 2015 wird um eine Sekunde verlängert. Dazu wird die 60. Sekunde ein zweites Mal eingefügt.

  • Macht das Probleme?

    Bei der Umstellung könnte es durchaus Probleme geben: Während die meisten Uhren den Sprung bewältigen werden, kommt so manche Software mit einer zweiten 60. Sekunde nicht gut klar. Bei der Schaltsekunde 2012 wurden mehrere Websites lahmgelegt, das Buchungssystem der australischen Fluggesellschaft Qantas fiel zeitweise aus.

  • Was würde ohne Schaltsekunde passieren?

    Ohne die Schaltsekunden passieren würde in ein paar Millionen Jahren die Sonne nicht mehr morgens, sondern mittags aufgehen.

Der Grund: Die Atomsekunde beruht auf der Drehgeschwindigkeit der Erde von etwa 1820. Seitdem sei der Blaue Planet aber aus komplizierten Gründen ein ganz klein bisschen langsamer geworden, erklärt Bauch. Die Atomsekunde wurde aber nicht verlängert. Die Folge: Die Weltzeit würde immer mehr von dem gewohnten Tag-Nacht-Rhythmus abweichen. Um das zu verhindern, wird alle paar Jahre ein Tag um eine Sekunde verlängert.

Besitzer von Funkuhren können die zusätzliche Sekunde am frühen Mittwochmorgen aber nicht sehen. „Nicht davor setzen, das lohnt sich nicht. Da wird man nur enttäuscht“, warnt Bauch. Normale Funkuhren passen sich der neuen Uhrzeit erst in den Stunden nach der Mini-Zeitumstellung an.

Anders ist das bei bestimmten Konzernen, wie beispielsweise Telekommunikationsunternehmen, die ihre Angebote sekundengenau abrechnen müssen. Oder Betreiber von Hochspannungsnetzen, die im Mikrosekundenbereich arbeiten. Sie übernehmen die Schaltsekunde praktisch in Echtzeit. Einige System können damit auch überfordert sein. Bei der Schaltsekunde 2012 wurden mehrere Websites lahmgelegt, das Buchungssystem der Fluggesellschaft Qantas fiel zeitweise aus.

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