Serie Wirtschaftswelten 2025: Roboter werden zu Gefährten und Kollegen

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Serie Wirtschaftswelten 2025: Roboter werden zu Gefährten und Kollegen

Roboter könnten uns eines Tages als Arbeitskollegen oder Gefährten unterstützen. Aber wie viel Kontrolle wollen wir den Maschinen überlassen? Diese Frage sollten wir uns dringend beantworten.

Behält der Mensch die Kontrolle über Maschinen? Schon die Formulierung der Frage stört mich. Denn es geht nicht um ja oder nein, schwarz oder weiß, ganz oder gar nicht. Wir müssen von Fall zu Fall entscheiden, wann wir die Kontrolle abgeben wollen – und wenn ja, in welchem Maß.

Außerdem mag ich die Formulierung „Mensch gegen Maschine“ nicht besonders. Mir geht es stattdessen eher um die Frage, wie Menschen und Maschinen künftig zusammenarbeiten, nicht gegeneinander. Deshalb widme ich mich am IDC Media Innovation Lab in Herzliya, wie sich Teamwork und Gemeinschaft zwischen Menschen und Robotern entwickelt.

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Dabei geht es häufig um das berufliche Umfeld. Ein Fabrikarbeiter könnte zum Beispiel künftig Schulter an Schulter mit einem Roboter arbeiten, um Teile herzustellen oder zu montieren; eine Krankenschwester könnte in einem Krankenhaus Roboter dabei überwachen, wie sie Medikamente liefern; ein Lehrer könnte mit einem Roboter-Assistenten Schüler unterstützen; ein Büroangestellter könnte mit einem Roboter interagieren, der Botendienste erledigt oder Besprechungen organisiert.

Zur Person

  • Guy Hoffman

    Guy Hoffman ist Assistenzprofessor an der School of Communication in Herzliya und Co-Direktor des dortigen Media Innovation Lab. Zuvor forschte er unter anderem am Massachusetts Institute of Technology. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Zusammenarbeit von Mensch und Robotern.

Außerdem malen wir uns am Institut Roboter auch als Weggefährten aus, die mit Menschen zusammenleben. Auch hier sind die Anwendungen vielfältig. Roboter könnten bei der Hausarbeit helfen, kochen oder putzen. Sie könnten uns unterhalten oder dazu ermutigen, Sport zu machen. Sie könnten uns bei Hobbys assistieren, mit uns tischlern und Schmuck herstellen. Oder sie könnten Kinder bei den Hausaufgaben oder beim Musizieren unterstützen.

Egal ob im Beruf oder im Privatleben – in beiden Fällen lassen wir uns als Wissenschaftler von der Aussicht treiben, dass Roboter mit Menschen eines Tages langfristige, enge und persönliche Bindungen eingehen. Dieses Forschungsgebiet nennen wir Mensch-Roboter-Interaktion.

Ich persönlich finde einen Aspekt besonders spannend: Welche Rolle spielen bei den Beziehungen zwischen Menschen und Robotern Faktoren wie das Timing oder die Körpersprache?

Mitgefühl und Empathie

In zahlreichen meiner Experimente ist das Ergebnis immer gleich: Die meisten Menschen ziehen es vor, dass der Roboter ihre Wünsche vorausahnt und seiner Zeit gewissermaßen voraus ist – selbst wenn das bedeutet, dass der Roboter mehr Fehler macht, weil er versucht hat, die Handlung des Menschen zu erraten.

Außerdem glaube ich, dass der Faktor Improvisation eine wichtige Rolle spielt. Meiner Forschung zufolge könnten Menschen einen Roboter als intelligenter, engagierter und effektiver wahrnehmen, wenn er auch mal etwas riskiert. Oder konkret: wenn er sich weniger kontrolliert und mehr improvisiert.

Serie "Wirtschaftswelten 2025"

  • Zur Serie

    Nichts wird bleiben, wie es ist. Das Internet verändert unsere Wirtschaft, unsere Gesellschaft, das ganze Leben. Datenanalyse ersetzt Bauchgefühl (Big Data), Brillen sprechen mit Autos (Internet der Dinge). Unternehmen müssen sich neu erfinden, Märkte bilden sich neu (informationsökonomische Revolution). Was bedeutet das für Arbeit, Mobilität, Geld, medizinische Versorgung? Und was wird aus uns? In der Kurztextgalerie finden Sie alle im Rahmen der Serie erschienenen Artikel.

  • Künstliche Intelligenz: Genies vom Fließband

    Lange waren denkende Computer nur Science-Fiction. Nun aber beantworten die smarten Maschinen schon E-Mails, planen unseren Urlaub und arbeiten als Dolmetscher. Bald sind sie klüger als wir - und können jeden Job übernehmen. Hier geht es zum Artikel.

