Share Economy: Deine Waschmaschine, unser Auto, mein iPhone

exklusivShare Economy: Deine Waschmaschine, unser Auto, mein iPhone

von Stefan Hajek

Auslaufmodell Eigentum? Mehr als die Hälfte der Deutschen würde teure Produkte wie ein Auto oder eine Waschmaschine auch bei Bedarf und gegen Gebühr leihen, statt sie sich zu kaufen.

Besitzen Sie noch oder teilen Sie schon? Immer mehr Deutsche können sich vorstellen, teure Produkte wie ein Auto, eine Waschmaschine oder einen Trockner künftig nicht mehr zu kaufen - sofern es eine bequeme und sichere Möglichkeit gibt, die Dinge stattdessen gehen eine Leihgebühr anlassbezogen zu nutzen. Das ergibt eine neue repräsentative Umfrage unter 1000 erwachsenen Deutschen im Auftrag des US-Softwarehauses Zuora, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt.

Für 58 Prozent der Deutschen steht demnach bei teuren Anschaffungen wie Auto, Haus oder Wohnung, Waschmaschine oder Musikanlage nicht mehr das Eigentum im Vordergrund, sondern der Nutzen, den diese Produkte für sie stiften. Fast 35 Prozent der Deutschen meinen demnach, dass Eigentum eine „echte Bürde“ sein kann, wenn zu viele Verpflichtungen damit verbunden sind.

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13 Prozent gaben in der Umfrage an, sich nur deshalb noch kein Auto gekauft zu haben, weil dieses mit zu viel Arbeit wie Reparaturen oder Service-Terminen verbunden sei. Ein Viertel der Deutschen würde sich zudem wünschen, dass Autofirmen Aufgaben wie Reparaturen, Service und Instandhaltung komplett übernehmen.

Auslaufmodell Eigentum: „Dieses Produkt würde ich nicht mehr kaufen, wenn ich es auf andere Weise nutzen kann“

  • Platz 10

    Waschmaschine (13,80%)

  • Platz 9

    Haus (16,20%)

  • Platz 8

    Werkzeug (16,90%)

  • Platz 7

    Kamera (19,10%)

  • Platz 6

    Auto (19,30%)

  • Platz 5

    Musikanlage (19,50%)

  • Platz 4

    Geschirrspülmaschine (23,00%)

  • Platz 3

    Spielekonsole (25,50%)

  • Platz 2

    Wäschetrockner (27,50%)

  • Platz 1

    Luxus/Modeartikel (zum Beispiel Abendkleid, repräsentative Handtasche: 28,40%)

Ein Drittel würde keinen Wäschetrockner mehr kaufen

Etwa ein Drittel der Befragten sagt, in Zukunft generell weniger Dinge kaufen zu wollen, wenn es eine so genannte Pay-per-Use-Alternative gebe: Also das Leihen je nach Bedarf gegen eine einmalige Gebühr. 20 Prozent behaupteten in der Befragung sogar, überhaupt keine Produkte mehr kaufen zu wollen, wenn es immer die Möglichkeit der punktuellen Nutzung gegen Bezahlung gäbe.

Bei vergleichsweise teuren Dingen, die nur sporadisch gebraucht werden, wie etwa einer Bohrmaschine, einem Aufsitzrasenmäher oder einem Freizeitboot, ist die Bereitschaft, auf den Besitz zu verzichten, logischerweise am größten. So gaben 28 Prozent der Befragten an, einen Wäschetrockner nicht unbedingt besitzen zu müssen. Dagegen waren es beim Computer nur gut 8 Prozent, die sich ein Leihgerät statt des eigenen Rechners vorstellen können. Immerhin ein Fünftel könnte sich den Verzicht auf ein eigenes Auto vorstellen.

