Smartphones: Der Siegeszug der Anti-iPhones

27. Oktober 2010
Apple iPhone der ersten Quelle: dpaBild vergrößern
Apple iPhone der ersten Generation Quelle: dpa
von Thomas Kuhn

Google, Microsoft und selbst Nokia holen auf: Nach drei Jahren Alleinherrschaft verliert das iPhone seine Vorreiterrolle im heiß umkämpften Smartphone-Markt. Auf welche Neuheiten Sie achten sollten.

Mitunter sind die Vorboten großer Umbrüche die ganz kleinen Meldungen. Vor wenigen Tagen etwa verkündete der US-Marktforscher Changewave, dass nur gut jeder dritte Handykunde plane, als Nächstes ein iPhone zu kaufen. Im Juni war es noch jeder zweite. Parallel dazu berichten die Analysten von Nielsen, dass Googles Mobilfunksoftware Android Apple-Telefone auf dem wichtigen US-Markt als meistverkaufte Plattform abgelöst hat. Zugleich gab der US-Garantiedienstleister Squaretrade bekannt, dass Nutzer von Apples neuem iPhone 4 zwei Drittel mehr Schäden an ihren Geräten melden als Besitzer des Vorgängers. Fast fünf Prozent der in den USA verkauften Telefone seien schadhaft. Häufigster Mangel: gebrochene Bildschirme.

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Jede dieser Nachrichten für sich wäre für Apple noch kein Drama. Doch auf einmal kommt alles zusammen.

Neue Smartphone-Generation ist Apple ebenbürtig

Zwar bejubelte Steve Jobs vergangene Woche erneut Rekordzahlen beim iPhone--Absatz – 14,1 Millionen Stück im vergangenen Quartal und ein Plus von 91 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Tatsächlich aber wuchs Apple damit langsamer als der Smartphone-Markt, der sich binnen eines Jahres verdoppelte. Die Zahl verkaufter Multimediahandys mit Googles Android-Betriebssystem verzehnfachte sich sogar.

Beobachter haben daher schon die Apple-Dämmerung im Mobilfunkmarkt ausgemacht.

Und so folgte die Reaktion prompt: Um neue Zielgruppen zu erschließen, hat Apple seine Partnerschaft mit der Deutschen Telekom aufgekündigt. Jetzt können auch Vodafone- und O2-Kunden iPhones kaufen. Bei O2 gibt es die Telefone sogar ohne verbindlichen Mobilfunkvertrag.

Apples Schritt ist überfällig. Denn zeitgleich bringen Hersteller wie HTC, LG, Nokia und Research in Motion (RIM) eine Welle neuer iPhone-Konkurrenten in die Läden. Diese neuen Geräte sind die erste Generation von Smartphones, die dem Apple-Handy auf breiter Front technisch mindestens ebenbürtig ist.

Frischzellenkur für Branche

Grafik: Umsatz- und Absatzentwicklung von Smartphones in Deutschland
Grafik: Umsatz- und Absatzentwicklung von Smartphones in Deutschland

Seit Apple den Markt für computerähnliche Telefone 2007 mit seinem iPhone aufmischte, waren die Machtverhältnisse zementiert: Auf der einen Seite stand Apples Designerstückchen, Innovationstreiber, Vorbild und zugleich unnachahmliches Mode-Utensil. Auf der anderen Seite stand die Schar der mehr oder minder verzweifelten Plagiatoren.

Nun aber, nach Jahren unangefochtener iPhone-Dominanz, haben Smartphone-Käufer endlich die Wahl zwischen einer ganzen Armada ernsthafter Alternativen. Die neue Vielfalt bei der Hardware geht einher mit wesentlich besserer Software. Nicht nur Blackberry, Nokia oder Palm haben ihre Handybetriebssysteme aufgehübscht, übersichtlicher gestaltet und damit leichter bedienbar gemacht. Allen voran Microsoft will mit dem neuen Handybetriebssystem Windows Phone 7 an einstige Erfolge anknüpfen.

Mancher iPhone-Verfolger lässt damit sogar das Vorbild alt aussehen. Nicht nur bei der Hardwareausstattung – sondern auch bei Apples eigentlicher Stärke, dem Bedienkonzept.

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Kommentare | 14Alle Kommentare
  • 27.10.2010, 15:55 Uhrbond

    Apple ist der einzige Anbieter der Software und Gerät in einem erfolgreich anbieten kann. Es ist doch klar wenn andere ihre Plattform mehr oder weniger verschenken dann eine Vielzahl von Telefonmodellen immer einen höheren Marktanteil ergibt. Doch das ist Nebensache denn in Wahrheit verdient Apple in dem Markt fast allein das Geld und hat bei den Einnahmen mit Abstand den höchsten Marktanteil von allen. Als User bin ich sogar froh wenn die Anzahl nicht zu groß ist.

  • 27.10.2010, 16:08 UhrBanker

    Nichts gegen die "nicht" Apple Handys, aber es ist immer noch eine zwei-Klassengesellschaft und der Artikel vergleicht hier ziemlich Apple mit birnen.
    Auf der einen Seite gibt es die iPhone Familie. intuitive bedienbare Systeme, bei denen man auch über iTunes wegen dem komplett geschlossenen System wenig falsch machen kann und so gut wie alles machen kann. Es gibt App Auswahl ohne Ende und wirklich für alles und jeden. Es funktioniert einfach alles!
    Negativ ist eindeutig der zu Hohe Preis (warum kostet der iPod Touch nur ein drittel) und die ehemalige bindung an die Telekom.
    Man kann aber davon ausgehen, dass die Menschen die sich das iPhone zulegen auch den Großteil der Funktionen nutzen.
    Auf der anderen Seite stehen die Android Handy die ja sooooo viel verkauft werden. Es wird sicher einige Geeks geben, die sich gezielt ein solches Handy holen, die meisten Nutzer werden die Geräte aber aufgrund der günstigeren Angebote und Tarife und wegen der "eyh cool Touchscreen" Effekte holen - meine Frau war z.b. mit ihrem Gerät nicht einmal im internet. Die meisten Käufer werden nicht wissen, dass Sie ein Android Handy gekauft haben - ist denen schnuppe. Dazu kommt dass jede benutzeroberfläche je nach Hersteller anders aussieht und man sich doch dauernd umgewöhnen muss.
    Warum der Palm Pre es nicht geschafft hat ist mir ein Rätsel - super Gerät, eigentlich wie ein iPhone nur mit mehr Funktionen - aber hier fehlt halt der passende Store.
    Windows ist endlich mal ein Lichtblick - wenn da noch ein entsprechender Store drangesetzt wird, wäre es neben Palm endlich eine Alternative.
    Trotzdem gehe ich immer noch davon aus, dass die meisten Handykäufer die Geräte rein nach Optik und Preis aussuchen und erst dann die Statussymbolkäufer oder Technik Freaks kommen!

  • 27.10.2010, 16:25 UhrMacUser

    Apple hat gerade einmal 10 % vom Computermarkt und trotzdem bekommen die anderen Hersteller plötzlich die Panik. Selbst wenn Apple nur 10-20 % am Handymarkt hätte würden sich trotzdem alle nach diesen Geräten ausrichten und mit Sicherheit würde Apple weiter über 30 bis 40 % aller Einnahmen in der eigenen Kasse verbuchen. Software zu verschenken wie es Google macht ist keine Kunst.

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