Serie Wirtschaftswelten 2025: Die digitale Leichtigkeit des Seins

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Serie Wirtschaftswelten 2025: Die digitale Leichtigkeit des Seins

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Wie werden sich die Fähigkeiten der Maschinen in Zukunft entwickeln?

von Miriam Meckel

Mensch und Computer wachsen zusammen, intelligente Maschinen übernehmen Arbeit und Alltag. Aber was bleibt von uns, wenn Maschinen klüger sind als wir?

Es muss etwas unglaublich Leichtes sein, das uns Menschen so besonders macht – unwiegbar und unwägbar. Etwas, das jenseits unseres Körpergewichts liegt und Beweis für den menschlichen Mehrwert ist, auch in Zeiten von Digitalisierung und virtuellen Welten.

Im Jahre 1901 hat der amerikanische Arzt Duncan MacDougall mit diesem Jenseitigen experimentiert. Dazu stellte er das Bett von sechs schwer erkrankten Patienten auf vier Waagen und maß, wie sich das Gewicht im Augenblick des Todes veränderte.

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Einer der Patienten war nach seinem Tod leichter als vorher – um 21 Gramm. Seitdem hält sich die Mär, die menschliche Seele wiege 21 Gramm – ein leichtgewichtiges Schwergewicht.

Serie "Wirtschaftswelten 2025"

  • Zur Serie

    Nichts wird bleiben, wie es ist. Das Internet verändert unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft, das ganze Leben. Datenanalyse ersetzt Bauchgefühl (Big Data), Brillen sprechen mit Autos (Internet der Dinge). Unternehmen müssen sich neu erfinden, Märkte bilden sich neu (informationsökonomische Revolution). Was bedeutet das für Arbeit, Mobilität, Geld, medizinische Versorgung? Und was wird aus uns? In der Kurztextgalerie finden Sie alle im Rahmen der Serie erschienenen Artikel.

  • Künstliche Intelligenz: Genies vom Fließband

    Lange waren denkende Computer nur Science-Fiction. Nun aber beantworten die smarten Maschinen schon E-Mails, planen unseren Urlaub und arbeiten als Dolmetscher. Bald sind sie klüger als wir - und können jeden Job übernehmen. Hier geht es zum Artikel.

  • Deutschland fehlt die Vision einer digitalen Gesellschaft

    Viele Menschen fürchten, im Zuge der Digitalisierung von Maschinen ersetzt zu werden. Doch diese Angst trübt den Blick für die Vorteile neuer Technologien, schreibt Gesche Joost.

  • Die Maschinen holen uns ein

    Maschinen lernen aus Daten, und zwar sehr schnell. Wie gut, dass wir ihnen etwas Entscheidendes voraushaben, meint Viktor Mayer-Schönberger.

  • Roboter übernehmen das Steuer

    Intelligente Roboter-Autos chauffieren uns schon in wenigen Jahren durch die Städte – und machen dabei auch den eigenen Wagen überflüssig, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Jürgen Rees.

  • Technologie muss eingeschränkt werden

    Künstliche Intelligenz zu verbieten, ist sinnlos. Doch wenn sie nicht eingeschränkt wird, wird sie uns nicht nur gewaltige Vorteile bringen - sondern auch gewaltige Nachteile, schreibt Gary Marcus.

  • Maschinen werden keine Revolten anzetteln

    Intelligente Maschinen werden die Arbeitswelt verändern. Es könnte zu Revolten kommen. Aber nicht durch die Maschinen - sondern durch jene Menschen, die von den Maschinen ersetzt wurden, warnt Patrick Ehlen.

  • Werden uns Roboter töten?

    Wir werden auch in Zukunft die Kontrolle über Maschinen behalten – falls wir uns klug und menschlich verhalten. Das ist möglich. Aber keinesfalls sicher, schreibt David Gelernter.

  • Wahre künstliche Intelligenz wird alles ändern

    Ist das Ende 40.000-jähriger, durch den Homo sapiens sapiens dominierter Geschichte in Sicht? Selbstlernende künstliche neuronale Netze erledigen manche Aufgabe schon heute besser als Menschen.

  • Mensch und Maschine wachsen zusammen

    Wichtige ethische Fragen sind bislang nicht nur unbeantwortet. Sie sind nicht einmal gestellt, mahnt Bernhard Rohleder.

  • Revolution der Maschinen

    Die Maschinen nähern sich einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Als speicherprogrammierte Rechner die ersten Befehle ausführen konnten, begannen die Maschinen die Kontrolle zu übernehmen, schreibt George Dyson.

  • Roboter werden zu Gefährten und Kollegen

    Roboter könnten uns eines Tages als Arbeitskollegen oder Gefährten unterstützen, glaubt der Wissenschaftler Guy Hoffman. Aber wie viel Kontrolle wollen wir den Maschinen überlassen?

  • Wie in Zukunft Krieg geführt wird

    Globale Vernetzung und immer billigere Waffen machen Kriege erschwinglich für alle. Wie sich Kriegsführung und -abwehr verändern, beschreibt das fiktive Protokoll einer Attacke aus dem Jahr 2025.

  • So erlebt ein Joghurt die Industrie 4.0

    Maschinen entscheiden, Werkstücke erteilen Befehle: Die digitale Fabrik verspricht die Annäherung an das Extrem einer Produktion ohne den Menschen. Die deutschen Unternehmen müssen aufpassen, dass die USA nicht vor ihnen in der Zukunft ankommen. Lesen Sie hier wie es um die Industrie 4.0 in Deutschland steht.

So makaber diese Anekdote aus heutiger Sicht scheint, sie ist ein Anhaltspunkt dafür, dass wir die Rolle des Menschen und seine Existenzformen im digitalen Zeitalter neu ausloten müssen.