Prognostiziertes Wachstum in der Shared Mobility

  • Carsharing

    Die Unternehmensberatung Roland Berger hat in der Studie "Shared Mobility" die vier Märkte mit dem größten Potenzial beziffert. Für das Carsharing sehen die Berater bis 2020 einen Markt mit Umsätzen mit 3,7 bis 5,6 Milliarden Euro. Bei jährlichen Wachstumsraten von 30 Prozent.

  • Ride sharing

    Im Grunde geht es um die gute alte Fahrgemeinschaft oder auch private Taxidienste - Fahrer und solche, die gefahren werden wollen, finden sich per Smartphone-App. Unternehmen wie Carpooling und das 2009 gegründete und von Google protegierte Portal Uber, sind bereits über die StartUp-Phase hinaus. Der Dienst ist neben gut zwei Dutzend US-Städten auch in Berlin, München, Zürich und London aktiv und hat einen Wert von 18 Milliarden US-Dollar.

    Roland Berger rechnet in diesem Segment bis 2020 mit Zuwachsraten von 35 Prozent p.a. Der Markt soll dann 3,5 bis 5,2 Milliarden Euro schwer sein.

  • Bike Sharing

    In diesem Bereich gibt es schon eine ganze Reihe von privaten wie auch öffentlichen Anbietern. Städte wie Kopenhagen etwa wollen die Radler in der Stadt massiv fördern. Hier sind Wachstumsraten von 20 Prozent per annum drin, so Roland Berger. Der Markt wird bis 2020 voraussichtlich ein Volumen von 3,6 bis 5,3 Milliarden Euro erreichen.

  • Shared Parking

    Bis zu einem Drittel des innerstädtischen Verkehrs kommt zustande, weil Menschen einen Parkplatz suchen. Auch die Autokonzerne begreifen den Parkplatzmangel zunehmend als kritischen Punkt im System und bieten erste Lösungen an. Smart hat eine eigene Parkplatz-App entwickelt, Mercedes investiert in das Start-Up Park2gether. Derzeit der größte und bekannteste Anbieter ist parkatmyhouse.com, in den BMW i Ventures seit Juli 2011 investiert.

    Roland Berger geht von einem jährliche Wachstum von 25 Prozent bis 2020 aus. Der Markt soll dann ein Umsatzvolumen von 1,3 bis 1,9 Milliarden Euro erreichen.

Viele bereuen den Kauf einer teuren Kamera

Auf die Frage, den Kauf welcher Produktgattung sie schon einmal bereut hätten, da er teuer war und das Produkt nur sehr selten genutzt werde, antworteten die meisten der 1000 Befragten mit „teure Digitalkamera“ (29 Prozent), gefolgt von Spielekonsole und Abendkleid/Smoking sowie Tablet-PC.

Eine emotionale Bindung haben die Deutschen laut Umfrage nur noch zu wenigen Dingen. 40 Prozent hängen an ihrem Auto, ähnlich vielen ist der persönliche Besitz ihres Smartphones (39,8 Prozent) oder Computers (36 Prozent) sehr wichtig. Ein Haus, eine Wohnung und ein TV-Gerät nicht nur zu mieten, sondern zu besitzen, ist für jeweils 20 Prozent wichtig.

Viele Marktlücken für Start-ups

Der Initiator der Umfrage, Zuora, ein Softwarespezialist für Abo-Dienste aus dem Silicon Valley, erwartet, dass durch die Vernetzung von Geräten und die Digitalisierung von Diensten in den kommenden Jahren viele neue Geschäftsmodelle entstehen werden, die ein deutlich größeres Angebot an Leihdiensten schaffen werden.

Bücher, TV, Streaming? Diese Medien finden die Deutschen unverzichtbar

  • Ein Leben ohne...

    Nur wenige Erwachsene in Deutschland können sich ein Leben ohne Bücher oder Fernsehen vorstellen. Das ergab eine repräsentative Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur aus dem Januar 2016. Andere Unterhaltungsmedien hielten die Befragten dagegen eher für entbehrlich.

