Simfy : Attacke auf Apple

von Oliver Voß

Mit iCloud bietet Apple einen neuen Musikdienst. Damit greift der Konzern auch das deutsche Unternehmen Simfy an – doch die Kölner schlagen mit einer cleveren Attacke auf Steve Jobs zurück.

Das Kölner Stadtviertel Ehrenfeld ist eine dieser Gegenden, in denen man an vielen Ecken den wirtschaftlichen Wandel beobachten kann. Das auffälligste Symbol ist ein Leuchtturm, der mitten in der Stadt den Kiez überragt. Es ist das Wahrzeichen der Helios-Werke, die hier einst in den Frühtagen der Elektrifizierung produzierten. Inzwischen sind hier Designer, Musikclubs, Kneipen und Geschäfte ansässig.

Wie in vielen anderen angesagten Gegenden fürchten sie die Verdrängung, doch noch geben die Kreativen den Ton an. Wie die Simfy AG. Das junge Unternehmen bietet eine Musikplattform im Internet an, acht Millionen Songs kann man sich dort per Mausklick anhören, ohne dass man sich noch eine MP3-Datei herunterladen müsste. Mit ähnlichen Streamingangeboten wollen jetzt auch Branchengrößen wie Apple bei der nächsten Revolution in der Unterhaltungselektronik dabei sein. Denn die Musikindustrie hat den Abschied von der CD und den Übergang zu digitalen MP3-Musikdateien noch gar nicht verdaut, da ändert sich die Branche erneut radikal.

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Relikte des Medienwandels

Simfy ist dabei mittendrin. Der Sitz des Unternehmens befindet sich recht unscheinbar auf einem Hinterhof in den ehemaligen Räumen einer Büromöbelfabrik. Neben der Hof-Einfahrt ein weiterer Dinosaurier der Medienindustrie: Eine Videothek, die sich mit einem „Tiefpreis-Discount Erotikfilm-Verkauf“ gegen den Niedergang stemmt.       

Auch in den Simfy-Büros sind einige Relikte des Medienwandels ausgestellt: Bunte USB-Sticks mit Konzertmitschnitten von Peter Maffay, DJ Bobo oder den Scorpions. Noch vor zwei Jahren war das die wichtigste Säule des Simfy-Geschäfts. Allein von einer Tour der Toten Hosen verkaufte das Unternehmen eine Million MP3s. Doch das Geschäft schrumpft rasch, daher konzentriert sich Simfy nun auf sein Musikangebot im Netz.

Vor einem Jahr ist die Streamingplattform gestartet, inzwischen haben sich eine Million Nutzer registriert, in den nächsten zwölf Monaten soll sich die Zahl verfünffachen. Um das zu erreichen will das Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte im Ausland expandieren, die bisherigen Investoren wie Earlybird und Dumont Venture haben gerade frisches Kapital in Höhe von zehn Millionen Euro in die Firma gesteckt.

Und mit den Nutzern soll auch die Zahl der Premium-Zugänge steigen. Denn mit kostenpflichtigen Zusatzangeboten verdient Simfy Geld: Der Großteil der Songs ist zwar kostenlos verfügbar, doch wer wirklich alle hören und die Mobilversion nutzen möchte, muss zehn Euro im Monat zahlen. Die Zahl der Nutzer, die Simfy davon überzeugen konnte, liegt derzeit nach Angaben des Unternehmens im einstelligen Prozentbereich.

Die virtuelle Jukebox ist teuer

Die Kosten für die virtuelle Jukebox sind hoch. Neben Miete und den fast 60 Mitarbeitern müssen vor allem die Plattenfirmen bezahlt werden. Für jedes der vier großen Label werden dafür sechsstellige Summen fällig. In der Regel gibt es eine Vorauszahlung, sowie eine  Umsatzbeteiligung die miteinander verrechnet werden. „50 bis 60 Prozent der Einnahmen gehen an die Labels“, erklärt Simfy-Gründer Christoph Lange.  

Dazu kommt die GEMA, die nach Angaben verschiedener Manager der Musikindustrie für jeden Stream bis zu einem Cent verlangt, in Großbritannien müssen die Anbieter nur ein Zehntel zahlen. „Die extrem rigiden Vorstellungen der GEMA verhindern einen Streamingboom, wie wir ihn derzeit in Skandinavien und Großbritannien sehen“, sagt ein Manager eines großen Musiklabels.

Der Simfy-Konkurent Spotify ist unter anderem deswegen noch nicht in Deutschland und auch Youtube streitet seit mehr als zwei Jahren ergebnislos um eine Lizenzvereinbarung. Daher stoßen auf der populärsten Streamingplattform deutsche Nutzer bei der Suche nach offiziellen Musikvideos oft nur auf den Hinweis: „Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar“.

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