Smart Home auf der IFA: Babylonische Vernetzung

Smart Home auf der IFA: Babylonische Vernetzung

Bild vergrößern

Das smarte Heim gilt als einer der wichtigsten Wachstumsmärkte.

von Thomas Kuhn

Das smarte Heim gilt als einer der wichtigsten Wachstumsmärkte der Unterhaltungs- und Haushaltselektronik. Leider nur kämpft die Branche mit einem entscheidenden, hausgemachten Problem.

Es war eine Mischung aus Verblüffung und Spott, die die Organisatoren der Messe Berlin ernteten, als sie vor zehn Jahren ankündigten, dass sie ihre Vorzeigemesse, die internationale FUNK-Ausstellung, künftig auch für Hersteller von Haushaltsgeräten öffnen wollte. Staubsauger und Stereoanlagen, Waschmaschinen und WLAN, wie sollte das nur zusammen passen?

Die höhnischen Kommentare sind seither längst verstummt. Wenn die (heute nur noch kurz IFA genannte) Messe in diesem Jahr ihre Tore öffnet, sind die Welten der sogenannten braunen und der weißen Ware – Unterhaltungselektronik und klassische Hausgeräte – nicht mehr zu trennen. Im Zeitalter des omnivernetzten Alltags sind HiFi-Anlagen und elektronische Türschlösser tatsächlich genauso Teil des smarten Hauses wie Heizungsthermostate oder Robo-Staubsauger.

Anzeige

Aus gutem Grund, schließlich gilt das Geschäft mit dem vernetzten Alltag als einer der wichtigsten Wachstums- und Hoffnungmärkte der Branche. „Wir rechnen in den kommenden fünf Jahren mit durchschnittlich gut 26 Prozent Wachstum im deutschen Smart-Home-Markt“, sagt Harald Summa, Geschäftsführer des Internetverbandes Eco. Für 2022 rechnet er mit 4,3 Milliarden Umsatz für das Segment. Größter Umsatztreiber sollen Systeme für Energiemanagement, Licht- und
Fenstersteuerung sein.

So wehren Sie Angriffe auf Ihr vernetztes Heim ab

  • Apps schließen

    Smartphones sind die Fernbedienung fürs vernetzte Heim. Damit Hacker keine Passwörter aus den zugehörigen Apps auslesen können, installieren Sie Schutzsoftware auf dem Gerät – und loggen Sie sich nach Gebrauch aus der App aus.

  • Cloud-Portal sichern

    Viele Smart-Home-Systeme lassen sich auch über Onlineportale der Anbieter steuern. Ersetzen Sie unbedingt voreingestellte Passworte durch komplexe Codes mit Groß- und Kleinschreibung, Zahlen und Sonderzeichen.

  • Home-Zentrale schützen

    Selbst wer sein vernetztes Haus nur am PC daheim steuert, kann von Hackern ausgeforscht werden. Damit die keine Spionageprogramme auf dem PC einschleusen können, halten Sie Schutzsoftware und Browser stets aktuell.

  • Verbindung verschlüsseln

    Wer verhindern will, dass Angreifer Steuerbefehle auf dem Weg vom Handy zum Haus mitlesen, verbindet beides über eine verschlüsselte private Datenverbindung (VPN), die der Nutzer in seinem Internetrouter einrichtet.

Oder besser, sie sollten. Denn noch hapert es an entscheidender Stelle. Ausgerechnet bei der Vernetzung der verschiedenen Komponenten im modernen Haushalt herrscht weiterhin babylonische Sprachverwirrung.

Ein Mangel an entscheidender Stelle

Denn statt dass sich über zehn Jahre des Zusammenwachsens von Unterhaltungs-, Kommunikations- und Haushaltselektronik so etwas wie ein überlegener oder wenigstens überwiegender Standard zur Verbindung der Geräte herausgebildet hätte, arbeiten die vielfältigen Hersteller weiterhin mit einer Vielzahl von Funktechniken und Übertragungsprotokollen.

IFA Virtual Reality für die Ohren

Bisher galt Surround-Sound als Gipfel des Klangerlebnisses. Doch nun sorgt ein neues Audio-Format für eine besondere Qualität des Musik- und Filmgenusses: 3D-Sound gehört zu den beeindruckendsten Neuheiten der IFA.

