Serie Wirtschaftswelten 2025: Maschinen werden keine Revolten anzetteln

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GastbeitragSerie Wirtschaftswelten 2025: Maschinen werden keine Revolten anzetteln

Intelligente Maschinen verändern die Arbeitswelt. Falls die Politik nicht reagiert, wird es zu Revolten kommen. Aber nicht durch die Maschinen - sondern durch jene Menschen, die von den Maschinen ersetzt wurden.

Wenn wir Maschinen bauen, die intelligenter sind als wir selbst - werden diese Maschinen dann eines Tages rebellieren und uns auslöschen? Ich ziehe es vor, diese Frage zu verneinen - unter anderem aus einem einfachen Grund: Sollte ich falsch liegen, wird es niemanden mehr geben, der es mir mitteilt.

Aber Fakt ist: Es ist eine typisch menschliche Angst, dass wir auf der Suche nach verbotenem Wissen eine Art Mephisto erschaffen könnten, der uns eines Tages zum Verhängnis wird. 

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Seitdem der tschechische Schriftsteller Karel Čapek erstmals das Wort Roboter einer verängstigten Öffentlichkeit vorstellte, spielen sich in unserer Fantasie diese Horrorszenarien ab, in denen die Technologie eines Tages Amok läuft.

Über den Autor (Ehlen)

  • Patrick Ehlen

    Patrick Ehlen leitet seit Mitte 2014 die Entwicklung von Deep-Learning-Software beim KI-Start-up Loop AI Labs in San Francisco. Die Kalifornier entwickeln Software, die spontan ein Profil von beliebigen Personen zusammenstellt. Unternehmen sollen damit beispielsweise ihre Kunden besser verstehen. Zuvor arbeitete Ehlen vier Jahre lang als KI-Forscher beim US-Telekommunikationsanbieter AT&T. Dort leitete er das inzwischen eingestellte Spracheingabe-Forschungsprojekt Speak4it. Bis 2008 arbeitete er als Wissenschaftler am Center for the Study of Language and Information der renommierten Stanford-Universität in Kalifornien.

Schon im Jahr 1940 hatte der junge Autor Isaac Asimov offenbar zu viele solcher Märchen gelesen und gehört. Deshalb wollte er etwas gegen diese Befürchtung unternehmen. Also verbreitete er stattdessen die Ansicht, dass sich Maschinen anders entwickeln. Maschinen, so seine Annahme, würden schon nicht von skrupellosen Verrückten erschaffen, die ohne nachzudenken eine mächtige und unvorhersehbare Macht erschaffen.

Vielmehr würden sie von Ingenieuren gebaut. Diese peniblen Buchhalter der Technik, die seit Menschengedenken komplizierte Dinge erbauen. Brücken, die nicht in sich zusammenfallen. Oder Flugzeuge, die nicht vom Himmel fallen (meistens jedenfalls).

Die Robotergesetze

Asimov malte sich eine Zukunft aus, in der ebenjene Intelligenz der Maschinen verhindert, dass sie sich eines Tages gegen uns wenden. So entstanden die berühmten Robotergesetze, die heute auch als Asimov’sche Gesetze bekannt sind.

Serie "Wirtschaftswelten 2025"

  • Zur Serie

    Nichts wird bleiben, wie es ist. Das Internet verändert unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft, das ganze Leben. Datenanalyse ersetzt Bauchgefühl (Big Data), Brillen sprechen mit Autos (Internet der Dinge). Unternehmen müssen sich neu erfinden, Märkte bilden sich neu (informationsökonomische Revolution). Was bedeutet das für Arbeit, Mobilität, Geld, medizinische Versorgung? Und was wird aus uns? In der Kurztextgalerie finden Sie alle im Rahmen der Serie erschienenen Artikel.

  • Künstliche Intelligenz: Genies vom Fließband

    Lange waren denkende Computer nur Science-Fiction. Nun aber beantworten die smarten Maschinen schon E-Mails, planen unseren Urlaub und arbeiten als Dolmetscher. Bald sind sie klüger als wir - und können jeden Job übernehmen. Hier geht es zum Artikel.

  • Deutschland fehlt die Vision einer digitalen Gesellschaft

    Viele Menschen fürchten, im Zuge der Digitalisierung von Maschinen ersetzt zu werden. Doch diese Angst trübt den Blick für die Vorteile neuer Technologien, schreibt Gesche Joost.

