Sicherheitssoftware: Das Gesicht in der Menge aufspüren

Sicherheitssoftware: Das Gesicht in der Menge aufspüren

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Computer lernen, Gesichter zu lesen. Auch Facebook oder Apple investieren in diese Technologie.

von Thomas Kuhn

Software, die Menschen und deren Stimmung erkennt, soll die Welt sicherer machen. Doch Verbrecher müssen aktuell wenig befürchten – bisher ist die Technologie vor allem in der Werbung beliebt.

Die Software, die Stephen Beach Ende November auf der Kölner Sicherheitstechnikmesse PMRexpo präsentiert, ist nah dran am Traum aller Polizisten – gerade in Zeiten von Terroranschlägen wie in Paris und im kalifornischen San Bernardino. „Sobald das Programm erkennt, wo in Städten sich Verdächtige oder gesuchte Straftäter aufhalten, schlägt es Alarm“, sagt Beach, Experte für intelligente Sicherheitssysteme beim IT-Konzern Motorola Solutions.

Welche Informationen die Behörden mit Motorolas Leitstellensoftware CommandCentral bündelten, sei Sache der Kunden, sagt Beach. Die Zahl der Quellen aber wachse: „Das können Positionsinformationen bei Twitter sein, bekannte Sehenswürdigkeiten in Fotos, die Verdächtige auf Facebook hochladen, oder auch Bilder von Überwachungskameras an Bahnhöfen oder Flughäfen, die ein gesuchtes Gesicht einfangen.“

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Kommissar Computer als digitaler Detektiv, dessen Auge kein Verbrecher mehr entgeht? Das ist – bei aller Begeisterung für die Technik in der Sicherheitsbranche – zu hoch gegriffen: „Ganze Städte nach Verdächtigen zu scannen, klappt selbst mit größter Rechenleistung nicht“, sagt Mikael Fagerlund, Manager für Geschäftsentwicklung beim Dresdener IT-Unternehmen Cognitec. Die Sachsen sind – neben NEC aus Japan und Safran aus Frankreich – einer der weltweit führenden Entwickler für Gesichtserkennungssoftware.

Doch was im Großen noch scheitert, funktioniert im Kleinen längst: „Kontrollsysteme an Zugangsschleusen von Hightechunternehmen oder Behörden etwa melden verlässlich, ob dort Mitarbeiter oder Kunden auftauchen – oder ein bis dato unbekanntes Gesicht“, erklärt Fagerlund.

Auch an anderer Stelle unterstützt Bilderkennung die Sicherheitsbehörden schon jetzt. Etwa wenn der Computer – wie nach den Anschlägen beim Boston-Marathon vor gut zwei Jahren – Aufnahmen von Überwachungskameras automatisch aussortiert, auf denen sich niemand bewegt. Moderne Analysesoftware kann zudem feststellen, ob eine in einer Szene als Verdächtiger identifizierte Person auch in anderen Aufnahmen erscheint.

„Der technische Fortschritt macht Gesichtserkennung heute zu einem immer wichtigeren Werkzeug sowohl für Ermittler als auch beim Schutz von Bahnhöfen, Flughäfen und anderen öffentlichen Orten“, sagt Tony Kingham. Er ist Mitorganisator der World Borderpol Conference, auf der sich in dieser Woche Vertreter aus Politik, Sicherheitsbehörden und Industrie treffen.

Doch auch jenseits der Kriminalitätsbekämpfung erschließt sich die computergestützte Erkennung eine Vielzahl neuer, ziviler Einsatzfelder. Denn die ausgefeilten Algorithmen, die helfen, in Sekundenbruchteilen Augen, Nase, Mund oder Ohren sowie andere Gesichtsdetails zu bestimmen, sind bei Verbrecherjagd oder Verbraucherservice die gleichen.

Und so könnte der digitale Blick aufs Konterfei künftig auch beim Zahlen an der Supermarktkasse oder beim Shoppen im Internet für mehr Sicherheit sorgen und dennoch die Eingabe von PIN-Codes und Passwörtern ersparen. Die Technik soll Autofahrer vor falschen Lenkmanövern bewahren, Handys entsperren und dafür sorgen, dass Kunden in Einkaufszentren passende Werbebotschaften erblicken.

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