  • Bücher

    Nur eine Minderheit von 13 Prozent der Befragten findet gedruckte Bücher verzichtbar. Elektronische Bücher (zum Beispiel Kindle oder Tolino) halten 41 Prozent für verzichtbar.

  • Klassisches Fernsehen

    14 Prozent der Befragten können sich ein Leben ohne das klassische Fernsehen vorstellen.

  • CDs

    Schon wesentlich mehr können sich vorstellen, auf Musik-CDs zu verzichten: Rund ein Fünftel (21 Prozent) der Befragten fand CDs verzichtbar. Hörbücher auf physischen Tonträgern wie CDs spielen für 46 Prozent keine allzu wichtige Rolle.

  • Kino

    Ein Leben ohne Kinobesuche ist für 23 Prozent vorstellbar.

  • DVDs

    Auf Spielfilme oder Serien von DVD würden 24 Prozent der Befragten verzichten.

  • Streaming

    Weniger wichtig finden die Erwachsene laut der YouGov-Umfrage Online-Videotheken. 38 Prozent könnten ohne das Streaming von Serien und Filmen (etwa via Netflix, Amazon, Maxdome, Watchever) leben, 40 Prozent ohne Musik-Streaming (zum Beispiel via Spotify oder Apple).

  • Unterscheidung nach Altersgruppen

    Eindeutig ist die Tendenz, wenn man nach den Altersgruppen schaut: So finden bei den 18- bis 24-Jährigen immerhin 21 Prozent das Fernsehen verzichtbar, bei den Menschen über 55 sind es dagegen nur 10 Prozent.

    Film-Streaming finden dagegen die Leute ab 55 kaum relevant: 50 Prozent können darauf verzichten, wie sie angaben. Bei den Jüngeren (zwischen 18 und 24 Jahren) sind es dagegen nur 27 Prozent, die es missen könnten. In der Altersgruppe 25 bis 34 Jahre sind es sogar nur 24 Prozent

Derzeit beschränkt sich die so genannte Share Economy im wesentlichen noch auf Car Sharing in Großstädten oder Übernachtungsmöglichkeiten wie AirBnB. „Gründer sollten sich überlegen, ob ihnen nicht neue Geschäftsmodelle beispielsweise rund um vernetzte Wäschetrockner, Leih-Maschinen oder Musikanlagen einfallen“, sagt Mathias Büttner, Marketingchef von Zuora Deutschland.

Erfolgreiche neue Unternehmen wie Netflix oder Spotify, Angebote wie DriveNow und AirBnB oder auch Abo-Dienste wie Outfittery oder Glossybox hätten nämlich eines gemeinsam, so Büttner: „Die Kunden kaufen zahlen nur noch für das, was sie haben wollen: den Produktnutzen, nicht mehr für das physische Produkt. Mit dem Entstehen des Internets der Dinge werden wir noch viele weitere solche Abo-Angebote sehen.“

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2 Kommentare zu Share Economy: Deine Waschmaschine, unser Auto, mein iPhone

  • Toll, wenn ich meine Socken waschen will, leihe ich mir mal eben eine Waschmaschine. Die wird gebracht, an Strom und Wasser angeschlossen. Nach der Wäsche wird sie wieder abmontiert und zum Verleiher zurückgebracht. Wenn ich dann morgen meine Bettwäsche waschen will, leihe ich sie mir erneut aus - mit dem gleichen Procedere.
    Geniale Idee, vor allem so kostengünstig. Wie blöde war ich eigentlich, mir eine Waschmaschine zu kaufen...

  • Unser Recht:
    Wenn das "Recht" keine Obergrenze erlaubt, dann das dem Herrn Oberrichter vermutlich gerade zuhause seine Gattin eingebläut.
    Wir haben dieses Recht selbst erschaffen, also können wir es auch ändern.
    Wer hindert uns daran? Die Grünen oder gar die SPD?

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