  • Deutschland fehlt die Vision einer digitalen Gesellschaft

    Viele Menschen fürchten, im Zuge der Digitalisierung von Maschinen ersetzt zu werden. Doch diese Angst trübt den Blick für die Vorteile neuer Technologien, schreibt Gesche Joost.

  • Die Maschinen holen uns ein

    Maschinen lernen aus Daten, und zwar sehr schnell. Wie gut, dass wir ihnen etwas Entscheidendes voraushaben, meint Viktor Mayer-Schönberger.

  • Roboter übernehmen das Steuer

    Intelligente Roboter-Autos chauffieren uns schon in wenigen Jahren durch die Städte – und machen dabei auch den eigenen Wagen überflüssig, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Jürgen Rees.

  • Technologie muss eingeschränkt werden

    Künstliche Intelligenz zu verbieten, ist sinnlos. Doch wenn sie nicht eingeschränkt wird, wird sie uns nicht nur gewaltige Vorteile bringen - sondern auch gewaltige Nachteile, schreibt Gary Marcus.

  • Maschinen werden keine Revolten anzetteln

    Intelligente Maschinen werden die Arbeitswelt verändern. Es könnte zu Revolten kommen. Aber nicht durch die Maschinen - sondern durch jene Menschen, die von den Maschinen ersetzt wurden, warnt Patrick Ehlen.

  • Werden uns Roboter töten?

    Wir werden auch in Zukunft die Kontrolle über Maschinen behalten – falls wir uns klug und menschlich verhalten. Das ist möglich. Aber keinesfalls sicher, schreibt David Gelernter.

  • Wahre künstliche Intelligenz wird alles ändern

    Ist das Ende 40.000-jähriger, durch den Homo sapiens sapiens dominierter Geschichte in Sicht? Selbstlernende künstliche neuronale Netze erledigen manche Aufgabe schon heute besser als Menschen.

  • Mensch und Maschine wachsen zusammen

    Wichtige ethische Fragen sind bislang nicht nur unbeantwortet. Sie sind nicht einmal gestellt, mahnt Bernhard Rohleder.

  • Revolution der Maschinen

    Die Maschinen nähern sich einem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt. Als speicherprogrammierte Rechner die ersten Befehle ausführen konnten, begannen die Maschinen die Kontrolle zu übernehmen, schreibt George Dyson.

  • Roboter werden zu Gefährten und Kollegen

    Roboter könnten uns eines Tages als Arbeitskollegen oder Gefährten unterstützen, glaubt der Wissenschaftler Guy Hoffman. Aber wie viel Kontrolle wollen wir den Maschinen überlassen?

  • Wie in Zukunft Krieg geführt wird

    Globale Vernetzung und immer billigere Waffen machen Kriege erschwinglich für alle. Wie sich Kriegsführung und -abwehr verändern, beschreibt das fiktive Protokoll einer Attacke aus dem Jahr 2025.

  • So erlebt ein Joghurt die Industrie 4.0

    Maschinen entscheiden, Werkstücke erteilen Befehle: Die digitale Fabrik verspricht die Annäherung an das Extrem einer Produktion ohne den Menschen. Die deutschen Unternehmen müssen aufpassen, dass die USA nicht vor ihnen in der Zukunft ankommen. Lesen Sie hier wie es um die Industrie 4.0 in Deutschland steht.

Vor allem bei Aufgaben, die sich ständig wiederholen, wollen die Menschen einen Roboter, der auch mal die Initiative ergreift. Sie möchten nicht bloß ein dummes Werkzeug, dem man sagt, was es zu tun hat. Dieses Beispiel zeigt sehr schön, dass es mitunter von Vorteil ist, die Kontrolle aufzugeben.

In anderen Experimenten konnten wir belegen, welche Macht die Körpersprache und die Gesten des Roboters spielen. Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass ein Roboter, der zu einem Lied gewissermaßen tanzt, die Leute dazu bringen kann, dieses Lied stärker zu mögen. Mit anderen Worten: Die Meinung der Menschen wurde von der scheinbaren Freude des Roboters beeinflusst.

In weiteren Experimenten ließen wir Menschen mit Robotern über emotional schwierige, persönliche Erlebnisse sprechen. Hier zeigte sich: Die Menschen akzeptierten den Roboter eher, wenn er ihre Geschichte mit subtilen Gesten und kurzen Erwiderungen unterstützte. Kurzum: wenn er Mitgefühl und Empathie zeigte.

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