  • Die Maschinen holen uns ein

    Maschinen lernen aus Daten, und zwar sehr schnell. Wie gut, dass wir ihnen etwas Entscheidendes voraushaben, meint Viktor Mayer-Schönberger.

  • Roboter übernehmen das Steuer

    Intelligente Roboter-Autos chauffieren uns schon in wenigen Jahren durch die Städte – und machen dabei auch den eigenen Wagen überflüssig, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Jürgen Rees.

  • Technologie muss eingeschränkt werden

    Künstliche Intelligenz zu verbieten, ist sinnlos. Doch wenn sie nicht eingeschränkt wird, wird sie uns nicht nur gewaltige Vorteile bringen - sondern auch gewaltige Nachteile, schreibt Gary Marcus.

  • Maschinen werden keine Revolten anzetteln

    Intelligente Maschinen werden die Arbeitswelt verändern. Es könnte zu Revolten kommen. Aber nicht durch die Maschinen - sondern durch jene Menschen, die von den Maschinen ersetzt wurden, warnt Patrick Ehlen.

  • Werden uns Roboter töten?

    Wir werden auch in Zukunft die Kontrolle über Maschinen behalten – falls wir uns klug und menschlich verhalten. Das ist möglich. Aber keinesfalls sicher, schreibt David Gelernter.

  • Wahre künstliche Intelligenz wird alles ändern

    Ist das Ende 40.000-jähriger, durch den Homo sapiens sapiens dominierter Geschichte in Sicht? Selbstlernende künstliche neuronale Netze erledigen manche Aufgabe schon heute besser als Menschen.

  • Mensch und Maschine wachsen zusammen

    Wichtige ethische Fragen sind bislang nicht nur unbeantwortet. Sie sind nicht einmal gestellt, mahnt Bernhard Rohleder.

  • Revolution der Maschinen

    Die Maschinen nähern sich einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Als speicherprogrammierte Rechner die ersten Befehle ausführen konnten, begannen die Maschinen die Kontrolle zu übernehmen, schreibt George Dyson.

  • Roboter werden zu Gefährten und Kollegen

    Roboter könnten uns eines Tages als Arbeitskollegen oder Gefährten unterstützen, glaubt der Wissenschaftler Guy Hoffman. Aber wie viel Kontrolle wollen wir den Maschinen überlassen?

  • Wie in Zukunft Krieg geführt wird

    Globale Vernetzung und immer billigere Waffen machen Kriege erschwinglich für alle. Wie sich Kriegsführung und -abwehr verändern, beschreibt das fiktive Protokoll einer Attacke aus dem Jahr 2025.

  • So erlebt ein Joghurt die Industrie 4.0

    Maschinen entscheiden, Werkstücke erteilen Befehle: Die digitale Fabrik verspricht die Annäherung an das Extrem einer Produktion ohne den Menschen. Die deutschen Unternehmen müssen aufpassen, dass die USA nicht vor ihnen in der Zukunft ankommen. Lesen Sie hier wie es um die Industrie 4.0 in Deutschland steht.

Deren Essenz: Roboter sollen keinen Menschen verletzen, Befehlen gehorchen (solange sie keinen Menschen verletzen) und sich selbst beschützen (solange sie keinen Menschen verletzen).

Zugegeben, das ist nur Fiktion. Doch ich stimme Asimov zu. Was Maschinen angeht, werden es Ingenieure schon richten - das tun sie heute schon. Sie arbeiten gewissenhaft daran, Ethik und Privatsphäre zu beachten, bevor die Dinge außer Kontrolle geraten.

Viel größere Sorgen bereitet mir der Rest der Menschen. Im vergangenen Jahrhundert sorgten zum Beispiel moderne Traktoren für erhebliche Verwerfungen in der Landwirtschaft und trafen viele Arbeiter unvorbereitet. Genauso werden intelligente Maschinen massive ökonomische Verwerfungen nach sich ziehen.

weitere Artikel

Auf eben diesen Dämonen müssen wir uns vorbereiten. Und genau das kann nur mit einer neuen Sozialpolitik gelingen. Eine Politik, die die ständige Weiterbildung der Angestellten in den Vordergrund stellt - damit diese auf die ständig wechselnden Herausforderungen der Arbeitswelt eingestellt sind.

Gelingt das nicht, könnte es durchaus zu Revolten kommen. Aber Maschinen werden diese Revolten nicht anzetteln - sondern jene Menschen, die von Maschinen ersetzt wurden.

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