Smartphones: Blackberry am Wendepunkt

Smartphones: Blackberry am Wendepunkt

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Blackberry

von Thomas Kuhn

Der Erfinder der E-Mail-Handys droht den Anschluss an die erste Smartphone-Garde zu verlieren. Ergeht es Research In Motion wie zuvor schon Handheld-Pionier Palm?

Eine Flut wütender E-Mails ergoss sich über Apples Firmengrüner Steve Jobs im September 2007, als der - nur zwei Monate nach der Markteinführung der damals neuesten iPhone-Generation - den Preis der runderneuterten Geräte von knapp 600 auf 400 Dollar senkte. Um die Gemüter zu besänftigen, gewährte Apple früheren iPhone-Käufern daraufhin rückwirkend 100 Dollar Nachlass.

Gemessen an dem Aufruhr blieb der Protest vergleichsweise mild, als sich der Ladenpreis des neuen Konsumenten-Smartphones Torch 9800 von Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) Mitte August von 199 auf nur noch 99 Dollar halbierte - nur eine (!) Woche nach der Markteinführung in den USA. In Deutschland ist der Neuling mit seiner Kombination aus großem, berührungsempfindlichem Touchscreen und Schiebetastatur noch nicht zu haben.

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Zwar gilt der Preisrutsch nur für Geräte mit einem zweijährigen Telefonvertrag, und RIM erklärte umgehend, der Nachlass sei Sache der Vertriebspartner. Doch wer würde ohne Not nach so kurzer Zeit den Preis eines Bestsellers halbieren und sich so satte Profite entgehen lassen?

Im Ernst, der ebenso rasche wie radikale Schnitt lenkt den Blick mit Vehemenz auf die Frage, ob wohl auch RIM womöglich seine beste Zeit inzwischen hinter sich hat? Ob dem kanadischen Erfinder der E-Mail-Handys auf absehbare Zeit das gleiche Schicksal droht, wie dem inzwischen bei Hewlett-Packard untergeschlüpften Handheld-Pionier Palm?

Nicht, dass Blackberrys out wären. Nein, RIM verkauft noch immer jede Menge davon, und die Chancen weiter zu wachsen, stehen nicht schlecht. Schließlich erschließt das Unternehmen konstant neue Märkte und es ist in vielen Unternehmen als De-facto-Hauslieferant für E-Mail-Telefone noch immer gesetzt. Doch das war Palm lange Zeit auch. Sein handliches Smartphone Centro verkaufte sich - speziell in den USA - noch immer millionenfach, als Apple mit dem iPhone plötzlich die neue Messlatte für vernetzte, elegante und funktionale Smartphones neu definierte.

Und schlagartig begann, den Markt vor allem im besonders lukrativen Hochpreissegment abzuräumen. Nicht, dass nur Palm dem nichts entgegenzusetzen hatte: Apple ließ die ganze Telefonbranche schlagartig alt aussehen - und von dem Schock haben sich auch Nokia, Samsung und Co. bis heute nicht gänzlich erholt.

Aber eben auch nicht RIM, selbst wenn die Kanadier bis heute die Standards bei der mobilen Nachrichtenübermittlung und der Anbindung mobiler Endgeräte an die Kommunikationssysteme in Unternehmen setzen. In Sachen Übertragungssicherheit und -effizienz kann keine andere Lösung eines Handyherstellers der Blackberry-Plattform bisher das Wasser reichen.

Allen Konflikten um Zugriffe auf Nutzerdaten zum Trotz, mit denen sich RIM zuletzt in Arabien, Russland und Indien herumzuschlagen hatte. Und auch trotz aller staatlichen Sicherheitsbedenken, die unter anderem die Bundesregierung äußern: Weder Microsoft noch Apple treiben bei der Absicherung der Datenübertragung einen vergleichbaren Aufwand wie RIM. Und welche Vertraulichkeit der Datenübertragung der Nutzer eines Andoid-Handys Google zugesteht, dem Entwickler der Handy-Boomplattform Android, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Trotzdem: Gerade der US-Fehlstart des neuen Blackberry Torch 9800 gibt zu denken. Denn US-Techniktester bescheinigen dem Neuling zwar, funktional mit dem iPhone und den Android-Handys gleich gezogen zu haben. Unter anderem besitzt das Torch, in dem erstmals das neue Betriebssystem Blackberry 6 zum Einsatz kommt, nun endlich einen vernünftigen, leistungsstarken Browser, mit dem das Surfen auf Web-Seiten leidlich Freude macht. Auch Multi-Touch-Fingerkommandos auf dem Touchscreen sind jetzt möglich. Und selbst RIMs Software-Laden App World füllt sich allmählich.

Und doch reicht das Torch 9800 bei der Bedienungsfreundlichkeit und der Flüssigkeit der Steuerung nach Ansicht der Technik-Blogger nicht einmal an Android heran. Von Apples jüngster Software-Version iOS ganz zu schweigen.

Das mag für preisbewusste Massenmarkt-Käufer OK sein. Die qualitäts- und stilbewussten Käufer aber - jene, denen der Preis der Technik egal ist, die Trends setzen und auch jene, die im Top-Management von Unternehmen die Investitionsentscheidungen für (oder gegen) E-Mail Smartphones einer Marke treffen - die greifen nicht zu schlechteren Kopie sondern zum besseren Original.

RIM droht Absturz

Wenn es RIM nicht rasch gelingt, diese Qualitätslücke wieder zu schließen, droht den Kanadiern der erst schleichende dann immer raschere Absturz vom Trend-Setter zum Mit-Spieler zum Underdog.

Eben genau jener Abstieg, denn zuvor schon Palm erlitten hat und den nicht einmal mehr der fulminante Neustart mit dem neuen webOS-Betriebssystem hat stoppen können. Trotz überlegener Technik ist der einstige Marktführer heute nur noch ein zwar innovativer aber eben marginaler Spieler im Weltmarkt. Und davon abhängig, dass HP viel Geld investiert, um der Marke und ihren Produkten zu neuem, bleibendem Glanz zu verleihen.

Um es klar zu sagen. Das ist kein Abgesang auf RIM. Noch nicht. Das Unternehmen ist profitabel, hat die Taschen voller Geld, eine Marktbewertung von fast 21 Milliarden Euro und eine loyale Nutzerschaft. Nur das alleine reicht nicht. Jedenfalls nicht mehr lange. Und ganz bestimmt nicht, wenn auch das nächste Smartphone schon nach ein paar Tagen zum halben Preis zu haben ist.

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