Smartphone-Film: Vom Handy auf die Leinwand

Smartphone-Film: Vom Handy auf die Leinwand

, aktualisiert 10. Dezember 2011, 10:23 Uhr
Bild vergrößern

Szene aus „Olive“ - in dem auch die zweifach Oscar-nomminierte Gina Rowlands mitspielt.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

„Olive“ ist der erste Spielfilm, der ausschließlich mit einem Smartphone gedreht wurde. Kommende Woche wird er in Los Angeles Premiere feiern. Die Filmmacher hoffen sogar auf einen Oscar.

San FranciscoDer erste Smartphone-Film kommt ins Kino. Am 16. Dezember wird „Olive“ in Los Angeles Premiere feiern. Bei dem Streifen in Spielfilmlänge waren die wichtigsten Zutaten eine Handvoll Nokia-Smartphones und doppelseitiges Klebeband. Die Macher wollen nicht nur Hollywood revolutionieren. Sie rechnen sich für den Film, in dem Randi Zuckerberg, die Schwester des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg, eine Gastrolle spielt, sogar Chancen auf einen Oscar aus.

Olive stellt alles auf den Kopf: Filmproduktion, Filmfinanzierung und Vertrieb. Als erstes Smartphone-Werk eines unabhängigen Filmemachers will der Streifen des Regisseurs und früheren Discjockeys Hooman Khalili ohne jede Unterstützung eines großen Hollywood-Studios oder eines Verleihs den Weg auf über 2000 Kinoleinwände in den USA schaffen.

Anzeige

Rund 500.000 Dollar hat der frühere Facebook-Manager Chris Kelly in das Projekt investiert und damit 22 Drehtage und die Filmcrew bezahlt. Rund 300.000 Dollar fehlen noch für Marketing und Kinostart. Sie werden per Social-Network über das Internet gesucht, aber noch sind erst gut zehn Prozent davon zusammengekommen.

Bis zum 16. Dezember können sich Filmfreunde über das Internetportal Kickstarter.com noch an dem Abenteuer beteiligen. Der Erfolg ist kriegsentscheidend: Nur wenn es Olive auf die großen Leinwände schafft, kann er auf eine Oscar-Nominierung hoffen.

Mit einem großen Streifen doppelseitigem Klebeband festgemacht hängt das silberne Nokia-N8- Smartphone an dem Modellbauhubschrauber und steigt knatternd in die Höhe. Es gilt die Fahrt der Hauptdarsteller auf einem einsamen Highway aus der Luft festzuhalten. Mit diesen und anderen Spartricks hat es Regisseur Khalili tatsächlich geschafft, mit dem Minimalbudget von einer halben Million Dollar auszukommen und trotzdem eine ansonsten professionelle Ausrüstung für Licht und Maske und Schauspieler zu bezahlen.

Darunter die zweifach Oscar-nominierte Gina Rowlands. Die Ex-Facebook-Topmanagerin und heutige Medienunternehmerin Zuckerberg hat einen Miniauftritt als Schuhverkäuferin: Sie begeistert sich für das Projekt, weil sie sich mit ihrem Start-up RtoZ Media dem Wandel der Medienindustrie in der Welt der sozialen Medien verschrieben hat. Olive ist das ideale Studienobjekt.


„Olive“ erzählt in ruhigen und ausdrucksstarken Bildern

Dem Smartphone N8 von Nokia war zwar kein Erfolg als iPhone-Killer vergönnt, aber die herausragenden Videoqualitäten seiner Zwölf-Megapixel-Kamera mit Zeiss-Objektiv und HD-Qualität standen bei Testern nie zur Debatte.

Ganz unverändert konnten die finnischen Flachmänner dennoch nicht auf das Filmset losgelassen werden: Autofokus und Autozoom wurden deaktiviert. Dadurch behielten die Filmemacher die alleinige Entscheidung darüber, wie eine Szene auszusehen hatte, über Schärfentiefe und Bildaufbau. Aufgenommen wurde auf handelsübliche MicroSD-Speicherkarten, von denen das Material sofort in die Schnittcomputer übertragen wurde.

Für das Breitbildformat jedes Hollywood-Streifens musste zusätzlich ein professionelles Kameraobjektiv installiert werden. Die Crew zerlegte einfach eine alte Handkamera aus den 40er-Jahren – und klebte das Telefonmodul mit Teppichband hinten an das Objektiv.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen, Olive erzählt in ruhigen und ausdrucksstarken Bildern die Geschichte eines kleinen Mädchens, das auf drei Personen trifft, deren Leben es dann verändert, ohne nur ein Wort zu sprechen.

Entstanden ist die Idee, so Khalili, im Januar 2010. Jetzt, zwei Jahre und 500.000 Dollar später, ist der Film abgedreht und wird auf dem Sundance Filmfestival Ende Januar in Utah gezeigt werden

Daneben ist es gelungen, dass der Film für eine Woche im Szenekino Laemmle’s Fallbook 7 in West Hills nahe Los Angeles gezeigt wird. Laemmle’s ist seit 1938 die Adresse für anspruchsvolle Filme in den USA.

Und wer weiß, vielleicht ist es das Sprungbrett zum Oscar in Hollywood – falls das Web2.0 die Erwartungen erfüllt und das fehlende Geld über das Internet zusammenkommt.


Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%