Zwei Frauen fotografieren am 30.08.2017 in Berlin ein großes IFA-Logo auf dem Messegelände. Quelle: dpa

Und keines ist mit dem anderen kompatibel. Das universelle „Connected Home“ ist, das wird auch in diesem Jahr auf der IFA klar, noch immer eine Ansammlung von Insellösungen.

Kaum einer versteht den anderen

Der Berliner FritzBox-Produzent AVM etwa nutzt zur Verbindung seiner smarten Steckdosen und Thermostate den aus der Schnurlostelefonwelt bekannten DECT-Funkstandard. Der Hausgeräte-Hersteller Bosch wiederum nutzt Zigbee-Funk, die Powerline-Spezialisten von Devolo aus Aachen vernetzen ihre Smart-Home-Technik über Z-Wave-Verbindungen. Der Gebäude-Automations-Experte EQ-3 wiederum hat mit Homematik IP ein eigenes Protokoll entwickelt – und das für Bosch lizensiert, trotzdem arbeiten Module beider Produzenten nicht zusammen.

Was die Deutschen beim Thema Smart Home interessiert

  • Interesse an Assistenz-Systemen im Smart Home

    “Smart Home”, “Connected Home“ oder auf gut Deutsch „Heimvernetzung“: Die Begriffe sind für viele Deutsche unbekannten Begriffe mehr. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom haben fast zwei Drittel aller Bundesbürger (65 Prozent) ab 14 Jahren schon einmal davon gehört. 2014 waren es erst 51 Prozent. Doch nicht für Anwendungsmöglichkeiten, die Hilfe im Alltag versprechen, interessieren sich die Deutschen gleich stark. Ein Überblick.

    Quelle: Bitkom

  • 80 Prozent...

    … der Deutschen können sich vorstellen, ein System zur Erkennung unverschlossener Wohnungstüren zu nutzen. Das würde per Smartphone-Nachricht warnen, wenn man vergisst, die Tür abzuschließen.

  • 78 Prozent...

    … der Befragten können sich vorstellen, eine intelligente Uhr zu verwenden, die automatisch Gesundheitsdaten wie Blutdruck, Blutzucker, Puls oder Körpertemperatur misst.

  • 72 Prozent...

    … halten es für denkbar, ihren Fußboden mit einer Funktion auszustatten, die Alarm schlägt, wenn ein Bewohner stürzt.

  • 63 Prozent...

    … der Deutschen können sich vorstellen,  ein System zu nutzen, das warnt, wenn der  Herd nicht ab- oder Wasser nicht ausgestellt ist.

  • 14 Prozent...

    würde eine intelligente Matratze nutzen, die automatisch Alarm schlägt, wenn es Auffälligkeiten im Schlafverhalten gibt oder  eine Person beispielsweise nicht mehr aufsteht.

Gigaset verbindet seine Elements-Sensoren über eine besonders stromsparende (aber mit AVM inkompatible) DECT-Variante. Und das Berliner-Smart-Home-Startup Smartfrog schließlich sendet die Signale seiner Überwachungskameras per WLAN ins Internet. Und selbst diese (alphabetische) Auflistung ist nur ein Auszug aus der chaotischen Vernetzungsvielfalt, die potenzielle Kunden noch immer verunsichert.

Chance über Jahre vertan

Die Folge zeigt sich in der Realität des Handels. Statt des seit Jahren propagierten Smart-Home-Booms tröpfelt das Geschäft bis heute vor sich hin, nutzt die Elektronikbranche (egal mit welcher Produktkategorie sie das vernetzte Haus auch erschließen will) das Potenzial des Marktes bestenfalls ansatzweise.

Inhaltlich, das zeigt sich im Jahr Zehn der branchenübergreifenden IFA-Messen, sind Grenzen zwischen brauner und weißer Ware gefallen. Es wäre höchste Zeit, dass auch die Grenzen der herstellerübergreifenden Vernetzung endlich fallen. Käufer und Hersteller würden gleichermaßen profitieren.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%