Sicherheitstechnik: Big Brother bleibt blind

Sicherheitstechnik: Big Brother bleibt blind

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Sicherheitstechnik: Überwachungskameras sind oft zu schlecht.

von Oliver Voß

Der Innenminister fordert Software zur Gesichtserkennung. Doch der Einsatz der Technik in der Öffentlichkeit scheitert an zahlreichen Problemen.

Wer in Moskau U-Bahn fährt, kann ausprobieren, wie einfach sich Menschen per Knopfdruck identifizieren lassen. Dafür reicht ein Smartphone mit der App FindFace des russischen Start-ups NTechLabs.
Die gleicht Schnappschüsse von Passanten mit den 300 Millionen Onlineprofilen des russischen Facebook-Pendants VKontakte ab und spuckt mit 70 Prozent Genauigkeit Namen und Profil der aufgenommenen Person aus. Die Technik funktioniert so gut, dass die FindFace-Entwickler mit ihrem Programm 2015 bei einem Wettbewerb der University of Washington selbst Google ausstachen.

Kommissar Computer als vermeintlich besserer Fahnder hat in Zeiten der Terrorangst Konjunktur: London hat die Stadt mit rund einer Million Überwachungskameras ausgerüstet. Nun fordert auch der deutsche Innenminister Thomas de Maizière den Einsatz von Gesichtserkennungssoftware in Videokameras an deutschen Flughäfen und Bahnhöfen. Wenn ein Verdächtiger erkannt werde, zeige das System das an, erklärte der Minister der „Bild am Sonntag“.

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Einsatz von Gesichtserkennungssoftware Experten halten de Maizières Plan für unrealistisch

Die Forderung des Bundesinnenministers, Gesichtserkennungssoftware in Videokameras einzusetzen, lässt sich derzeit kaum umsetzen.

Überwachungskamera. Quelle: dpa

Doch was de Maizière als so einfach darstellt, ist in Wahrheit ziemlich kompliziert. Bei der Gesichtserkennung klemmt es an vielen Stellen. Das fängt bei der Qualität der Fotos an und hört bei der Verfügbarkeit geeigneter Bilddatenbanken auf – vom Minenfeld Datenschutz ganz abgesehen. Das belegen Recherchen der WirtschaftsWoche. Die Forderung des Innenministers erscheint damit eher wahlkampf- als faktengetrieben.

Auflösung ist meist zu schlecht

Um Personen verlässlich erkennen zu können, „hängen die meisten installierten Überwachungskameras zu hoch und ihre Auflösung ist viel zu schlecht“, sagt etwa Elke Oberg, Managerin bei Cognitec Systems in Dresden. Ihr Urteil wiegt doppelt schwer, schließlich zählt Cognitec – neben NEC aus Japan und dem Bochumer Mittelständler L-1 Identity Solutions, der zur französischen Safran-Gruppe gehört – zu den weltweit führenden Gesichtserkennungsanbietern. Bisher boomt das Geschäft bei geschlossenen Systemen wie Zugangskontrollen. Weltweit soll der Umsatz mit Software zur Gesichtserkennung von 1,3 Milliarden Dollar im Jahr 2014 bis 2022 auf 2,7 Milliarden Dollar steigen.

Sicherheitssoftware Das Gesicht in der Menge aufspüren

Software, die Menschen und deren Stimmung erkennt, soll die Welt sicherer machen. Doch Verbrecher müssen aktuell wenig befürchten – bisher ist die Technologie vor allem in der Werbung beliebt.

Computer lernen, Gesichter zu lesen. Auch Facebook oder Apple investieren in diese Technologie.

Die Dresdner etwa liefern Technik für das automatische Grenzkontrollsystem EasyPass. Damit können sich Reisende an sechs deutschen Flughäfen per Ausweis-Scan und Blick in eine Kamera identifizieren. Das funktioniert verlässlich – aber nur, weil das Umfeld stimme, betont Oberg: „Um gute Ergebnisse zu erzielen, muss man Personen und Lichtverhältnisse kontrollieren können.“ Genau das ist im öffentlichen Raum nicht der Fall. Weshalb dort „sehr viele Bilder für die automatische Erkennung völlig unbrauchbar sind“, sagt die Cognitec-Expertin. Big Brother bleibt also erst einmal blind.

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