Mit Apples Gesichtserkennung demaskieren wir uns selbst

kolumneSchlusswort: Mit Apples Gesichtserkennung demaskieren wir uns selbst

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Apples Vice President of Worldwide Marketing, Phil Schiller, präsentiert die neue Gesichtserkennung im iPhone X.

Kolumne von Miriam Meckel

Menschen lesen: Mit der Gesichtserkennung im neuen iPhone von Apple beginnt eine neue Zeit. Let’s face it.

Ein Telefon für die Reichen, das war der erste Vorwurf an Apple. Noch bevor das Unternehmen sein neues Smartphone am Dienstag vorgestellt hatte, schien Kritikern eine neue ökonomische Spaltung am Horizont auf. Natürlich sind 1000 Dollar für ein Telefon happig. Aber niemand ist gezwungen, das Gerät zu kaufen. Es gibt genug billigere Telefone, auch von Apple.

Der eigentliche Hebel der Veränderung ist nicht der Preis. Es ist die Gesichtserkennung, mit der man das neue iPhone X entsperren kann. Wie praktisch. Einfach einen Blick aufs Telefon werfen, und schon ist es einsatzbereit. Das macht es in der Tat einfach, vor allem für diejenigen, die schon seit Jahren auf die totale Lesbarkeit des Menschen setzen. Ein Gesicht offenbart mehr als ein Passwort. Gesichter sind einmalig und unverwechselbar. Sie sind damit perfekt geeignet, eine Gesellschaft sozial und ökonomisch zu kartografieren. Kein Wunder, dass besonders in Russland und China seit Längerem mit der Gesichtserkennung gearbeitet wird.

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Gesichter senden Signale über die Gefühlslage eines Menschen. Sie signalisieren, wann jemand bereit ist, sich etwas Gutes zu tun, zum Beispiel durch den Kauf eines teuren Produkts. An Gesichtern lässt sich verlässlich ablesen, ob jemand an einer seltenen genetischen Krankheit leidet. Und, wie eine aktuelle Studie der Stanford University beweist, anhand von Gesichtern kann ein Algorithmus mit 91-prozentiger Genauigkeit berechnen, ob ein Mann homosexuell ist. Diese Möglichkeiten werden dafür sorgen, dass der Mensch sich weiter demaskiert.

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Das iPhone X Quelle: dpa

Wenn die Gesichtserkennung sich durchsetzt, treten wir ins transaktionale Zeitalter ein. Wir werden in jedem Moment den Zustand eines Menschen kennen, um passgenau auf ihn zu reagieren. An die Stelle von Vertrauen, Risikoabschätzung und gemeinsam entwickelten Zielen tritt die Analyse des Gegenüber in Echtzeit. Ganz konkret heißt das: Wer demnächst in einer Verhandlung sitzt und ein Pokerface aufsetzt, kann nicht mehr darauf vertrauen, dass er damit durchkommt. Wie eine Studie der Universität Cambridge zeigt, ist es ist längst gelungen, auch die Gesichter maskierter Menschen zu identifizieren.

So weit sind wir noch nicht. Die europäischen Datenschutzbestimmungen verbieten es, Personen ohne deren Einwilligung per Gesichtserkennung zu identifizieren. Deshalb hat Facebook sein Tagging vor einigen Jahren für Europa gesperrt. Auch bei Google Photos ist die Gesichtserkennung nicht nutzbar. Wenn Apple diese Technologie nun in sein neuestes iPhone einbaut, wird das Folgen haben. Das Telefon war bei vielem Katalysator für Fortschritt und seine gesellschaftliche Akzeptanz. Und die Bequemlichkeit, die auch Nutzer überzeugen wird, mit einem Blick aufs Telefon loslegen zu können, wird ihr Übriges tun. Die kaufkräftigen Nutzer, die 1000 Dollar für ein Telefon zahlen können, sind dabei für Apple natürlich ganz besonders interessant. Let’s face it.

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