_

Smartphones: Warum Googles Nexus One kein iPhone-Killer wird

von Matthias Hohensee

Der große Wurf blieb aus: Googles erstes, selbstentwickeltes Mobiltelefon ist passabel, neue Maßstäbe setzt es nicht. Aber es bringt Microsoft unter Druck, mit einem eigenen Handy zu kontern.

Googles neues Smartphone Nexus Quelle: AP
Googles neues Smartphone Nexus One Quelle: AP
Anzeige

Am 9. Januar 2007 präsentierte Apple-Chef Steve Jobs in San Francisco ein Mobiltelefon, das nicht von dieser Welt schien. Sein minimalistisches Design mit nur einer einzigen Taste; sein Display, das Fotos und Internet-Seiten via Daumen und Zeigefingerstrich verkleinerte und vergrößerte, machten das iPhone einzigartig. Etwas vergleichbares gab es nicht am Markt. Nach Jobs Rede bildeten sich Menschentrauben um die Glocke aus Plexiglas, die das Ausstellungsstück schützte.

Gestern Vormittag, fast genau drei Jahre später, hat Google in seinem Hauptquartier in Mountain View sein erstes, weitgehend selbst entwickeltes und vom taiwanesischen Auftragsproduzenten HTC gefertigtes Mobiltelefon vorgestellt. Der von vielen erwartete, ganz große Wurf, ja gar der „iphone Killer“ ist es nicht. Das Nexus One wird weder das iPhone noch den Blackberry vom Markt fegen. Denn trotz besserer Ausstattung  hebt es sich zu wenig von der etablierten Konkurrenz ab. Vor allem überrascht es nicht wie das iPhone bei seiner Premiere. Aber das Nexus One ist ohne Zweifel ein passables, mit viel Liebe zum Detail durchdachtes Smartphone, das viele Anhänger weltweit finden wird.

Navigationssoftware gratis dabei

Dafür sorgt schon die enge Integration von Google Diensten wie Suchmaschine, Email und Landkartenservice – der eigentliche Grund, warum sich der Internet-Konzern überhaupt im Mobilfunkgeschäft tummelt. „Das Handy ist der künftige Computer“, predigt Google-Chef Eric Schmidt schon seit mehreren Jahren und fördert fleißig das von Google unterstützte mobile Betriebssystem Android.

Eine Navigationssoftware, die beim iPhone bis zu 80 Euro extra kostet, steuert Google beim Nexus One gratis bei. Sie ist mit einer Spracherkennungsfunktion gekoppelt, die Ziele versteht und deren Adressen bei Bedarf aus dem Internet abfragt. Doch sie kann noch mehr, wie Google Manager Erick Tseng demonstrierte. Er diktierte eine Nachricht ins Handy, die fehlerfrei in Text umgewandelt und als Email oder SMS verschickt werden konnte. Ob das im Alltag genauso gut funktioniert wie bei der Premiere und wie sicher das Nexus One im Deutschen ist, muss sich erst noch erweisen.

Schlanker und größer als das iPhone

Zu den technischen Details: Das Nexus One ist 130 Gramm schwer, mit 11,5 Millimeter Dicke  geringfügig schlanker und mit 11,9 Zentimeter einen Hauch länger als das iPhone 3GS – siehe Tabelle weiter unten. Sein Display ist etwas größer als der Apple Konkurrent und hochauflösender, was beispielsweise kleingedruckten Text besser lesbar macht. Auch die integrierte Kamera ist mit fünf Megapixel und integriertem Blitz leistungsfähiger. Wie beim iPhone fehlt ein physisches Keyboard, was damit eine Domäne von Blackberry, Palm Pre, Windows und Nokia Smartphones bleibt.

Bedient wird das Nexus One mit dem Finger, wobei das vom iPhone eingeführte Vergrößern und Verkleinern mit Daumen und Zeigefinger nicht funktioniert. Darauf hat Apple ein Patent. Im Gegensatz zu Palm, das diese Funktion bei seinem Pre offeriert, hat Google scheinbar nicht genug Handy-Patente, um Klagen von Apple wirksam zu parieren. Wlan, Bluetooth, Kompass und GPS sind integriert. Auf der Rückseite des Handys ist ein zweites Mikrofon integriert, das Nebengeräusche herausfiltern soll und den Gesprächspartner besser verständlich machen.

Vergleich: Google Nexus One vs Apple iPhone 3GS

Nexus One

iPhone

Gewicht mit Batterie130 Gramm135 GrammHöhe119 mm115 mmBreite     59,8 mm61 mmDicke       11,5 mm11,6 mmDisplay     3,7 Zoll, OLED touchscreen, 800 x 480 pixel3,5 Zoll, TouchscreenKamera      5 Megapixel, mit LED Blitz3 Megapixel, ohne BlitzBatterie auswechselbar  ja   nein

16 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.06.2010, 14:51 UhrAnonymer Benutzer: xXAmiiRXx

    natuerlich werden das nexus one und seine android kollegen das iphone ausstehcen. bei der vorstellung des ersten iphones klar war das iphone da besser als die konkurrenz aber mittlerweile entwickelt das iphone sich zu langsam. die konkurrenz kann schnell aufbauen und mit dem momentanen update auf froyo wird das nexus one schließlich auch iphone funktionen uebernehmen und ueberbessern . dieses diktatorische betriebssystem iOS ist absolutkundenfeindlich . ich habe lang genug mit beiden systemen gearbeitet und das nexus one war fuer mich viel besser. und die ganzen apps die das iphone hat diese zahl hat sich viel langsamer ergeben als der android market tag fuer tag waechst.

  • 10.01.2010, 18:18 UhrAnonymer Benutzer: Guido

    Ja das ist eines der untransparentesten Sachen an Apple - will man für sie Apps schreiben, dann kann man nicht vorher in Erfahrung bringen, ob das App überhaupt zugelassen wird - vielmehr erdreistet sich apple, wenn es fertig ist, selbst untransparent zu entscheiden, ob das App der AppleRelegion entspricht und in den App darf .... da geht Google schon mit dem Android bessere Wege und werde daher auch auf das Nexus umschwenken ...

    so reden viele Entwickler und daher sehe ich in den Google bestrebungen schon einen ziemlichen Schlag gegen Apple, auf vielen Ebenen ^^

  • 09.01.2010, 12:45 UhrAnonymer Benutzer: Rick

    ich habe seit 2 Jahren ein iPhone (erst 2G jetzt 3GS) und mir geht die bevormundung seites Apple (Apps nur über Appstore, iTunes Zwang, Musik nicht von 2 verschiedenen Computern aufspielbar, etc.) inzwischen dermassen auf den Sack, dass ich mir auf jeden Fall ein Android-Telefon kaufen werden, sobald das betriebssystem etwas reifer ist. Das wird nicht mehr lange dauern.

Alle Kommentare lesen

Blogs

Infografik der Woche: Wie Entwicklungsländer die mobile Revolution antreiben
Infografik der Woche: Wie Entwicklungsländer die mobile Revolution antreiben

Von dem Entwicklungsökonom Jeffrey Sachs stammt die Feststellung: Kaum eine andere Technologie wird in der Entwicklung...

weitere Fotostrecken