Da ist einmal der Gedanke, der menschliche Geist oder seine Seele könne sich als „Unique Selling Proposition“, als menschlicher Mehrwert ins Digitale hinüberretten, ja, in der Welt des Internet gar neue Siegeszüge antreten. Die Idee, das Internet verbinde den Verstand aller Menschen zu einem Netz, das sich wie ein weiter Mantel um den Globus legt, geht schon auf das vorige Jahrhundert, auf den französischen Jesuiten Pierre Teilhard de Chardin und seine „Noosphäre“ zurück.

Globales neuronales Netzwerk

Inzwischen stehen die Zeichen für ein globales neuronales Netzwerk seit einiger Zeit auf Grün. Über Gehirnimplantate gelingt es, querschnittsgelähmten Menschen einen Teil ihrer körperlichen Selbstbestimmung zurückzugeben. Sie steuern mit ihren Gedanken einen Roboterarm, der zur Trinkflasche oder zum Sandwich greifen kann. Schon über wenige Hirnelektroden lässt sich ein Text auf den Bildschirm denken.

Ein Team von Wissenschaftlern aus den USA, Brasilien und China hat sogar zwei Ratten über ins Rattenhirn implantierte Mikroelektroden verbunden und die neuronalen Informationen via Internet übertragen. Die Lernerfolge der einen Ratte, ihr Aktivitätsmuster auf der Suche nach Trinkbelohnung, konnten ins Gehirn der anderen Ratte übertragen werden.

Wissenschaftler an der Universität Washington haben bewiesen, dass Computerspieler miteinander alleine über Hirnströme kommunizieren können. Wenn der eine Spieler „feuern!“ denkt, drückt der andere Spieler die entsprechende Taste. Es scheint also nicht mehr ausgeschlossen, dass wir irgendwann in Zukunft Informationen im Gehirn anderer Menschen googeln können.

Die Entwicklungsstufen Künstlicher Intelligenz

  • 1950 - Alan Turing

    Der britische Informatiker entwickelt den nach ihm benannten Test. Er soll ermitteln, ob eine Maschine denken kann wie ein Mensch. Ein russischer Chat-Roboter soll ihn 2014 erstmals bestanden haben.

  • 1956 - Dartmouth-Konferenz

    Experten einigen sich auf den Begriff "Künstliche Intelligenz". Der Rechner IBM 702 dient ersten Forschungen.

  • 1974 - Erster KI-Winter

    Katerstimmung bei den Forschern: Die Fortschritte bleiben hinter den Erwartungen zurück. Computer sind zu langsam, ihre Speicher zu klein, um die Daten von Bildern oder Tönen zu verarbeiten. Budgets werden gestrichen, erst ab 1980 geht es wieder voran.

  • 1997 - Deep Blue

    Der Supercomputer von IBM siegt im Schachduell gegen Weltmeister Garry Kasparov. Die Maschine bewertete 200 Millionen Positionen pro Sekunde. 2011 siegt IBMs Software Watson in der Quizsendung "Jeopardy".

  • 2005 - Ray Kurzweil

    Der KI-Forscher sagt in einem Buch für das Jahr 2045 den Moment der "Singularität" voraus: Die Rechenleistung aller Computer erreicht die aller menschlichen Gehirne. Seit 2012 arbeitet Kurzweil für Google an KI-Systemen.

  • 2014 - KI-Boom

    Ein Google-Programm beschreibt präzise in ganzen Sätzen, was auf Fotos zu sehen ist. Nahrungsmittelkonzern Nestlé kündigt an, 1000 sprechende Roboter namens Pepper in seinen Kaffeeläden in Japan als Verkäufer einzusetzen. Physiker Stephen Hawking warnt: KI könne eines Tages superschlau werden – und die Menschheit vernichten.

  • 2045 - Roboter-Revolution

    Computer sind schlau wie Menschen – und machen sogar Witze. Fabriken, Verkehr und Landwirtschaft sind nahezu komplett automatisiert.

Vielleicht geht es also um mehr als die 21 Gramm, das Gewicht unserer Seele, das längst als pseudowissenschaftliche Mär entlarvt ist. Vielleicht geht es um den Menschen als kategorisches Wesen, der doch nicht die Ausnahmeerscheinung ist, für die er sich gerne hält.

Vielleicht ist der Mensch nur das Ensemble neuronaler und physiologischer Prozesse, die der Entscheidungsanalyse und Verhaltensprognose viel leichter zugänglich sind, als wir bislang angenommen haben. Digitalisierung und Vernetzung werden aus dem menschlichen Geist dann keine „Noosphäre“ schaffen, sondern ein Big-Data-Archiv, aus dem sich Konsumforscher, Innovationsökonomen und Softwaredesigner nach Belieben bedienen.

„Software frisst die Welt“, hat Marc Andreessen, der einstige Mitbegründer von Netscape und Venture Capitalist 2011, in einem Beitrag für das „Wall Street Journal“ geschrieben. Damit hatte er recht.

Kreative Zerstörung

Inzwischen sind immer mehr Industrien zu Teilen der Software- oder E-Commerce-Branche geworden: Amazon hat die Buch- und Verlagsbranche digitalisiert, Netflix TV und Video, Skype die Telefonie, LinkedIn die Personalrekrutierung, die Deutsche Börse ist ein IT-Unternehmen.

Einzelhandelskonzerne steuern ihre Logistik und ihren Vertrieb über Software ebenso wie die Energiebranche, und spätestens mit dem Einzug der Drohnen lebt auch das Verteidigungswesen von Netzwerk- und Digitalkompetenz.

Viele dieser Entwicklungen sind Beispiele für kreative Zerstörung oder „disruptive innovation“, wie sie der US-amerikanische Ökonom Clayton Christensen bezeichnet.

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